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Karriere im Staatsdienst : Von wegen Büroschlaf auf Staatskosten

  • -Aktualisiert am

Alles andere als ruhig: Zollbeamte wissen selten, was der Arbeitstag so mit sich bringt. Bild: dpa

Beamter auf Lebenszeit - für immer mehr Jugendliche klingt das verlockend. Dabei gibt es auch im Staatsdienst etliche Hürden und Fallstricke. Warum es im öffentlichen Dienst oft eiserne Nerven braucht.

          Beamte sitzen acht Stunden in ihrem stillen Kämmerlein und brüten über Aktenbergen? Sie sind tendenziell Nerds, neigen zu Bequemlichkeit und sprechen ungern mit anderen Menschen? Von wegen. Wer für den Staat arbeiten will, braucht häufig eiserne Nerven. Die Meldungen auf der Homepage des Zolls lesen sich jedenfalls wie ein Krimi. „Steinhart gepresstes Kokain“ im Wert von 2 Millionen Euro, heißt es da lapidar, sei gerade mal wieder gefunden worden. Der letzte große Coup gelang Zöllnern im Hamburger Hafen, Ende August dieses Jahres.

          Drogen aus Brasilien, Elfenbein aus Südafrika, Waffen aus Somalia - Zöllner beschlagnahmen regelmäßig Schmugglerware und decken außerdem Schwarzarbeit in Deutschland auf. Manchmal greifen die flüchtigen Täter sie mit Messern oder Pumpguns an. Oder Schwarzarbeiter versuchen, Beweise verschwinden zu lassen. Wer sich mit Kriminellen anlegt, braucht ein detektivisches Gespür, muss hervorragend kommunizieren können - und besonders sicher sind viele Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst auch nicht. Genau das glauben allerdings Studierende, die von einer Karriere bei Vater Staat träumen.

          Mit einer Beamtenlaufbahn verbinden die meisten Menschen ein vernünftiges Gehalt und einen gediegenen Bürojob, hohe Pensionen und eine unkündbare Stellung. Das waren zumindest die Gründe, die von Studierenden bei einer Umfrage des Beratungsunternehmens EY genannt wurden und die nach der Ansicht der Befragten den Wunsch, selbst am liebsten einmal verbeamtet zu werden, bei ihnen geweckt hatten. Jeder dritte Studierende, so lautete das verblüffende Ergebnis, kann sich den Staat als Arbeitgeber gut vorstellen. Dabei gehen viele Befragte leider von falschen Vorstellungen und überholten Berufsbildern aus. Die Zeiten, in denen man bei der Bahn oder der Post ein sicheres Auskommen hatte, ohne sich großartig anstrengen zu müssen, sind längst vorbei.

          Außerdem bereitet ein Universitätsabschluss potentielle Bewerber nicht unbedingt richtig vor. Spezielle Fachhochschulen, an denen Kommissare, Diplom-Rechtspfleger, Finanz- oder Verwaltungswirte ausgebildet werden, sind in der Regel die bessere Wahl. Auch wenn Quereinsteiger in einigen Berufen gern gesehen werden.

          Viele Befristungen und mehr Angestellte im öffentlichen Dienst

          Ursula May ist Beamtin beim Landesamt für Steuern in Rheinland-Pfalz. Ihr Werdegang sei nicht sehr linear verlaufen, meint sie. Nach dem Studium zur Diplom-Finanzwirtin hat sie zunächst im Innendienst eines Finanzamtes gearbeitet, wechselte dann zur Oberfinanzdirektion in die IT-Abteilung und wurde dort intern zur Programmiererin ausgebildet, um steuerliche Fachprogramme anwendbar zu machen. „Parallel dazu habe ich ein Jura-Studium absolviert und bin letzten Endes im Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gelandet, wo ich unter anderem auch für die Organisation von Fortbildungen zuständig bin.“ Schon vor zwanzig Jahren wurde Ursula May „Beamtin auf Lebenszeit“. Direkt nach der Probezeit. Ein Traum, der sich heute für immer weniger Nachwuchskräfte erfüllt, denn inzwischen gibt es auch im öffentlichen Dienst viele Befristungen und mehr Angestellte, die nach Tarifverträgen vergütet werden, ohne den Vorteil zu genießen, verbeamtet zu werden und damit nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen zu müssen.

          Auch im Hinblick auf die ruhige Kugel, die man als Beamter im Innendienst angeblich schieben kann, sollte sich niemand Illusionen machen. Natürlich sei das Beschäftigungsverhältnis von Beamten „generell ein gutes“, sagt Klaus Weber, Bundesbeamtensekretär bei Verdi, dennoch gäbe es auch hier Verbesserungsbedarf - vor allem im Hinblick auf Kommunikationsstrukturen und den zwischenmenschlichen Bereich. Weber und seine Kollegen beraten vor allem Beamtinnen und Beamte, die sich bei Beförderungen übergangen fühlen. „Sie werden von ihrem Dienstherren regelmäßig beurteilt, und es kommt immer wieder vor, dass diese Bewertungen das Einfallstor für eine unfaire Nasenpolitik sind.“

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