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Arbeitslosigkeit : Wie der Vater, so der Sohn

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, so heißt das Sprichwort. Und laut dieser Studie stimmt’s. Bild: Frank Röth

Diese Studie ist bedrückend: Söhne von Arbeitslosen sind oft selbst arbeitslos. Aber es gibt auch noch eine überraschende Erkenntnis über die Kinder von Zuwanderern.

          Die Gefahr, arbeitslos zu werden, ist für Söhne aus Familien, in denen der Vater arbeitslos ist, besonders groß. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in einer Studie auf Grundlage von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). „Wir haben einen signifikanten Zusammenhang gefunden, der in Westdeutschland besonders ausgeprägt ist“, sagt IWH-Forscher Steffen Müller.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Untersucht haben die Wissenschaftler, wie lange Jugendliche, die im Alter zwischen 10 und 15 Jahren einen dauerhaft oder kurzzeitig arbeitslosen Vater hatten, später (zwischen ihrem 17. und 24. Lebensjahr) selbst arbeitslos geworden sind. Dank der großen Datenbank konnten die Forscher die Biographien von mehr als 2000 Jugendlichen verfolgen. Das Ergebnis war eindeutig. Jugendliche, deren Väter nicht arbeitslos waren, hatten später im Schnitt für rund ein Vierteljahr keine Anstellung. Wenn die Väter arbeitslos waren, erhöhte sich die Arbeitslosigkeit der Söhne auf etwas mehr als ein halbes Jahr.

          Motivation, Disziplin, Stigmatisierung

          Diese große Lücke schrumpfte, als die Forscher auch Variablen wie die jeweiligen Bildungsniveaus einrechneten, doch die Korrelation zwischen Vätern und Söhnen blieb dennoch erhalten. Als Grund für den Zusammmenhang nennen die Forscher nicht direkt beobachtbare Eigenschaften wie die Motivation zur Arbeit, die Disziplin oder die Stigmatisierung von Arbeitslosigkeit. „Solche Ansichten werden in Familien offenbar geteilt“, sagt Steffen Müller.

          Die Autoren regen daher an, dass politische Maßnahmen an diesen Faktoren ansetzen sollten. „Bildungsangebote, Weiterbildung und Aufklärung in den Schulen sind sinnvolle Rezepte“, sagt Steffen Müller.

          In Familien von Migranten konnten die Forscher das Vererben von Arbeitslosigkeit nicht beobachten. Das könne darauf hinweisen, dass „in diesen Familien eine größere soziale Mobilität zwischen den Generationen besteht“. Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen ist auch deshalb sinnvoll, weil Studien mehrfach gezeigt haben, dass Arbeitslosigkeit in jungen Jahren für die Betroffenen nicht nur akut ein Problem ist, sondern oft der Beginn einer Erwerbsbiographie mit vielen Unterbrechungen und langfristig geringeren Einkommen ist.

          Erst kürzlich haben vor diesem Hintergrund der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) gemeinsam einen „Aktionsplan gegen Kinderarmut“ ausgearbeitet, der sich an Familien mit arbeitslosen Eltern richtet, um Kinder vor „Hartz-IV-Karrieren“ zu bewahren. Die Sozialpartner setzen sich dafür ein, in den nächsten drei Jahren zu diesem Zweck je 280 Millionen Euro im Hartz-IV-Etat des Bundes vorzusehen.

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