https://www.faz.net/-gyl-6kpfh

Ausbildungsberufe : Cool im Kanal

  • Aktualisiert am

Christoph Palm Bild: Marcus Kaufhold / F.A.Z.

Sie haben keine Probleme, eine Ausbildung und später eine Stelle zu finden. Sie verdienen oft erstaunlich gut: Junge Leute, die Berufe lernen, die zwar prima Perspektiven bieten, aber offenbar ein eher schlechtes Image haben. Wir haben einige von ihnen besucht. Zum Beispiel Binnenschiffer Christoph Palm.

          „Das ist eine ganz andere Welt“

          Die Kranschaufel gräbt sich tief in einen Berg von schwarzem Zementklinker bis das Metall auf den Schiffsboden scharrt. Es dröhnt und scheppert, dunkler Staub wirbelt auf. Daneben steht Christoph Palm auf der MS Lore Krieger in der Sonne und schaut auf den Rhein, der ruhig an ihm vorbeifließt. Eigentlich wollte er mal Feuerwehrmann werden, doch jetzt kann sich der 22 Jahre alte Bootsmann ein anderes Leben gar nicht mehr vorstellen. „Das ist eine ganz andere Welt“, sagt er zufrieden.

          Eine Welt mit Perspektiven: Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung ist der Binnenschiffer der Beruf mit der - mit Abstand - höchsten Ausbildungsvergütung. Durchschnittlich 949 Euro brutto bekommt ein Azubi im Monat, später steigt der Verdienst auf bis zu 2500 Euro brutto für einen Matrosen und 3800 Euro für einen Kapitän - und dabei gibt es noch nicht einmal ein großes Gedränge um die Lehrstellen. Nur vier Bewerbungen hat Palm geschrieben, von zwei Unternehmen hat er postwendend ein Angebot bekommen.

          Drei Jahre Ausbildung hat der Matrose absolviert, nicht nur im Unternehmen, sondern auch auf dem Schulschiff Rhein in Duisburg: Wasserstraßenlehre, Verkehrsrecht, Maschinenkunde und Schiffsbetriebslehre standen auf dem Programm - und natürlich Schwimmen. Im Juli hat er seine Prüfung abgelegt und wurde dann nahtlos übernommen. Seitdem schippert er für die Krieger-Gruppe Montag bis Samstag auf Main und Rhein rauf und runter, unter der Woche ist er oft rund um die Uhr auf dem Schiff. Montag morgen geht es den Main hoch nach Lengfurt, dort holen sie den Rohstoff für die Zementherstellung ab. Rund 18 Stunden ist der Kahn unterwegs, bevor die vier Männer an Bord der MS Lore Krieger am nächsten Tag den Zementklinker im Mainzer Werk von Heidelberg Cement abladen können.

          Am Donnerstag und Freitag macht Palm die gleiche Tour noch mal, dazwischen putzt er das Schiff. Im Winter muss nicht nur geschrubbt, sondern Schnee geschippt werden, damit das Schiff durch die Last nicht tiefer gedrückt wird. Den ganzen Tag an der frischen Luft, das ist genau das, was Palm gefällt. „Einen Bürojob wollte ich nie“, sagt er. Die Nächte verbringt er in seiner kleinen Wohnung unter Deck, die den Charme der siebziger Jahre versprüht. Manchmal muss er um Mitternacht aufstehen, um die Nachtschicht zu übernehmen. Diese Arbeitszeit gefällt ihm am besten. Häufig kann er sich die Arbeit frei einteilen. Die Zeit nur abzusitzen kommt an Bord nicht vor: „Wenn die Arbeit fertig ist, hab' ich frei.“

          Weitere Themen

          Die etwas andere Berufsmesse

          MINT-Nachwuchs : Die etwas andere Berufsmesse

          Die Ideen-Expo will Jugendliche spielerisch für Naturwissenschaften, Nachhaltigkeit und Technik begeistern. Dabei helfen sollen auch Youtuber und Virtual Reality. Ein Rundgang.

          Good Old Work

          „Nine to five“-Kolumne : Good Old Work

          Früh raus, zuverlässig sein, nicht Rumjammern – so lief das eben. Schließlich hatte man Ziele, ein Häuschen, ein Auto, mal eine Reise. Was war schlimm an der alten Arbeitswelt?

          Topmeldungen

          EZB-Chef Draghi : Das Ende von „Super Mario“

          EZB-Präsident Mario Draghi demonstriert noch einmal seine Stärke. Doch längst sind Kräfte am Werk, die die Macht der Notenbanken aushöhlen. Werden mit dem Ende der Ära Draghi die Karten neu gemischt?

          Aktien im Handelskrieg : Keine Angst vor Trump!

          Der Handelskrieg zwischen Amerika und China spitzt sich weiter zu. Das macht es auch gefährlich für Anleger. Doch es gibt Aktien, die dagegen immun sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.