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Arbeitskräftelücke : Kindermangel gefährdet den Standort

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Seltenes Glück: In Deutschland sind die Geburtenzahlen extrem gering. Bild: Picture-Alliance

Dass hierzulande eine Arbeitskräftelücke droht, ist bekannt. Doch eine Vielzahl neuer Studien untermauert nun noch einmal das Problem: Mittlerweile ist Deutschland das Land mit den wenigsten Geburten auf der ganzen Welt. Ist das noch aufzufangen?

          Die extrem niedrige Geburtenrate wird mehreren Studien zufolge zum Standortproblem für Deutschland. An diesem Freitag veröffentlichten die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und die Unternehmensberatung BCG fast zeitgleich neue Studien, die vor den Folgen des demographischen Wandels für den Standort Deutschland warnen. Schon Ende Mai hatte die F.A.Z. über eine Prognos-Studie zum Thema berichtet. Der Tenor: Die Digitalisierung und Vernetzung in der Produktion können nicht annähernd aufhalten, was Deutschland in den nächsten zwei Jahrzehnten blüht: eine beträchtliche Lücke an qualifizierten Arbeitskräften.

          Kein Wunder: Hierzulande werden im weltweiten Vergleich mittlerweile die wenigsten Kinder je Einwohner geboren. So jedenfalls heißt es in der Studie von BDO und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Danach kamen in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt 8,2 Kinder je 1000 Einwohner zur Welt. Das liegt unter dem Niveau des bisherigen Schlusslichts Japan von 8,4 Kindern je 1000 Einwohner.

          Unter den EU-Ländern schneiden nur Portugal (9,0) und Italien (9,3) ähnlich schlecht ab. Die anderen großen EU-Länder haben dagegen deutlich höhere Geburtenraten; Frankreich und Großbritannien kommen im gleichen Zeitraum auf durchschnittlich 12,7 Geburten je 1000 Einwohner. Die höchsten Geburtenraten weisen die afrikanischen Länder auf, allen voran Niger mit 50 Geburten je 1000 Einwohner.

          Deutschland als Wirtschaftsstandort wird leiden

          Aus der Entwicklung in Deutschland ergeben sich nach Ansicht von HWWI-Direktor Henning Vöpel erhebliche Nachteile und Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort. Weniger attraktiv, weniger leistungsfähig, so die Bilanz. Die Altersgruppe der Erwerbsfähigen von 20 bis 65 Jahren werde von aktuell 61 Prozent bis zum Jahr 2030 auf 54 Prozent schrumpfen. „In keinem anderen Industrieland verschlechtert sich dieser Trend trotz des Zustroms an jungen Arbeitsimmigranten so stark wie in Deutschland“, sagte Vöpel.

          Als unmittelbare Folge drohten in Deutschland höhere Lohnnebenkosten, mittelbar Mangel an Fachkräften. „Ohne starke Arbeitsmärkte als zentralen Standortfaktor kann Deutschland seinen wirtschaftlichen Vorsprung auf Dauer nicht aufrechterhalten“, sagte BDO-Vorstand Arno Probst. „Die Zuwanderung junger Fachkräfte erscheint vor diesem Hintergrund als unverzichtbares Stabilisierungsinstrument.“ Auch die Erwerbsarbeit der Frauen müsse verstärkt gefördert werden, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu sichern.

          Auch die Unternehmensberatung „The Boston Consulting Group“ (BCG) sorgt sich weiter um den demographischen Wandel. Zeitgleich mit der HWWI-Studie veröffentlichte BCG eine Studie, der zufolge Deutschland in 15 Jahren zwischen 5,8 und 7,7 Millionen Arbeitskräfte fehlen könnten. BCG prognostiziert einen Verlust an Wirtschaftsleistung im Jahr 2030 von bis zu 550 Milliarden Euro. „Von dieser Arbeitskräftelücke sind alle Bundesländer betroffen“, sagte BCG-Partner Rainer Strack. Unser Wohlstand stehe auf dem Spiel.

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