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Ausbildungsberufe : Informatik lernen fast nur Männer

Eine Auszubildende bei Audi Bild: dpa

Immer mehr Jugendliche machen Abitur, das verändert auch den Ausbildungsmarkt. Typische Frauen- und Männerberufe gibt es aber weiterhin – obwohl mehr Vielfalt der Wirtschaft wohl gut tun würde.

          Wer sich für eine Berufsausbildung entschieden hat, fängt mit großer Wahrscheinlichkeit bald an: Gewöhnlich beginnen neue Azubis zum 1. August oder 1. September ihre Lehre. Die gute Nachricht dabei: Die Gesamtzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist nach einem beständigen Rückgang zuletzt wieder leicht angestiegen.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          2017 haben 515.679 Menschen eine Ausbildung angefangen – knapp 5000 mehr als 2016, aber immer noch gut 10.000 weniger als 2013. 42 Prozent der angehenden Azubis hatten 2017 einen Realschul- und nur 24 Prozent einen Hauptschulabschluss in der Tasche. 29 Prozent konnten dagegen sogar die Fachhochschul- oder Hochschulreife vorweisen.

          Die Entwicklung hängt freilich auch damit zusammen, dass mittlerweile etwa 51 Prozent aller Abgänger mit einer Studienberechtigung die Schule verlassen. Im Umkehrschluss fordern so auch Arbeitgeber von potentiellen Azubis zunehmend ein Abi-Zeugnis, wo noch vor einiger Zeit ein Realschul- oder Hauptschulabschluss ausgereicht hätte.

          Keine Chancen für Hauptschüler?

          Dirk Werner, der Leiter des Kompetenzfelds Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), schränkt zwar ein: „Bei den Ausbildungsstellen, die unbesetzt bleiben, sagen vier von fünf Unternehmen, dass ihnen ein Bewerber mit Hauptschulabschluss reichen würde“.

          Zur Wahrheit gehört aber auch: In der Regel haben diese kaum Chancen auf Stellen, die unter Abiturienten sehr gefragt sind – das gilt auch für Bewerber mit Realschulabschluss. So findet sich von den Top-5-Berufen unter Abiturienten mit dem Kaufmann für Büro-Management nur einer auch in der Liste der Realschulabsolventen. Deutlich mehr Überschneidungen gibt es im Vergleich der Azubis mit Hauptschul- und Realschulabschluss. Eine kaufmännische Ausbildung im Einzelhandel etwa ist bei beiden Gruppen sehr beliebt.

          Wenig verwunderlich zahlt sich derweil ein höherer Schulabschluss in der Regel auf dem Gehaltszettel aus: So verdienten Industriekaufmänner und -kauffrauen in Vollzeit nach der letzten Verdienststrukturerhebung des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2014 durchschnittlich 3420 Euro brutto im Monat. Vollzeitbeschäftigte Verkäuferinnen und Verkäufer kamen dagegen nur auf ein Durchschnittsgehalt von 2358 Euro. 

          Während sich also die Anforderungen an die Abschlüsse der Bewerber gewandelt haben, zeigen die Ausbildungszahlen hingegen, dass gerne als klassische „Männer-/Frauen-Berufe“ bezeichnete Tätigkeiten oft nach wie vor entsprechend besetzt werden – trotz vieler Bemühungen etwa im gut dotierten MINT-Bereich. So beginnen erheblich mehr Männer (2017 waren es 12.123) beispielsweise eine Ausbildung zum Fachinformatiker als Frauen (972). Beim Elektroniker-Beruf ist das Verhältnis noch krasser (13347 Männer stehen hier 276 Frauen gegenüber).

          Assistenzberufe im medizinischen Bereich lernen derweil lernen fast nur Frauen. Da beschreibt der Blick auf die beliebtesten Berufe die Gemengelage ganz gut: Bei den Männern entschieden sich die meisten für eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker, während bei den Frauen eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement am höchsten im Kurs stand. Nun ist die Entscheidung für oder gegen eine Ausbildungsstelle von vielen Aspekten abhängig und lässt sich nicht bloß mit klischeebehaftetem Denken begründen. Laut dem IW hätte mehr Vielfalt aber auch für die Wirtschaft einen großen Vorteil, denn in den überwiegend bei Frauen oder bei Männern beliebten Berufen fehle es besonders oft an Fachkräften.

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