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Arbeitsort Bielefeld : Eine Stadt zum Hängenbleiben

Bielefeld gibt es doch! Und über den Dächern der Stadt kann man sogar herrlich frühstücken. Bild: Daniel Pilar / F.A.Z.

Von wegen, Bielefeld gibt es gar nicht: U-Bahn, Uni, Unterhaltung - in Bielefeld gibt es alles. Aber das sagen die Bielefelder niemandem. Im Kleinreden sind sie ganz groß. Teil acht der Serie über unsere Lieblings-Arbeitsorte.

          Arminia Bielefeld ist nicht Bayern München, Uli Zwetz nicht Marcel Reif. Aber es gab im Leben des Bielefelder Hörfunkmoderators Ulrich „Uli“ Zwetz einen Moment, der für Wochen alles verändert hat. Auf einmal waren Zwetz und „seine“ Arminia Gesprächsthema unter Fußballfans in ganz Deutschland, wie es sonst nur die großen Bayern sind. Es war diese 92. Spielminute in jenem eher unterdurchschnittlichen Bundesligaspiel zwischen Bielefeld und Karlsruhe, die erst Zwetz in Ekstase, dann die Hörer von Radio Bielefeld in Jubelstimmung und schließlich den Rest der Fußballrepublik in eine Mischung aus Verwunderung und Belustigung versetzte: „Der Ball ist im Tor, der Ball ist im Tor, der Ball ist im Tor . . . durch Leonidas, durch Leonidas.“ Diese 92. Minute in der LiveÜbertragung machte Zwetz in ganz Deutschland bekannt, sein Torschrei war in den Topcharts bei Youtube, es gab ihn sogar als Klingelton für das Handy.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Das war vor fünf Jahren. Inzwischen ist die Arminia zweimal ab- und einmal wieder aufgestiegen, der Torschütze Leonidas hat den Verein längst verlassen. Uli Zwetz ist geblieben. Kurz nach dem Senderstart 1991 kam Zwetz zu Radio Bielefeld. Er verliest meist die Lokalnachrichten, verdankt seine lokale Berühmtheit aber den Arminia-Reportagen, in denen sich seine hohe Falsettstimme selbst in undramatischen Spielsituationen regelmäßig überschlägt.

          An diesem Freitagmorgen sitzt Zwetz im gläsernen Studio an der Niedernstraße, mitten in der Fußgängerzone, und plaudert ganz entspannt über sich und seine Stadt. Zwetz, ein freundlicher Mann mit markantem Schnauzbart und hoher Stirn, ist spätestens seit seinem Torschrei so etwas wie die „Stimme Bielefelds“. Darauf angesprochen, wehrt er ab. Sich selbst in den Vordergrund stellen, das liegt dem Ostwestfalen nicht, und es ist einem gebürtigen Bielefelder wie Zwetz sichtlich unangenehm. „Der Medienhype, der damals einsetzte, war schon merkwürdig“, sagt der Vollblutjournalist, der schon als Kind zum Radio wollte, Literaturwissenschaften in Bielefeld studiert und eine Doktorarbeit über Clemens Brentano geschrieben hat. Zwetz weiß natürlich genau, wie der Medienhype funktioniert, nur würde er lieber an einem anderen Beispiel darüber dozieren. „Ich habe mich weniger über mich gefreut als über den Sieg der Arminia, denn das war damals schon fast der Klassenerhalt“, sagt der Dreiundfünfzigjährige heute. Und dennoch: Für Zwetz hätte der Torschrei Startschuss zu einer überregionalen Karriere sein können, Gastauftritte bei Sky und anderen nationalen Sendern hatte es gegeben. „Na ja, interessant wäre das schon. Aber letztlich bleibt der Bielefelder irgendwie in Bielefeld hängen“, sagt Zwetz und lacht.




          Wenn Zwetz aus dem Studiofenster schaut, sieht er auf den Süsterplatz mit der Süsterkirche aus dem 15. Jahrhundert. Müßig schweift der Blick auf das „New World“, ein von Studenten und Laptoparbeitern besuchtes Café: Innen bequemes Mobiliar im Lounge-Stil und Michael Jacksons Stimme aus den Lautsprechern, draußen rustikales Biergartengestühl unter hellen Sonnenschirmen. Das „Herforder Pils“ kostet 2,30 Euro, die Pizza Margherita gibt es für 5,50 Euro.

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