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Arbeitgeber über Absolventen : Kaum Praxisbezug, wenig soziale Kompetenz

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Hochschulabsolventen auf ihrer Abschlussfeier: Viele Unternehmen beklagen, in Deutschland seien sie mehr schlecht als recht auf das Berufsleben vorbereitet. Bild: dpa

Rügte der DIHK kürzlich noch den Bachelor, halten viele Personaler Hochschulabsolventen ganz allgemein für schlecht vorbereitet auf das Berufsleben, so eine Umfrage. Warum, sagen sie auch.

          In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gaben vor kurzem nur 47 Prozent der Unternehmen an, dass Berufseinsteiger mit Bachelorabschluss ihre Erwartungen erfüllen. In eine ähnliche Kerbe schlägt nun eine bundesweite Umfrage unter mehr als 400 Personalverantwortlichen im Auftrag des Personalunternehmens CareerBuilder. So gaben 99 Prozent der befragten Personaler an, dass ihr Unternehmen noch in diesem Jahr vakante Stellen auch mit Universitätsabsolventen besetzen wolle, die gerade ihren Abschluss erlangt haben.

          Verwunderlich ist allerdings, dass sie dies tun wollen, obwohl nur 13 Prozent der verantwortlichen Personaler diese Absolventen für entsprechend vorbereitet halten, die offenen Stellen in ihren Unternehmen zu besetzen. Denn mit 61 Prozent sind mehr als die Hälfte der Personaler der Ansicht, Studierende würden an den Universitäten für „manche Stellen, aber nicht alle“ qualifiziert, ein Viertel findet sogar, sie würden gar nicht angemessen vorbereitet.

          Auf die Frage beispielsweise, welche praktischen Fähigkeiten Absolventen in ihren Augen fehlen, gab mehr als die Hälfte der Arbeitgeber konkret zwischenmenschliche Fähigkeiten und soziale Kompetenz an. Andere Fähigkeiten, an denen es Absolventen mangelt, sind laut der Befragten (Mehrfachnennungen waren möglich):

          • Teamfähigkeit (41 Prozent an Zustimmung)
          • kreatives Denken (39 Prozent)
          • Führungsqualitäten (39 Prozent)
          • die Fähigkeit, Probleme zu lösen (38 Prozent)
          • mündliche Kommunikation (34 Prozent)
          • schriftliche Kommunikation (25 Prozent)
          • Recherchieren und Analysieren (25 Prozent)
          • Projektmanagement (22 Prozent)
          • Mathematik (13 Prozent)
          • IT und Technik (9 Prozent)

          Auf die Frage, in welcher Hinsicht akademische Institutionen ihre Studierenden nicht ausreichend auf die Arbeitswelt vorbereiteten, nannten Unternehmen folgende Aspekte (Mehrfachnennungen waren möglich):

          • es wird zu viel Wert auf das Arbeiten mit Literatur statt auf das Arbeiten in der echten Welt gelegt (64 Prozent an Zustimmung)
          • es wird nicht genug Wert auf Praktika, Berufserfahrung und Berufsausbildungen gelegt (52 Prozent)
          • ich brauche Arbeitnehmer, die sowohl technischen Fähigkeiten als auch Soft Skills vorweisen können (44 Prozent)
          • Einstiegspositionen in meinem Unternehmen sind heute viel komplexer (25 Prozent)
          • Universitäten können mit den schnellen Veränderungen in der Technologie nicht mithalten (20 Prozent)
          • es gibt nicht genug Studierende, die die Abschlussnoten erreichen, welche mein Unternehmen benötigt (14 Prozent

          Obwohl fast alle deutschen Unternehmen also Absolventen einstellen wollen, die gerade die Universität abgeschlossen haben, glaubt die überwiegende Mehrheit, dass Studierende nicht angemessen auf das Arbeitsleben vorbereitet werden. Deshalb fordert Tony Roy von CareerBuilder. „Diese Erkenntnis unterstreicht noch einmal, dass Unternehmen enger mit ausbildenden Instituten zusammenarbeiten müssen, um sicherzustellen, dass Absolventen genau die Fähigkeiten entwickeln, die Unternehmen für ihr Wachstum brauchen.”

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