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Heimarbeit : Arbeitsministerium treibt Homeoffice-Gesetz voran

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Homeoffice - Fluch oder Segen? Bild: Picture-Alliance

Die SPD forciert weiter ihr Vorhaben, dass alle Beschäftigten ein Recht auf Homeoffice bekommen sollen - und das Arbeitsministerium bereitet ein Gesetz vor. Dabei ist höchst umstritten, ob das für die Mitarbeiter wirklich gut ist.

          Arbeitnehmer sollen nach Plänen des Bundesarbeitsministeriums bald bessere gesetzliche Regeln für zeitweises Arbeiten von zu Hause aus erhalten. Ein Gesetz mit dem Recht auf Homeoffice solle im Laufe dieses Jahres beschlossen werden, sagte Staatssekretär Björn Böhning dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Wir werden unbürokratische Lösungen finden.“

          Alle, die zumindest gelegentlich genauso gut von zu Hause aus arbeiten könnten, sollten bessere Möglichkeiten erhalten, das auch zu tun. Zum geplanten Rechtsrahmen gehöre auch, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer miteinander über Modelle der Arbeitszeiterfassung reden. Böhning sagte, es werde eine klare Regelung geben, die das Recht auf mobile Arbeit auf diejenigen Fälle beschränke, „in der Homeoffice im Hinblick auf den Arbeitsmitteleinsatz auch außerhalb des Betriebs wirklich möglich ist“.

          Laut einer DIW-Studie könnten 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland von zu Hause aus arbeiten. „Nur zwölf Prozent tun das. Wir sind also noch weit entfernt von dem, was tatsächlich möglich ist“, sagte Böhning.

          Die SPD hatte im Rahmen ihres jüngsten Sozialstaats-Konzepts versprochen: „Wir werden ein Recht auf mobiles Arbeiten und Homeoffice gesetzlich verankern, damit mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von den digitalen Vorteilen profitieren können.“

          Ist Homeoffice im Sinne der Beschäftigten?

          Die Forschungslage zur Frage, ob Homeoffice im Sinne der Arbeitnehmer ist oder nicht, ist allerdings höchst uneindeutig. Laut einer aktuellen, vom Redaktionsnetzwerk Deutschland in Auftrag gegebenen Umfrage, wünscht sich eine klare Mehrheit der Bürger in Deutschland ein gesetzlich verbrieftes Recht, von zuhause aus arbeiten zu dürfen. 68 Prozent der Deutschen befürworteten demnach die Pläne des Bundesarbeitsministeriums. 28 Prozent stimmten „voll und ganz“ zu, 40 Prozent „eher“.

          Eine Studie zweier am amerikanischen Union College forschender Ökonomen, die zum Netzwerk des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit gehören, kam hingegen kürzlich zu einem ganz anderen Schluss. Demnach fühlen sich Menschen, die von zu Hause aus arbeiten, gestresster als die Kollegen im Büro, ihr Wohlbefinden ist geringer. „Um es zusammenzufassen: Die meisten Effekte, die sich auf das subjektive Wohlbefinden auswirken, sind negativ. Der Nachweis von positiven Effekten auf das Wohlbefinden ist sehr beschränkt“, schreiben die Autoren. Sie vermuten, dass sich durch Heimarbeit innerfamiliäre Konflikte zwischen Erwerbsarbeit, Haushalts- und Versorgungstätigkeiten und Freizeit ergeben.

          Möglich ist aber auch, dass die Frage, ob Homeoffice gut oder schlecht für Erwerbstätige ist, vom Einzelfall abhängt. Homeoffice sei nicht gleich Homeoffice, glaubt daher die Soziologie-Professorin Anja Abendroth, die an der Uni Bielefeld in einem DFG-Projekt zum Thema forscht. „Welche Chancen und Risiken sich letztlich manifestieren, hängt entscheidend davon ab, wie genau Homeoffice in Betrieben faktisch gestaltet und umgesetzt wird.“

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