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Berufsunfähigkeit : Die Police für den Fall der Fälle

  • -Aktualisiert am

Woher kommt das Geld, wenn man nicht mehr arbeiten kann? Bild: Fotostudio Franz Pfluegl

Bislang hat nur jeder fünfte Erwerbstätige eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Neue Spielregeln sollen die komplizierten Verträge ab Januar vereinfachen.

          Herbert Grönemeyer braucht sie nicht, Josef Ackermann auch nicht. Aber wer seine Existenz auf dem monatlichen Arbeitseinkommen aufbaut, riskiert im Fall von dauerhaften Erkrankungen ohne Berufsunfähigkeitsversicherung einen herben Absturz. Zum Beispiel Jens Riemann: Der 37 Jahre alte Betriebswirt ist glücklich verheiratet, hat drei kleine Kinder, baut gerade ein Haus und geht davon aus, dass er bis zur Rente mindestens eine Million Euro verdienen wird. So viel kämen bei konstant 3000 Euro netto pro Monat über die Jahre zusammen. "Falls ich vorher tot umfalle, ist die Familie über eine Risikolebensversicherung abgesichert", sagt er.

          Wenn er aber dauerhaft so stark erkranken sollte, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, wird es eng. Selbst wenn seine Frau Annika wieder ganztags als Kosmetikerin arbeiten ginge, würden sie das Haus sofort gegen eine kleine Wohnung tauschen müssen. Urlaube, die Hobbys der Kinder, modische Kleidung, schick ausgehen - damit wäre es dann vorbei. Zumal je nach Krankheitszustand zusätzlich Kinderbetreuungskosten entstünden.

          Düstere Gedanken im Hinterkopf

          Im Hinterkopf rumoren diese düsteren Gedanken bei vielen, die von ihrer Arbeit leben. Nach gängigen Schätzungen scheidet jeder vierte Angestellte wegen Krankheit oder Unfall frühzeitig aus dem Erwerbsleben aus. Die Reform der gesetzlichen Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrente im Jahr 2001 hat die Lage noch erschwert. Seitdem gibt es für die nach dem 1. Januar 1961 Geborenen keine staatliche Berufsunfähigkeitsrente mehr. Sie ist der Erwerbsminderungsrente gewichen, die erst im schlimmsten Fall monatlich 1000 Euro übersteigt, nämlich dann, wenn man selbst in einem Hilfsjob keine drei Stunden täglich mehr arbeiten kann. Das aber auch nur, wenn der Verdienst vorher über 3000 Euro brutto lag und fünf Jahre in die Rentenkasse eingezahlt wurde. Ohne sonstige Einkommensquellen ist der soziale Absturz vorprogrammiert.

          Eigentlich ist die private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) also ein Muss. Fakt ist aber, dass maximal jeder fünfte Erwerbstätige eine hat und laut Versicherungsanalyst Morgen & Morgen durchschnittlich nur 500 Euro Monatsrente versichert sind. Wie weit will man damit kommen? "Das Problembewusstsein ist da, aber wenig Eigeninitiative", weiß Versicherungsmakler Daniel Bsullak vom Versicherungsmaklerbüro Rheingau-Taunus aus seiner Praxis. "Es ist immer an uns, das Thema anzusprechen." Der Grund: Die Prämien der Berufsunfähigkeitsversicherungen schlagen schnell mit 100 bis 200 Euro pro Monat zu Buche - je nach Berufsgruppe, Eintrittsalter, Geschlecht und Gesundheitszustand.

          Die reine Risikoversicherung ist damit wesentlich teurer als die üblichen Sachversicherungen, ohne dass man im günstigen Fall etwas zurückbekommt. Die Abwägung für Jens Riemann: Wenn er topfit mit 67 in den Ruhestand geht, hat er bei 150 Euro monatlicher Prämie 54000 Euro umsonst ausgegeben. Zwingen ihn dagegen in jungen Jahren gesundheitliche Probleme, seinen Beruf aufzugeben, zahlt ihm die Versicherung eine monatliche Rente, die sich bis zur angepeilten Einkommensmillion summieren kann.

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