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Berufsorientierung : Darf’s auch mal ein Handwerk sein?

Bodenkunde: Die Aschheimer Realschüler machen sich auf der Münchner Messe mit Handwerksberufen vertraut. Bild: Jan Roeder

Zwischen Zugmaschinen und Fliesenlegern in Cordhosen: Eine Gruppe Schüler pirscht sich auf einer Handwerksmesse an mögliche Berufsbilder heran. Ein Rundgang mit bemerkenswerten Begegnungen.

          Was macht ein Elektriker? Kilian zögert, sagt dann „Strom“. Seine Mitschüler kichern, schweigen sich aber aus. Viel zu tun also für die Mitarbeiter der Internationalen Handwerksmesse, die sich in der Young-Generation-Halle mühen, um jungen Menschen Berufe vorzustellen. An diesem Tag sind auch die Neuntklässler der St. Emmeram Realschule aus dem bayerischen Aschheim unterwegs. Und die 14 Schüler stehen keineswegs so auf der Leitung wie die Elektro-Ignoranten. Denn der Rundgang über die Münchener Messe, die in dieser Woche zu Ende gegangen ist, ist freiwillig und findet freitagnachmittags statt. Interesse ist da und Beratungsbedarf ebenfalls.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Denn bis auf wenige Ausnahmen wissen die 15- und 16-Jährigen nicht, was sie nach der zehnten Klasse werden sollen. Julian Reischl hätte da ein paar Vorschläge. Der eloquente 24-Jährige schleust bei einer kurzweiligen, einstündigen Führung die Gruppen zu den Höhepunkten der Halle. Reischl ist Automobilkaufmann beim Nutzfahrzeughersteller MAN in München-Karlsfeld und repräsentiert einen klassischen Berufsfindungsgrund. „Ich bin von klein auf mit der MAN aufgewachsen, mein Papa ist in der Firma, mein Bruder auch.“ Im Herbst beginnt sein berufsbegleitendes BWL-Studium.

          „Ich bin der Julian“, steuert er auf die St. Emmeramer Gruppe zu. „Wie viel Handwerksberufe gibt es?“ „So um die 100?“, rät einer. „Gar nicht schlecht, es sind 130.“ Darunter die Dachdecker, die nicht nur auf dem Dach sind, wie der Auszubildende André berichtet und aufzählt: „Wir machen Außenabdichtungen für Terrassen, Tiefgaragen, Schwimmbäder, aber auch Gauben.“ Zwei Jungs und zwei Mädchen dürfen mitanpacken und im Wettstreit glasierte Tonziegel in Biberschwanzform in einer sogenannten Doppeldeckung auf einem kleinen Dachmodell aufbringen. Die Mädels sind schneller.

          „Vielleicht spornt das die Mädels an?“

          Wie ein gutgelaunter Clubanimateur dirigiert Reischl zur Koje gegenüber, wo ein Auto und ein Roller parken. „Was hat das denn mit dem Elektrohandwerk zu tun? - Das sind Elektroautos“, verkündet er. Azubis der Innung für Elektro- und Informationstechnik schwirren in knallgelben Polohemden umher und erklären, was sie lernen und schon können. Philipp, der technisch interessiert ist, darf eine Kreuzschaltung aufbauen. Alle schauen dem Schüler über die Schulter, als er sich geschickt darin versucht, die Wechselschaltung zu durchschauen und die richtigen Kabel miteinander in Kontakt zu bringen. Azubi Jennifer lobt ihn: Das Licht geht bei jedem der drei Schalter an. Julian Reischl hofft auf ihr Vorbild: „Vielleicht spornt das die Mädels an?“ Am nächsten Stand stellen sich die Fliesenleger vor, und da ist es mit der Genderfreude schon vorbei. Die Besucher sollen ein Plattenmosaik legen. Reischl fragt: „Was ist denn ein Mosaik? Das wissen doch die Mädels!“ Das ist ja wieder eher ein weiches Thema, irgendwie künstlerisch.

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