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Besser arbeiten 2014 : Nie wieder dieser Vorsatz!

  • Aktualisiert am

Blick fürs Wesentliche: Wer sich zu viel vornimmt, scheitert kläglich. Bild: © Randy Faris/CORBIS

Schon gute Vorsätze fürs neue Jahr gefasst? Lassen Sie es lieber. Aus den meisten Vorhaben wird sowieso nichts. Hier sind unsere Favoriten.

          Leerer Schreibtisch zum Feierabend

          Ich habe es wirklich versucht. Ich habe verschiedene Ablagefächer eingerichtet – Posteingang und -ausgang, eilig, auf Wiedervorlage und so weiter und so fort, das ganze Programm eben. Schön beschriftet und in Plastikboxen praktisch stapelbar. Ich habe feste Tageszeiten freigehalten, um die eingehende Post zu sortieren, und mich selbst gezwungen, immer sofort zu entscheiden. Kein Papier sollte mehr auf die lange Bank geschoben, alles in Sekundenschnelle seiner weiteren Verwendung zugeführt werden. Das klappte anfangs auch ganz gut. So ungefähr drei Tage lang. Abends, beim Verlassen des Büros, spiegelte sich matt das Licht von der Straße auf der Oberfläche des Schreibtisches. Ein völlig neuer Anblick. Dann aber tauchte das erste Fax auf, das es wert war, noch einmal gründlich überdacht zu werden. Schließlich liegt der journalistische Mehrwert nicht immer sofort auf der Hand. Schnell war ein Plätzchen für die neue Kategorie gefunden – quer auf dem obersten Ablagefach. War ja nicht auf Dauer. Dummerweise kam ich am nächsten Tag wegen anderer dringender Dinge nicht dazu, mich der Sache zu widmen. Dafür tauchten aber neue, überdenkenswerte Dinge auf, die ebenfalls auf der neuen Querachse landeten. Irgendwann war der Stapel so hoch, dass er abrutschte. Das Aufleseverfahren vom Boden führte dann allerdings zum gnadenlosen Ausleseverfahren. Seitdem schwöre ich auf das „Quartalsaufräumverfahren“ als das Nonplusultra der effizienten Büroorganisation. Vor Weihnachten war es wieder so weit.

          Sven Astheimer

          Effizientes Arbeiten im Zug

          München–Frankfurt hin und zurück, das bietet sechseinhalb Stunden freie Fahrt für freie Gedanken. Eine Zugfahrt, die lässt sich nutzen, um effizient zu arbeiten. Was hatte ich da anfangs hochfahrende Pläne: Zeit ohne Ende, um durch das Internet zu stromern, eine tolle Artikelstruktur zu entwerfen, die in der Redaktion bereits herantelefonierten Informationen aufzuschreiben. Der Plan ging so: Wenn Ingolstadt passiert ist, sind die schon vorhandenen Notizen durchgearbeitet, in Nürnberg ist die abrundende Recherche im Netz beendet, sind letzte Details ergoogelt. Dann geht es munter ans Schreiben bis Würzburg. Gleitet Aschaffenburg vorbei, folgt der Feinschliff des Artikels, und bis sich die Frankfurter Skyline am Horizont erhebt, ist der Beitrag fertig. Arbeiten im ICE, das tun doch alle oder geben es zumindest vor. Ich bin gescheitert. Die Zahl meiner druckreifen, im Zug entstandenen Beiträge ist beschämend gering. Während der Zug mit 290 Stundenkilometern durch die bayerischen Wiesen und hessischen Wälder saust, ist mein tatsächliches Arbeitstempo erschütternd lahm. Einen Schuldigen habe ich ausgemacht, besser gleich mehrere: Es sind die Umstände, die Mitreisenden, die Ausfälle der Bahn. Wer, bitte schön, kann sich konzentrieren, wenn er stundenlang eine Körperhaltung wie eine Sitzmumie einnehmen muss? Und dann noch regelmäßig das Glück hat, dass 1,90-Meter-Männer ihre gut 130 Kilo auf dem Nebensitz zusammenfalten. Schon beim Laptop-Einstöpseln lässt sich der von beiden Seiten unerwünschte Körperkontakt schwer vermeiden. Hinzu kommt die akustische Umweltverschmutzung, die weitaus schlimmer ist als in jedem Großraumbüro. Das Ruheabteil mit seinem Handyverbot ist früh ausgebucht, also gilt es, all die eitlen Schautelefonierer zu ertragen, die ebenso munter wie dummdreist vertrauliche Firmendetails referieren. Weghören fällt schwer, irgendwie ist das die Faszination des Schrecklichen. Und zum schlechten Schluss ist da die Deutsche Bahn mit ihren Verspätungen, Triebwerksausfällen und überbuchten Zügen. Vor alldem sind meine ehrgeizigen Arbeitspläne kollabiert. Es frustriert auf Dauer, wenn man im Spessart lediglich einen Texttorso vorweisen kann. Also nehme ich mir außer entspanntem Lesen nichts mehr vor – bevorzugt in den Blättern der Konkurrenz. Das deklariere ich als Marktbeobachtung. Und manchmal starre ich einfach auf die vorbeifliegende Landschaft und tue nichts. Einfach nichts. Das fühlt sich gut an. Seither komme ich entspannt an, freue mich auf die Kollegen, meine Beinfreiheit und einen nicht vibrierenden Schreibtisch.

