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Beruf und Familie : Schwesig schmiedet Allianz mit Arbeitgebern und Gewerkschaften

Hat Arbeitgeber und Gewerkschaften für einen bemerkenswerten Pakt zu Beruf und Familie zusammengebracht: Manuela Schwesig (SPD) Bild: dpa

Arbeitgeber und Gewerkschaften veröffentlichen an diesem Montag ein bemerkenswertes gemeinsames Grundsatzpapier: Mütter und Väter sollen sich die Aufgaben in der Familie und im Beruf gleichmäßiger aufteilen können, so der Tenor.

          Elternpaare sollten es nach Überzeugung von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) künftig leichter haben, sich die Aufgaben in Familie und Beruf gleichmäßig aufzuteilen. Denn einerseits wünschten sich viele vollzeitbeschäftigte Väter mehr Zeit für die Familie und andererseits viele Mütter mehr Zeit für den Beruf. Trotz starker Widerstände aus CDU/CSU und Wirtschaft wirbt sie deshalb beharrlich für ihre Idee einer „Familienarbeitszeit“ – einer staatlich geförderten 32-Stunden-Woche für Eltern.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Dafür hat Schwesig nun eine Allianz mit Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften geschmiedet: In einem gemeinsam erarbeiteten Grundsatzpapier, das an diesem Montag veröffentlicht wird, bekennen sich alle Beteiligten zum Ziel einer gleichmäßigeren Aufgabenteilung in Familie und Beruf. „Partnerschaftliche Vereinbarkeit wird vom Trend zum Mainstream“, heißt es in den Leitsätzen des Papiers mit dem Titel „Familien und Arbeitswelt – Die neue Vereinbarkeit“. Das 32 Seiten lange Memorandum liegt der F.A.Z. vorab vor. Schwesig wird es am Montag zusammen mit Spitzenvertretern der Sozialpartner unterzeichnen, darunter Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer und der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann.

          Plädoyer für eine „Modernisierung der Arbeitskultur“

          Zwar enthält das gemeinsame Papier kein Plädoyer für den konkreten Vorschlag der „Familienarbeitszeit“ – wohl aber das Bekenntnis, dass ein beherzter Ausbau von Kinderkrippen und -tagesstätten auch in diesem Zusammenhang besonders wichtig sei. „Die partnerschaftliche Aufgabenteilung von Beruf und Familie setzt bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige, bezahlbare Betreuungsmöglichkeiten für Kinder voraus“, stellen die Partner fest.

          Gleichzeitig plädieren sie für eine „Modernisierung der Arbeitskultur hin zu einer familienbewussten Arbeitszeitgestaltung für Frauen und Männer in verschiedenen Lebensphasen, die Beschäftigten mehr Optionen bei der Arbeits- und Lebensgestaltung gibt“. Auch darüber hinaus liefert das Papier eine breite Bestandsaufnahme gemeinsamer Positionen und Einschätzungen, wie sich betriebliche und familiäre Interessen in Zeiten des Fachkräftemangels besser in Einklang bringen lassen. „Alle Umfragen zeigen, dass sich die Bedürfnisse von Beschäftigten, von Familien, geändert haben“, sagte Schwesig dieser Zeitung. „Insbesondere wollen Männer und Frauen mehr gemeinsame Zeit für Familie.“ Eine Studie des Allensbach-Instituts zeigt, dass zwar in 56 Prozent der Familien die Mutter höchstens eine kleine Teilzeitarbeit hat und der Vater Vollzeit arbeitet. Zugleich aber ist diese Aufteilung nur für 41 Prozent das Wunschmodell. Das nährt die Hoffnung, dass mehr Kinderbetreuungsangebote und Hilfen für eine gleichmäßigere Aufgabenteilung sowohl den Familien nützen als auch der Wirtschaft, die Mitarbeiter sucht.

          Arbeitgeber erfolgreich ins Boot geholt

          „Es ist uns gelungen, mit Wirtschaft und Gewerkschaften einen bemerkenswerten Konsens zu erreichen“, ordnete die Ministerin die Verständigung ein. Dass sie die Arbeitgeber dafür gewinnen konnte, ist schon deshalb bemerkenswert, weil sie sich mit anderen politischen Projekten, von der Frauenquote über neue gesetzliche Pflegezeitansprüche für Arbeitnehmer bis zum geplanten Entgeltgleichheitsgesetz, immer wieder deren Unmut zuzieht. Vor allem mit ihrem Einsatz für den Ausbau der Kinderbetreuung hat Schwesig aber die Unterstützung der Wirtschaft. Daneben sind die Arbeitgeber daran interessiert, dass die Gestaltung familienorientierter Arbeitszeiten in den Betrieben eher als eine Aufgabe für die Tarifpolitik als für den Gesetzgeber verstanden wird – was durch das von Regierung und Sozialpartnern gemeinsam erarbeitete Papier ebenfalls zum Ausdruck kommt.

          Um den Ausbau von Kitaplätzen gibt es zurzeit aber deshalb Streit, weil noch nicht geklärt ist, was mit der freiwerdenden Milliarde Euro im Jahr für das Betreuungsgeld geschehen soll. Das Bundesverfassunggericht hatte diese Familienleistung zuvor gekippt. Schwesig hatte sich sofort dafür eingesetzt, das Geld in die Kindergärten zu investieren, war damit aber in der Union auf Widerstand gestoßen. Nun jedoch liefert ihr der starke Anstieg der Flüchtlingszahlen neue Argumente. Denn damit kommen voraussichtlich allein in diesem Jahr mehr als 110.000 Kinder unter sechs Jahren neu ins Land. Allein um ihnen genügend Plätze anzubieten, seien mindestens 550 Millionen Euro benötigt, rechnet Schwesig vor.

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