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Virtuelle Realität : Hier sehen Sie Ihren neuen Arbeitsplatz...

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Vom Sofa aus ein Bewerbungsgespräch simulieren oder der Wunsch-Universität einen Besuch abstatten - mit Hightech-Brillen ist das kein Problem. Bild: Getty

Mit Hightech-Brillen gehen immer mehr Unternehmen auf Bewerberfang und bieten erste Einblicke in die Arbeit. Die neue Technik macht aber noch viel mehr möglich.

          Sonnenstrahlen fallen durch die hohen Fenster des Büros in der Hamburger Hafencity, lassen den großzügigen Raum für den Neuankömmling einladend hell erscheinen. Überall im Zimmer thronen große Monitore auf noch größeren Schreibtischen, hinter denen Mitarbeiter kurz hervorlugen und freundlich grüßen. Mittendrin wartet ein Mann in einem blauen Anzug, augenscheinlich der Chef, winkt den jungen Berufsanfänger heran und erklärt ihm anschließend gestenreich die Aufgaben des Postens, den es zu besetzen gilt. Es wäre seine erste Stelle nach dem Studium, von Nervosität ist beim Bewerber während alldem trotzdem keine Spur. Wie auch? Sitzt er doch während des gesamten Bürorundgangs gemütlich auf dem heimischen Sofa in Frankfurt, auf der Nase eine Hightech-Brille.

          Der Nutzer bekommt das Gefühl, er stünde inmitten der Werkstatt

          Virtual Reality (VR) heißt die Technik, die den virtuellen Besuch im neuen Unternehmen für den Kandidaten dank des optischen Hilfsmittels beachtlich echt aussehen lässt. Distanzen spielen dabei keine Rolle, ebenso wenig wie Anreisestress oder Fahrt- und Hotelkosten. Der Bewerber weiß im Grunde schon, wo zukünftig sein Schreibtisch stehen könnte, bevor er überhaupt einen Fuß ins Büro gesetzt hat. Und auch wenn es so anmuten mag: Mit Science-Fiction hat das geschilderte Szenario kaum noch etwas zu tun. In einigen Unternehmen wird die Technik der virtuellen Realität - die bislang eher mit Videospielen in Verbindung gebracht wird - auf ähnliche Weise bereits genutzt.

          Zum Beispiel von Oliver Erb. Der 31-Jährige ist Personalreferent beim baden-württembergischen Energieversorger ENBW in Stuttgart und setzt virtuelle Realität dort seit Anfang des Jahres ein, um neue Arbeitskräfte zu werben. Seither können sich potentielle Auszubildende im Netz auf authentische Weise anschauen, was sie in den Ausbildungswerkstätten des Konzerns erwartet. „Die Idee dazu kam mir vor rund zwei Jahren, allerdings war die Technik damals noch zu experimentell und zu teuer“, sagt Erb. Inzwischen ist die Entwicklung weiter. Prinzipiell sei für die Produktion nicht viel mehr notwendig als eine Kamera, die ein Panorama von 360 Grad in einer guten Auflösung filmen könne, so der Personalreferent. Im Handel gibt es diese Geräte schon für rund 200 Euro. Der Zuschauer benötigt bestenfalls eine VR-Brille, zur Not reicht jedoch auch ein Smartphone.

          Erb jedenfalls hat mit seinem Team in den ENBW-Ausbildungszentren Stuttgart, Heilbronn und Tuttlingen entsprechende Videoaufnahmen angefertigt. Sie zeigen junge Männer und Frauen in Arbeitskleidung dabei, wie sie komplex wirkende Maschinen bedienen oder aber Metallstücke vermessen und schleifen - der ganz normale Arbeitsalltag also. Seine Wirkung entfaltet das Video insbesondere dann, wenn es vom Betrachter durch eine Virtual-Reality-Brille angeschaut wird: Der Nutzer bekommt unweigerlich das Gefühl, als stünde er inmitten der Werkstatt. Schaut er nach oben oder unten, nach links oder nach rechts, so ändert sich zugleich auch das Blickfeld. Auf der einen Seite die Werkbank, an der anderen Wand der Computer-Arbeitsplatz - der Betrachter kann sich alles im Raum genau anschauen.

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