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„Aloha-Mann“ verliert Klage : Bayerischer Polizist darf sich nicht tätowieren lassen

  • Aktualisiert am

Sichtbare Tattoos sind bei der bayerischen Polizei nicht erlaubt. Andere Bundesländer sind liberaler - etwa der andere deutsche Freistaat Sachsen. Bild: dpa

Ein bayerischer Polizist wünscht sich ein Tattoo auf dem Unterarm - offen sichtbar. Sein Dienstherr untersagt das. Der Betroffene zieht vor Gericht. Seine Klage wurde nun abgewisen. Das Urteil hat Grundsatzcharakter.

          Polizisten in Bayern dürfen sich nicht sichtbar tätowieren lassen. Das hat der Bayerische Verwaltungsgerichthof am Mittwoch in München entschieden.

          Ein 42 Jahre alter Oberkommissar hatte geklagt, weil das Polizeipräsidium Mittelfranken ihm verboten hatte, sich den hawaiianischen Schriftzug „Aloha“ auf seinen linken Unterarm tätowieren zu lassen.

          Der Polizist hatte 2008 seine Flitterwochen auf Hawaii verbracht und wollte mit dem Tattoo eine bleibende Erinnerung daran auf seinem Körper verewigen.

          Urteil maßgeblich für bayerische Polizisten

          „Ich bin schon enttäuscht“, sagte Kläger Jürgen Prichta nach dem Urteil. „Und ich verstehe es auch nicht.“ Schätzungen zufolge trägt derzeit schon jeder Fünfte in Deutschland ein Tattoo.

          Wer allerdings für die Polizei arbeitet, stößt mit diesem Körperschmuck nach wie vor noch häufig auf Ablehnung oder Hürden bei der Einstellung. Besonders restriktiv hat sich dabei oft der Freistaat Bayern gezeigt.

          Die ablehnde Haltung wurde nun erneut durch das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes bestätigt, das rechtskräftig ist. Es wurde deshalb mit besonderer Spannung erwartet, da es eine grundsätzliche Bedeutung für alle Polizisten in Bayern hat.

          Polizeioberkommissar Jürgen Prichta und Ehefrau vor der Gerichtsverhandlung. Er wollte sich den Schriftzug „Aloha“ als Andenken an die gemeinsame Hochzeitrsreise sichtbar auf den Unterarm tätowieren lassen.

          In anderen Bundesländern erlaubt

          In anderen Bundesländern haben Polizeibeamte in Sachen sichtbare Tattoos mehr Freiheit. Zwar hatte auch das Land Nordrhein-Westfalen einem Anwärter für den gehobenen Polizeidienst mit einem großflächigen Löwenkopf-Tattoo zunächst eine Absage erteilt, wurde jedoch im August vergangenen Jahres vom Verwaltungsgericht Düsseldorf dazu verpflichtet, den Mann für das Auswahlverfahren zuzulassen.

          Der Dienstherr hatte das Argument angeführt, solche Tätowierungen beeinträchtigten die Legitimation und Autorität von Polizisten. Es hatte sich dabei auf einen Erlass des nordrhein-westfälischen Inenministeriums berufen, das großflächige Tattoos, die beim Tragen der Polizei-Sommeruniform erkennbar wären, als „absoluten Eignungsmangel“ eingestuft hatte. Das Verwaltungsgericht hielt das jedoch für rechtswidrig.

          Auch in Berlin musste die Polizei einen 26 Jahre alten Bewerber mit Tätowierungen an Handgelenk, Armen und Schulter die Teilnahme am Auswahlverfahren für den mittleren Polizeidienst laut Beschluss des dortigen Verwaltungsgerichtes vom Juli 2018 gestatten. Die Begründung des Berliner Polizeipräsidenten, die Tattoos könnten „aufgrund ihrer Größe und Motivvielfalt“ die „Repräsenationsziele der Polizei“ beeinträchtigen, ließ das Gericht nicht gelten.

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