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Finanzbranche : Der Bankkaufmann hat ausgedient

Werden immer seltener: Bank-Beratungsgespräche mit Beratern aus Fleisch und Blut. Bild: Cornelia Sick

Von wegen Traumberuf: Die Filiale stirbt aus, und in den Bankentürmen werden immer mehr Mitarbeiter vom Computer ersetzt. Nur zwei Gruppen werden immer begehrter.

          Dass er einmal Eishockey-Profi werden will, wusste Frank Strauß schon als kleiner Junge. Dass er einmal im Vorstand der Deutschen Bank landen würde, vermutlich nicht. Den ersten Karriereweg haben sein eiserner Wille und jede Menge Training befeuert. Den zweiten vor allem seine Eltern. Wie in so vielen Familien hieß es auch im Hause Strauß damals in den achtziger Jahren: Junge, mach was Solides, geh zur Bank. Der Junge befolgte den Rat und stieg vom Banklehrling in der Filiale Iserlohn nach und nach auf bis zum Vorstandsvorsitz der Postbank. Und weil die nun in ihren Mutterkonzern Deutsche Bank integriert wird, sitzt Strauß seit September auch dort im Vorstand.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon heute sind Typen wie Strauß eine Seltenheit in den Chefetagen der großen Banken: ohne Studium bis ganz nach oben – das wird künftig wohl noch seltener werden. Und die klassische Banklehre hat angesichts der gewaltigen Umbrüche in der Bankenwelt als Start in eine solche Karriere ausdient. Wer will überhaupt noch in eine Branche, in der seit Jahren von Skandalen und Krise die Rede ist und in der nicht mal mehr die Gehälter in den Himmel wachsen? Eltern, die ihren Kindern heute etwas Solides empfehlen wollen, denken dabei wohl schon seit einigen Jahren nicht mehr als Erstes an eine Ausbildung in der Bank. Das zeigen auch die Zahlen des Bundesinstituts für berufliche Bildung: Wurden 1997 noch mehr als 18.000 neue Lehrverträge unterzeichnet, waren es 2015 nur noch rund 11.000.

          In kaum einer anderen Branche wurden in den vergangenen Jahren so viele Stellen abgebaut. Während der deutsche Arbeitsmarkt von einem Rekord zum nächsten jagt und vielerorts schon Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel herrschen, ist die Zahl der Arbeitsplätze in den Banken zwischen 2008 und 2017 um 10 Prozent gesunken. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum haben die IT-Unternehmen ihre Belegschaften um mehr als 40 Prozent aufgestockt. Und auch in der weiter gefassten Finanzbranche sind es nur die „mit Finanzen und Versicherungen verbundenen Tätigkeiten“, worunter die IT-Berater und Datenverarbeiter der Banken fallen, für welche die Statistik der Arbeitsagentur einen Zuwachs verzeichnet – satte 28 Prozent.

          Berater und Sachbearbeiter werden durch Computer ersetzt

          Schon die nackten Zahlen sagen viel aus über den Strukturwandel in der deutschen Bankenlandschaft: während die Kunden ihre Bankgeschäfte zunehmend online oder am Bankautomaten erledigen, werden die klassischen Berater und Sachbearbeiter nach und nach durch Computer ersetzt. Lange waren es vor allem die Filialen auf dem Lande, bei denen die Banken den Rotstift ansetzten. Jede vierte Zweigstelle haben die Banken und Sparkassen seit dem Jahr 2000 dichtgemacht, wie die staatliche Förderbank KfW gerade zusammengerechnet hat. Allein in den Jahren 2014 und 2015 schlossen die Kreditinstitute satte 2200 Zweigstellen. Damit wurden auch viele der Mitarbeiter, die dort arbeiteten, überflüssig.

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