https://www.faz.net/-gyl-9mnvi

Begehrte Fachkräfte : Wo Informatiker arbeiten wollen

i8-Produktion in Leipzig: Auch BMW und Co suchen Informatiker. Bild: dpa

Informatik-Studenten finden nicht nur Google attraktiv, auch die Automobilhersteller sind vorne mit dabei in der Gunst der Absolventen. Andere Branchen haben es dagegen schwer.

          Das soziale Netzwerk Facebook hat trotz starker und andauernder Kritik zuletzt glänzende Geschäftszahlen vorgelegt. Doch die Außenwirkung, die ein Unternehmen hat, scheint potentielle Bewerber zu beeinflussen, selbst wenn das Geschäft gut läuft. Das amerikanische Technologieunternehmen ist nirgends zu finden unter den 100 beliebtesten Arbeitgebern für Informatiker. Das überrascht deshalb, weil die IT-Studenten sonst besonders gerne für Technologieunternehmen arbeiten würden.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Der Technikkonzern Google scheint in seiner Außenwirkung einiges richtig zu machen, weil er seit Jahren unangefochten der Top-Arbeitgeber für Informatikstudenten ist. Auch in diesem Jahr will noch jeder vierte Absolvent dort arbeiten. Mit deutlichem Abstand folgen dahinter die Konkurrenten Microsoft und Apple sowie der deutsche Softwarekonzern SAP.

          Allerdings schmilzt der Vorsprung der IT-Dienstleister-Branche: „Wir bemerken, dass sie potentielle Bewerber an andere Branchen verliert“, sagt Robindro Ullah, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Trendence, das in diesem Jahr 6500 Informatiker befragt hat zu ihren Berufswünschen. Jede Branche sucht schließlich derzeit Fachkräfte aus dem IT-Sektor. So kündigte der Allzweckzulieferer Bosch kürzlich an, in den kommenden fünf Jahren 25.000 zusätzliche Stellen für Software-Experten schaffen zu wollen.

          Jeder vierte IT-Student hat vor Abschluss schon Stelle sicher

          Zuletzt traten auch die Automobilhersteller offensiv auf. Für die Veränderung in der Mobilität mit einem stärkeren Fokus auf Elektromotoren und ihren generellen Wandel zu Plattformen suchen auch BMW, Daimler oder Volkswagen verstärkt Informatiker. Sie alle arbeiten auch stärker mit den Technologieunternehmen zusammen, zuletzt verkündeten alle großen Hersteller Partnerschaften mit Unternehmen wie Amazon, Microsoft oder Google. So war BMW im vergangenen Jahr mit Platz 2 auch vorne mit dabei in der Gunst der Absolventen, in diesem Jahr stehen die Münchener auf Platz 5.

          Die Fachleute von Trendence begründen das vor allem damit, dass BMW seine Nachwuchssuche inzwischen auf sehr spezielle und damit kleinere Gruppen von IT-Absolventen fokussiere. Knapp dahinter folgt Daimler, die sich von Rang 9 verbessern konnten und erstmals seit mehr als zehn Jahren die Konkurrenz von Audi hinter sich lassen konnte.

          Grundsätzlich scheinen die großen Namen, die gutes Gehalt versprechen und eine Konzernstruktur aufweisen, offenbar besonders attraktiv für Absolventen. Kleine Unternehmen und Mittelständler hingegen tauchen kaum auf der Liste auf, für sie ist es offenbar schwierig, Talente zu locken. Die ständige Präsenz mit Ständen auf Berufs- und Fachkräftemessen scheint sich aber für den öffentlichen Dienst auszuzahlen, zumindest in der Wahrnehmung. Der Bundesnachrichtendienst und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik liegen mit Rang 14 und 15 noch vor Unternehmen wie Airbus, Volkswagen, der Deutschen Telekom oder der Bahn.

          Jeder vierte IT-Student hat vor dem Abschluss des Studiums schon eine Stelle sicher. Die Berufslage für Informatiker ist rosig und der Wettbewerb um sie entsprechend hart. „Es reicht heute nicht mehr, Studierende in den höheren Semestern anzusprechen. Arbeitgeber müssen schon in den ersten Semestern ein Kontaktnetz zu potentiellen Bewerbern aufbauen und pflegen, am besten schon während der Schulzeit“, empfiehlt Ullah. Die Befragung von Trendence ist die mit Abstand größte Befragung hierzulande, insgesamt haben 55.000 Studenten aus Wirtschafts- und Naturwissenschaften, der Informatik und dem Ingenieurwesen Auskunft gegeben.

          Weitere Themen

          Bosch jagt die Weltspitze

          Künstliche Intelligenz : Bosch jagt die Weltspitze

          Auf den großen KI-Konferenzen präsentieren sich die Forschungsabteilungen der Digitalkonzerne. Bosch hat kräftig aufgeholt, einige der großen sogar schon überholt. Doch ein KI-Professor meint, zur absoluten Spitze fehle noch ein bisschen etwas.

          Die neue Flower-Power Video-Seite öffnen

          Parfumstadt Grasse : Die neue Flower-Power

          Das französische Grasse war als Weltstadt der Parfumindustrie bedroht. Es brauchte einen deutschen Roman, um an die Tradition zu erinnern. Nun aber kehren junge Leute, die großen Konzerne und die Duftmeister der Branche zurück.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.