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Betriebliches Vorschlagwesen : Der Schatz im Unternehmen

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Sparsamer Verbrauch: In der Aluminiumfabrik von Norsk Hydro wurde die Produktion nach Vorgaben der Belegschaft auf mehr Effizienz getrimmt. Bild: Norsk Hydro

Die eigenen Mitarbeiter wissen oft am besten, wie sich die Arbeit besser und günstiger gestalten lässt. Man muss nur sie nur richtig danach fragen.

          Es ist nur eine Kleinigkeit, doch sie wirkt: „Wir haben die Ölkühl-Temperatur für vier Zerspanungsmaschinen um 4 Grad angehoben“, sagt Christopher Gerdau, Umweltbeauftragter und stellvertretender Produktionsleiter in Gödenstorf bei der Salzhausener Maschinenbautechnik, kurz Salmatec. „Dadurch werden die Stromkosten jährlich um 3500 Euro gesenkt, und der geringere Verbrauch schont das Klima.“

          Angeregt hat die Anpassung Torsten Draak, Elektromeister und Instandhalter der Maschinen. Bei einem Workshop rund ums Energiesparen hat er bemerkt: „Vielleicht brauchen wir unsere Ölkühler ja gar nicht bis zum Anschlag runterdrehen“. Später hat er getestet, wie weit sich die Temperatur mit Blick auf die Schmiereigenschaften des Öls anheben lässt, und mit Stromzählern die Ersparnis berechnet.

          Salmatec ist kein Einzelfall. „Solche Beobachtungen an Maschinen und der Werkbank, wie sich Ressourcenverbrauch und Kosten in der Produktion senken lassen, gibt es in vielen Betrieben“, sagt Tobias Ritter, Arbeitssoziologe am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung in München, ISF. Doch nicht immer führen sie zum gewünschten Ergebnis. „Weil die Facharbeiter nicht wissen, welchen Wert ihre Idee fürs Unternehmen hat.“ Zugleich unterschätzen die Unternehmen oft das Erfahrungswissen ihrer Beschäftigten. „Sie setzen lieber auf passive Maßnahmen, wie Energiesparbirnen“, klagt der Experte. Stattdessen wäre es besser, den Mitarbeitern mehr Raum zum Handeln zu geben.

          „Hauptsache, das Werk läuft und brummt“

          An dieser Stelle setzt das Münchner Institut an: Sein Projekt zur produktionsbezogenen Nachhaltigkeitskompetenz, kurz Pronak genannt, soll Bediener und Instandhalter befähigen, ihr Wissen in Worte und Zahlen zu fassen und an höherer Stelle besser zu vermitteln. „In moderierten Workshops zum erfahrungsorientierten Lernen tragen Fachkräfte aus verschiedenen Abteilungen zusammen, was ihnen im Alltag auffällt“, beschreibt Ritter das Vorgehen. Unter der Regie von Moderatoren wägen die Mitarbeiter dann ab, welche Vor- und Nachteile eine Idee mit sich bringt. Schließlich soll weder die Laufzeit der Maschinen noch die Qualität des Produkts beeinträchtigt werden. Oder, wie es Elektromeister Draak ausdrückt: „Hauptsache, das Werk läuft und brummt.“

          So vermitteln die Moderatoren, wie sich ein Vorschlag mit schlüssigen Argumenten unterfüttern lässt: „Welche Messverfahren werden gebraucht, wie lassen sich Kennzahlen errechnen, oder wie sieht das Kosten-Nutzen-Verhältnis aus?“, nennt Ritter Beispiele. „Vorgesetzte sollten zudem eingebunden werden, wie sie die Vorschläge ihrer Mitarbeiter unterstützen“, rät er. Ansonsten fühlten sich einige übergangen und könnten womöglich die Maßnahmen blockieren.

          Lassen sich die Chefs jedoch überzeugen, bekommt eine Idee ihre Chance: Ein Probelauf von sechs Wochen zeigt, ob nachgebessert werden muss. Läuft es gut, wird die Idee im gesamten Betrieb umgesetzt. Auch der Mitarbeiter oder das Team mit dem Einfall profitieren: „Gute Ideen sollten mit einer Belohnung verknüpft werden, wie das im Vorschlagswesen üblich ist“, fordert Soziologe Ritter. Schließlich wollten die Mitarbeiter sehen, dass das Unternehmen ihre Idee wertschätzt und anerkennt.

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