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Beruflicher Erfolg : Die Stimme macht's

Bild: Cyprian Koscielniak / F.A.Z.

Jeder fünfte Deutsche mag seine Stimme nicht. Dabei beeinflusst sie auch den beruflichen Erfolg. Denn wie wir auf andere wirken, bestimmt nur zu 7 Prozent der Inhalt, 55 Prozent werden visuell bewertet, zu 38 Prozent entscheidet der Klang der Stimme.

          Die zwei Frauen stehen sich in dem hellen Souterrainbüro gegenüber, beide sehr schlank und groß, die Lehrerin blond, ihre Schülerin dunkelhaarig. Sie machen Atem- und Artikulationsübungen. Ihr Dialog ist gewöhnungsbedürftig und besteht aus konzentriert gesprochenen Konsonantenketten: „ptkptk . . . ptkptk.“ „Bitte mit guter Anbindung an das Zwerchfell“, erinnert die Trainerin und fordert ein „f“. „Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Airbag unter dem Arm. Fff, bitte zur Luft kommen, sss, schschsch.“ Nachhaltig wehen die Töne durch das mit einem Flügel, einem Biedermeiersekretär und einem Sofa möblierte Zimmer.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          „Unglaublich viel hängt vom richtigen Atmen ab, das machen viele Menschen falsch. Stimmtraining ist eine sehr körperliche Arbeit“, erläutert die Münchener Sprechtrainerin Monika Klinger. „Ich muss nicht schreien, ich muss schwingen. Personare heißt durchtönen. So stellt man Lautstärke her.“ An diesem Nachmittag im März verhilft sie Nina Sophia Rangger zu mehr Klang und Volumen. Die 35 Jahre alte ehemalige Immobilienmaklerin moderiert in Innsbruck eine Radiosendung „Aktuelle Debatten“ mit Live-Gästen und möchte ihrer Stimme mehr Ausdruck verleihen.

          Dabei hört sie sich für Laienohren bereits gut an und wurde so auf einem Kinofestival fürs Radio entdeckt. „Aber ich möchte noch besser werden.“ Motiviert sind die meisten jungen wie alten Schüler, die sich bei Monika Klinger im Olympiadorf einfinden. Die Musiklehrerin, die an einem Gymnasium drei Chöre leitet, unterrichtet sowohl Berufseinsteiger, die mit ihrer Dialektfärbung hadern, als auch auch Manager, die sich mehr Gehör verschaffen möchten. Sie alle wollen mehr Bestimmtheit erlangen.

          Wie wir wirken bestimmt nur zu 7 Prozent der Inhalt

          Wie wir auf andere wirken, bestimmt nur zu 7 Prozent der Inhalt, 55 Prozent werden visuell bewertet, zu 38 Prozent der Klang der Stimme, haben Wissenschaftler herausgefunden. In einer Untersuchung des Netzwerks Stimme.at, in dem 70 Stimm- und Sprechspezialisten ihr Wissen weitergeben, sagen 91 Prozent der Befragten, dass sie Bewerber mit guter Stimme und Sprechweise anderen Bewerbern vorziehen. Jedoch mangelt es an objektiven Kriterien, den Karrierefaktor Stimme zu bewerten. Eines steht aber fest, fasst die Autorin der Studie, Unternehmensberaterin Helene Karmasin, zusammen: „Gut an kommt, wer stimmlich sicher wirkt und seine Stimme führen und flexibel einsetzen kann. Vollklingende mittlere Stimmlagen werden hohen oder betont tiefen vorgezogen.“ Also lieber eher den Durchschnitt repräsentieren, als mit Pieps- oder Knarzstimme die anderen zu irritieren.

          Jeder Fünfte mag seine Stimme nicht, hat die Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts ergeben. Sprechtrainerin Ingrid Amon, Autorin des Buchs „Die Macht der Stimme“, nennt Gründe dafür: „Gepresste, flache Stimmen irritieren und ermüden die Zuhörer. Zu hohe oder zu tiefe Stimmlagen wirken gestresst und strengen Sprecher und Zuhörer an. Monotones Sprechen langweilt und lenkt vom Inhalt ab.“

          Singen hilft

          Wer früh Freude am Singen entwickelt, tut sich mit seiner Stimme leichter. Gymnasiallehrerin Monika Klinger leitet drei Chöre und ist überzeugt: „Es gibt wirklich ganz wenige, die nicht singen können.“ Die Mutter von zwei Söhnen, die mit einem Musiker verheiratet ist, legt bei all ihren Schülern Wert auf die Haltung. Das heißt, alle stellen sich aufrecht hin, die Füße hüftbreit auseinander, schieben das Becken nach vorne, nehmen die Schultern leicht nach hinten und beugen leicht die Knie. Dann die Arme weit strecken. „Sie kommen als geschlossenes Akkordeon herein und gehen als Flügel wieder hinaus“, sagt sie ihren Schülern, mit denen sie gerne und oft lacht. Und dann die Gesichtsmuskeln entspannen und die Zunge in den Unterkiefer senken. „Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Luftkugel im Mund.“

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