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Aufstieg ist männlich : Frauen in der Karrierefalle

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Bild: F.A.Z.-Cyprian Koscielniak

Frauen sind oft fleißiger und besser ausgebildet als Männer. Trotzdem schaffen nur wenige den großen Aufstieg. Was machen sie falsch? Knicken wirklich Kinder ihre Karriere? Sechs Fallen, in die Frauen hineintappen.

          Frauen stehen ihren Kollegen mit ihrer Ausbildung und mit ihrem Fleiß oft in nichts nach. Was aber machen sie falsch, wenn sie nicht aufsteigen?

          1. Frauen stapeln tief

          Bescheidenheit fängt bei der Bewerbung an. Isabell Krone, Personalleiterin der Tele-Atlas Deutschland GmbH, befasst sich seit Jahren mit Laufbahnmodellen von Frauen. Schnell hat sie ein Beispiel parat: Eine Frau und ein Mann bewarben sich für einen Job im Projektmanagement. "Die Dame bedauerte, ihre Englischkenntnisse seien eingerostet, der Herr behauptete, seine seien fließend." Doch ein Praxistest ergab, die Kandidaten hatten dasselbe Niveau. Entsprächen Frauen 80 Prozent des gewünschten Profils, stellt Krone fest, dann entschuldigten sie sich für die 20 Prozent, die sie nicht erfüllten. "Vor allem junge Frauen wollen es anderen immer recht machen", sagt Barbara Hofmann-Huber, Diplompsychologin und Coach für Frauen in Führungspositionen, "junge Männer wollen die eigenen Erwartungen erfüllen." Der weibliche Drang zur Perfektion kann der Karriere ein Bein stellen. Ulrike Ley, Sozialwissenschaftlerin, Coach und Autorin, kennt das. "Die Chancen auf einen Job setzen sich aus 45 Prozent Beziehungen, 45 Prozent Selbstpräsentation und 10 Prozent Leistung zusammen. Frauen denken, es ist alles Leistung, Leistung, Leistung." Die männliche Konkurrenz spreizt ohne Skrupel die Federn, auch wenn sich dahinter vielleicht nicht viel verbirgt. Das zeigt sich auch bei Gehaltsverhandlungen, weiß Personalchefin Krone. "Frauen entschuldigen sich oft für das, was sie verdienen möchten, Männer sind viel dreister." Ein Verhalten, das sich bis in die Chefetage zieht. In einem Seminar mit Führungskräften ließ Ley die Teilnehmer einander vorstellen. Die Männer vergaßen keinen Titel, die Frauen stellten ihr Licht unter den Scheffel. "Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr", predigt der Volksmund, "blow your horn", die Beraterin.

          2. Frauen verstehen Männer-Netzwerke nicht

          Männer bauen ihr Netz früh, planen gemeinsam über Jahrzehnte und aktualisieren die Seilschaften nach Bedarf. Diese Bündnisse haben nicht zwangsläufig etwas mit Freundschaft zu tun, es sind Zweckgemeinschaften. "Männer stehen zusammen, das kennen die Frauen so gar nicht", erklärt Beraterin Ley. "Wenn eine Frau einer anderen Frau öffentlich in den Rücken fällt, kommt das bei Männern nicht gut an, das würden Männer so nicht tun." Männerbünde funktionieren nach ungeschriebenen Regeln und Ritualen. Wenn Männer nach dem Treffen mit dem Kunden schon beim Wein den Zusammenhalt pflegen, feilen die Frauen noch an den inhaltlichen Details des neuen Vertrags. Wo die Männer sind, da ist die Macht, da wollen alle anderen Männer natürlich auch hin, sagt Ley. Eine Frau stört diesen Kreis, das weiß "mann", was auch daran liegen mag, dass die Frau trotz jahrzehntelanger Koedukation immer noch das unbekannte Wesen ist, das Männer - und dazu gehören auch die Personalchefs - nicht wirklich einschätzen können. Zu den Regeln des Männer-Netzes gehören Kampfrituale und Rempeleien. Frauen können jedoch meist schlechter einstecken, sie nehmen persönlich, was nur dem Spaßkampf oder Rangordnungsscharmützel zuzuordnen ist. Gibt es Auseinandersetzungen, haben Männer Vergebungsrituale, etwa das Bier am Tresen.

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