https://www.faz.net/-gyl-9l4c0

Schnell und transparent : Bewerber haben Ansprüche wie beim Online-Shopping

  • -Aktualisiert am

Bewerbungen finden heute vor allem online statt. Dadurch steigen die Ansprüche an den Bewerbungsprozess. Bild: Picture-Alliance

Fachkräfte sind knapp. Unternehmen sollten deshalb den Bewerbungsprozess so angenehm wie möglich gestalten, heißt es. Gar nicht so leicht! Die Bewerber sind ganz schön anspruchsvoll geworden.

          Drei von vier Bewerbern stellen höhere Anforderungen an ihre künftigen Arbeitgeber als früher. Work-Life-Balance etwa bleibt ein großer Trend: Neun von zehn Kandidaten möchten eine flexible Gestaltung ihrer Arbeitszeit. Für eine bessere Balance zwischen Freizeit und Beruf ist sogar die Hälfte bereit, Gehaltseinbußen hinzunehmen. Und auch das Arbeiten von zu Hause erfreut sich anhaltender Beliebtheit: 80 Prozent möchten aus dem Homeoffice arbeiten.

          All das sind Ergebnisse der neuen Studie „Recruiting Trends 2019“, für die die Unis Bamberg und Erlangen-Nürnberg gemeinsam mit der Stellensuchmaschine Monster 3300 Bewerber repräsentativ befragt haben.

          Und was ist mit der vielbeschworenen Unternehmenskultur? „Für Bewerber sind Wertschätzung und offene Kommunikation wichtig“, sagt Tim Weitzel, Wirtschaftsprofessor an der Universität Bamberg und Mitautor der Studie. Eine gelebte Unternehmenskultur mit Werten wie Respekt, Fairness und Akzeptanz wollten viele Arbeitnehmer. Die Realität sei das aber in nur wenigen Unternehmen: Weniger als die Hälfte der Mitarbeiter findet, dass diese Kulturelemente im eigenen Unternehmen vorhanden sind.

          „Es ist wichtig, dass kein Informationsloch entsteht.“

          Die gesteigerten Ansprüche setzen auch die Unternehmen unter Druck, denn „den Luxus, Bewerber zu bekommen, die alle gewünschten Skills haben, gibt es nicht mehr“, sagt Weitzel. Dafür sei es wichtig, den Bewerbungsprozess möglichst unkompliziert und angenehm zu gestalten. Das bestätigen auch andere Recruiting-Fachleute, etwa der Personalberater Robindro Ullah: „Es ist wichtig, dass kein Informationsloch entsteht. Wenn der Bewerber über den gesamten Prozess informiert wird, ist es aber in Ordnung, wenn es etwas länger dauert.“

          Bewerber hätten in der digitalisierten Welt gelernt, dass es stets Rückmeldungen gibt – wie beim Online-Shopping, wo Bestellungseingang, Versand und der aktuelle Ort des Pakets immer transparent sind. Die Digitalisierung befördere auch den Wunsch nach Vergleichbarkeit und Transparenz. „Bewerber sind sehr gut darin geworden, zu überprüfen, ob stimmt, was Unternehmen ihnen erzählen – Verschleierungstaktiken funktionieren nicht mehr“, sagt Ullah.

          Viele machen sich mit Blick auf neue Bewerbungsprozesse auch Sorgen – etwa hinsichtlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI). Der Studie zufolge glaubt fast die Hälfte der Bewerber, dass etwa ihre Emotionen und Stimmlage während Vorstellungsgesprächen über Videotelefonie analysiert werden. Weitzel kann beruhigen: „Das ist nicht nur technisch oft gar nicht möglich, sondern auch illegal.“ Manche Bewerber hoffen umgekehrt, dass KI künftig für mehr Fairness sorgen könnte: 18 Prozent möchten lieber von einer Maschine als von einem Menschen ausgewählt werden.

          Hoffnung auf mehr Fairness wird auch mit anonymen Bewerbungen – also Bewerbungen ohne persönliche Daten wie Alter und Geschlecht – verbunden. Doch der Anteil derer, die überhaupt schon mal eine solche Bewerbung versendet haben, ist mit weniger als 13 Prozent sehr gering. Das sehen auch die Unternehmen so: Nur jedes zehnte bietet diese Bewerbungsart an.

          Weitere Themen

          Reden wir über Geld!

          Lohngerechtigkeit : Reden wir über Geld!

          Transparente Gehälter sollen zu mehr Gerechtigkeit führen. Doch viele Unternehmen scheuen vor allzu großer Offenheit zurück. Zu Recht?

          Topmeldungen

          Karfreitag in Nordirland : Ein Tag der Trauer

          Dass es in Nordirland seit mehr als zwanzig Jahren weitgehend friedlich geblieben ist, gehört zu den großen Leistungen der Politik. Doch mit dem Mord an einer Frau in Londonderry ist die Gefahr für den Frieden wieder einmal deutlich geworden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.