          Ursula Kals

          E-Mails immer sofort löschen

          Der Systemadministrator ist mein bester Freund. Keine Woche vergeht, ohne dass er mir schreibt, manchmal sogar kein Tag. Immer nachts um eins kommt seine mahnende Nachricht: „Ihr Postfach ist fast voll. Verringern Sie die Größe Ihres Postfachs. Löschen Sie alle nicht benötigten Elemente aus dem Postfach, und leeren Sie den Ordner ,Gelöschte Elemente‘.“ In der vergangenen Woche ging es schrittweise bergauf, Montag waren 445 der 488 erlaubten Megabyte erschöpft, Dienstag 453, Mittwoch 461, bis Silvester dürfte ich von der Außenwelt abgeschnitten sein. Zum systematischen Löschen ist im hektischen Jahresendgeschäft keine Zeit, also beginnt jeder Morgen mit dem gleichen Ritual: Den Posteingang nach der Größe der Mails sortieren, die größten Nachrichten samt ihrer Bildanhänge löschen oder en bloc in den Archivordner verschieben – und hoffen, dass damit zumindest für einen Tag Ruhe herrscht. Dabei könnte alles so einfach sein. Warum nicht jeden Abend als letzte Amtshandlung Outlook aufräumen? Löschen, was nicht mehr nötig wird, in die entsprechenden (und reichlich vorhandenen) Ordner verschieben, was noch gebraucht wird. In einer Viertelstunde wäre das vermutlich erledigt, und doch, dieser jedes Jahr aufs Neue gefasste Vorsatz will einfach nicht gelingen. Zu groß ist die Verlockung, nach einem langen Arbeitstag, wenn alles unbedingt zu Erledigende abgearbeitet ist, den Rechner endlich runterzufahren. Und zu groß ist auch die Erleichterung, wenn die Suchfunktion eine schon lange gelöscht geglaubte Mail wieder zutage fördert, mit der entscheidenden Information, dem entscheidenden Ansprechpartner. Hat sich das Sammeln doch gelohnt. In diesem Sinne, lieber Systemadministrator: Auf ein Neues! Wir werden auch 2014 wieder viel miteinander zu tun haben.

          Julia Löhr

          Keinen Kaffee mehr aus dem Automaten

          Mindestens drei Jahre hintereinander habe ich es mir vorgenommen: Diese schreckliche Plörre aus dem Kaffeeautomaten in der Mitte des Flurs, die werde ich nie wieder trinken. Es gibt nichts an diesem Kaffee, das schmeckt. Nicht das Wasser, nicht die Bohnen und schon gar nicht das übelriechende Milchpulver, mit dem die Maschine arbeitet. Und es gibt eine gute Alternative: Gegenüber vom Büro ist ein netter kleiner Kaffeeladen. Köstlicher Latte macchiato mit Keks! Also künftig nur noch dorthin, habe ich mir deshalb regelmäßig zum neuen Jahr geschworen. Dann nahm spätestens nach drei Tagen der Stress überhand, und ich stellte fest: Ich bin zu koffeinsüchtig, um jedes Mal drei Stockwerke nach unten zu gehen. Und ich habe dafür im Alltag einfach keine Zeit. Unter dem Christbaum, bei einer guten Tasse selbstgebrühten Kaffees, glaube ich zwar auch dieses Jahr, die Büro-Plörre nie wieder trinken zu können, doch diesmal weiß ich: Das halte ich sowieso nicht durch. Dieses Jahr nehme ich mir stattdessen vor, am 2. Januar ein Päckchen Schwarztee einzupacken. Wird den Kaffee nicht immer ersetzen können. Aber vielleicht manchmal.

