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Arbeiten in Deutschland : Wer Pause macht, ist faul

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Zeit fürs Pausenbrot nehmen sich nur die Wenigsten im Berufsalltag. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Wer sechs Stunden arbeitet, hat Recht auf eine Pause. Doch viele machen sie nur kurz oder gar nicht. Entweder können sie nicht. Oder sie trauen sich nicht. In manchen Berufen ist das nur ungesund, in anderen gefährlich.

          Früher schellte in der Fabrik die Pausenglocke - und die Arbeiter ließen alles fallen. Inzwischen gibt es kaum Pausenglocken mehr - und oft auch keine festen Pausen.  Nur jeder zweite Arbeitnehmer schöpft seine Auszeiten immer voll aus, jeder zehnte dagegen selten oder nie. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Umfrage von TNS Infratest für die Gewerkschaft Verdi. Viele arbeiten durch - weil es zu viel zu tun gibt oder die Pause nicht in den Tag passt. Doch Hochleistungen seien so nicht zu erwarten, warnen Arbeitspsychologen.

          Das Image der Pause ist schlecht: Wer häufig zur Kaffeemaschine oder um den Block läuft, gilt nicht selten als faul. Doch das sei genau falsch gedacht, warnt Verdi-Chef Frank Bsirske: „Pausen bedeuten keineswegs fehlendes Engagement oder mangelnde Belastbarkeit“, sagt er. Ohne Pausen keine Leistung. Doch gerade Führungskräfte und Arbeitnehmer mit viel Leistungsdruck und Multitasking gönnen sich einer Erhebung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) zufolge nur selten die ihnen zustehende Auszeit. „Diejenigen, die die Pause am nötigsten haben, lassen sie am ehesten ausfallen“, schließt die Baua aus einer Umfrage unter 17.000 Beschäftigten.

          Besonders in den Gesundheits- und Sozialberufen steht es demnach schlecht um die Pause. Bei OP-Schwestern oder Pflegern gebe es oft keine Ablösung, erläutert Arbeitspsychologin Andrea Lohmann-Haislah. Regelmäßigere Auszeiten gibt es dagegen in Fertigungsberufen, in der Metall- oder Elektroindustrie. Hier geht häufiger noch das gesamte Team zugleich in die Pause.

          Mancher Chef sieht Pausen nicht gern

          In anderen Berufen dagegen, das ergibt die Verdi-Erhebung - brechen viele ihre Pausen vorzeitig ab, um im Vergleich zu Kollegen nicht schlechter dazustehen. Jeder fünfte schöpft die ihm zustehende Zeit nicht aus - auch, weil ständig das Telefon klingelt oder E-Mails aufs Diensthandy flattern. Immerhin 13 Prozent haben das Gefühl, dass der Arbeitgeber Ruhepausen nicht zulässt. Mehr als jeder Dritte gibt dagegen an, selbst lieber durchzuarbeiten.

          Doch Erholungsphasen, erläutert Psychologin Lohmann-Haislah, lassen sich nicht aufschieben. Wer durcharbeitet, um schneller in den Feierabend zu kommen, kann dann oft nur noch schlaff auf dem Sofa liegen. Je länger die Erholung aufgeschoben werde, desto größer sei die Erschöpfung, warnen Arbeitsschützer. Ihr Rat: „Kürzer, dafür öfter Pause machen.“

          Unter Umständen könnten schon Mikropausen von einer Minute oder weniger helfen, den Stress zu reduzieren, sagt Lohmann-Haislah. In der Regel seien Kurzpausen von fünf Minuten pro Stunde zu empfehlen. Nicht immer muss es dabei an die frische Luft gehen, auch ein Gang zum Drucker oder das Gespräch mit einem Kollegen zählt. Wichtig sei der Belastungswechsel, der Unterschied zur vorherigen Tätigkeit. Wer Spaß an seinem Job hat, merkt allerdings oft nicht, dass eine Pause nötig wäre. „Wenn man die Müdigkeit spürt, ist es oft schon zu spät“, sagt Arbeitspsychologin Lohmann-Haislah. Ihre Lösung: Handywecker stellen - und sich zu regelmäßigen Pausen zwingen.

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