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Beruf und Partnerschaft : Karriere machen wir zusammen! Meistens.

Rücksicht auf die Karriere des Partners - wie weit geht sie und wann hört sie auf? Bild: dpa

Karriere-Menschen wollen, dass auch ihr Partner im Beruf erfolgreich ist. Das ist bei Männern und Frauen ganz ähnlich. Geht es aber um beruflich bedingte Wohnortwechsel, schlagen die Geschlechterklischees doch noch ein wenig zu.

          Karrierefrauen suchen sich karriereorientierte Männer, ehrgeizige Männer wollen gern Karrierefrauen als Partnerinnen. Wenn ein Umzug wegen des Berufs ansteht, nehmen beide Partner aufeinander Rücksicht. Alles ganz partnerschaftlich und auf Augenhöhe heutzutage? Nur fast. Denn ein Stück weit ist das klassische Rollenverständnis doch noch präsent.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Das jedenfalls sind die Ergebnisse zweier neuer Studien, in denen Fach- und Führungskräfte und deren jeweilige Partner befragt wurden. Denn in Zeiten von Frauenquote, Elterngeld und Kleinkindbetreuung wird zunehmend die Frage interessant: Wie stark nehmen Partner bei beruflichen Entscheidungen aufeinander Rücksicht, etwa wenn es darum geht, für die Karriere umzuziehen? Wie wichtig ist dem einen überhaupt das berufliche Fortkommen des anderen? Und unterscheidet sich das, je nachdem, ob man Frauen oder Männer befragt?

          Ein Forscherteam der Universität Hohenheim hat in zehn größeren Unternehmen quer durch die verschiedensten Branchen Fragebögen an 1230 Fach- und Führungskräfte versandt. Zwar machte nur bei einem kleinen Bruchteil der Befragten der Partner oder die Partnerin am Ende auch mit - es waren etwas mehr als 200. Doch genügte das den Autoren für erste Erkenntnisse.

          Herausgekommen ist: „Karriereorientierte Personen wünschen sich auch karriereorientierte Partner“, sagt Marion Büttgen, Mitautorin der Studien. „Paare setzen einander offensichtlich ganz unabhängig vom Geschlecht unter Druck, beruflich erfolgreich zu sein.“ Habe früher eher das Bild vorgeherrscht, dass Karrierefrauen sich erfolgreiche Männer wünschen, erfolgreichen Männern jedoch die Karriereorientierung ihrer Partnerinnen relativ egal sei, zeige die Studie keinerlei derartigen Unterschiede. „Offensichtlich gibt es in dieser Hinsicht eine ziemliche Gleichberechtigung - übrigens ganz unabhängig vom jeweiligen Gehalt oder von der Frage, ob Kinder vorhanden sind“, sagt Büttgen. Sie ermutigt Personaler dazu, die Karriere der Partner ihrer jeweiligen Kandidaten zukünftig stärker mitzudenken. „Weil die Karriereschritte offenbar zu Hause auch gemeinschaftlich geplant werden und weniger möglich ist, wenn der Partner nicht mitzieht.“

          Bei Umzügen ins Ausland gibt's doch Unterschiede

          Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es aber doch noch. Und die zeigen sich vor allem bei der Frage, ob und wie bereitwillig der Partner mitzieht, wenn es darum geht, aus beruflichen Gründen den Wohnort zu wechseln oder gar ins Ausland zu gehen. „Frauen trauen ihrem Partner seltener zu, eine adäquate Stelle zu finden, wenn sie mit ihnen zusammen ins Ausland wechseln“, sagt Büttgen. „Und das, obwohl die befragten Männer selbst da deutlich optimistischer sind.“

          Umgekehrt glauben viele Männer, dass, falls sie an einen anderen Standort oder ins Ausland entsandt werden, auch ihre Frauen dort einen guten Job bekommen werden. Insgesamt verschwenden die Frauen mehr Sorgen auf das berufliche Fortkommen ihres Partners, falls er mit ihnen gemeinsam wegzieht, als die Männer das tun. Und genau das ist es, was den Autoren zufolge noch immer ein „gewisses Verharren in alten Rollenbildern“ zeigt.

          Insgesamt gibt Studienautorin Büttgen zu, dass die Untersuchungsergebnisse zwar darauf hinweisen, dass Partner sich gegenseitig in Karrieredingen recht ernst nehmen. Ob dieses gegenseitige Verständnis in Karrieredingen aber wirklich ein neues Phänomen ist, lässt sich allerdings kaum sagen, weil keine Daten über die Entwicklung im Zeitverlauf vorliegen. Zudem kann Büttgen nicht ausschließen, dass sich gerade diejenigen unter den 1230 Befragten dazu entschlossen haben, den Partner zur Befragung hinzuzuziehen, die ohnehin ein gutes Verhältnis auf Augenhöhe zu diesem pflegen.

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