          Nadine Bös

          Mit dem Rad zum Bahnhof

          Mein Weg von zu Hause zum Büro ist zu weit, um ihn mit dem Fahrrad zu fahren. Aber vom Bahnhof ins Büro und vom Büro zum Bahnhof – da lohnt sich das Radeln. So kann ich den Umstieg von der S-Bahn in den Zug vermeiden und eine mögliche Verspätungsquelle ausschalten. Doch meistens steht das Rad dann doch ungenutzt in der Tiefgarage. Nie schaffe ich es, eine Fahrradpumpe dabeizuhaben, wenn es gerade nötig wäre. Dann ist das Schloss kaputt oder im Winter das Licht. Jahr für Jahr habe ich mir vorgenommen, dieses Rad in Schuss zu halten, damit ich effizienter zum Büro pendeln kann – schließlich gewinne ich dadurch Arbeits- oder Freizeit. Dieses Jahr will ich ehrlich sein: Ich mag nach der Arbeit nicht zum Bahnhof radeln. Ich mag die Strecke an der vielbefahrenen Hauptstraße nicht. Ich mag nicht am Bahnhof parken, wo ich jede Nacht Angst vor Fahrraddieben habe. Und ich habe das Gefühl, dass der Fußweg vom Fahrradparkplatz zum Gleis ebenso lange dauert wie eine S-Bahn-Fahrt. Das sind die vielen Gründe, warum das mit dem Fahrrad-Fitmachen einfach nie klappt. Dieses Jahr nehme ich mir vor, das Rad aus der Bürogarage mit nach Hause zu nehmen. Und lieber ab und zu damit am Wochenende eine Tour am Rhein zu machen.

          Nadine Bös

          Immer vorbereitet in die Besprechung

          Es gibt nicht vieles, das unproduktiver ist als Rätselraten in Meetings. Wenn niemand vorbereitet ist und keiner Bescheid weiß. Dann geht das Gestotter los, und statt vor der eigenen Ignoranz zu kapitulieren, werden schnell Analogien gebildet, Parallelen gezogen, Gemeinsamkeiten konstruiert. „Könnte es nicht sein, dass ...?“ Es ist ein wahrhaft ehrenwertes Ziel, diese von vorneherein zum Scheitern verurteilte Suche nach Wahrhaftigkeit verhindern zu wollen. Wenn hier alle an einem Strang ziehen, ist viel erreicht. Es dürfte nicht wenige Konferenzschaltungen geben, die man diesen Prämissen zufolge nach fünf Minuten wieder beenden könnte. Spätestens dann ist der Erkenntnisgewinn ausgereizt. Da dies selten geschieht, ist es ein mindestens ebenso ehrenwerter Vorsatz, wenigstens selbst immer bestens vorbereitet in Gruppenbesprechungen zu gehen. Allein, der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Was muss man für Vorarbeiten leisten, um sich ein paar Minuten im Glanz eines gelungenen Auftritts sonnen zu können. Umfangreiche Literatur muss gesichtet, jede Eventualität bedacht werden. Welche Wendung könnte die Diskussion an diesem Punkt nehmen? Unmöglich, jede Zwischenfrage antizipieren zu können. Außerdem: Die eigene Unwissenheit verschleiern kann man auch in Nebelschwaden. Das bekommt der durchschnittliche Fernsehzuschauer jeden Tag in mindestens drei unterdurchschnittlichen Talkshows zu sehen. Wichtig ist nur, die Ausweichmanöver sorgfältig vorzubereiten. Doch das ist schnell geschehen und durchaus effektiv: Die halten nämlich nicht nur für die nächste Sitzung – sondern auch für alle anderen.

          Corinna Budras

          Ein Arbeitnehmer braucht keinen Vorsatz

          Vorsätze habe ich schon lang nicht gefasst. Warum nicht? Weil ich sie nie lang eingehalten habe und die Ernüchterung über die eigene Erbärmlichkeit immer größer war als die Freude, die mir die drei Tage währende Disziplin bereitete? Ich habe zuletzt gar nicht mehr darüber nachgedacht, einen Neujahrsvorsatz zu fassen. Vor ein paar Jahren joggte ich frühmorgens durch eisige Schrebergärten und war auf gutem Weg, ein guter, gesunder, fleißiger Mensch zu werden. Vielleicht weiß ich es heute besser. Oder es ist, weil ich jetzt Arbeitnehmer bin. Es ist ja jeden Tag genügend Arbeit da. Man fängt morgens an zu arbeiten und hört abends auf. Das ist alles. Vorsätze sind etwas für Studenten, Aussteiger und Rentner. Ich bin Arbeitnehmer. Ich lasse den Quatsch erst mal.

          Jan Grossarth

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