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Arbeiten im Ausland : Aus Deutschland in die Welt

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

An der Spitze der 200 internationalen Organisationen spielen Deutsche kaum eine Rolle. Darunter ist fast jede zehnte Karriere „made in Germany“. Deutsche Behörden helfen beim Schritt ins Ausland.

          Die Welt tickt französisch. Dieser Eindruck könnte sich aufdrängen beim Anblick der Personaltableaus internationaler Organisationen. Kein anderes Land stellt derart viele Führungskräfte auf allerhöchster Ebene: Der ehemalige EU-Kommissar Pascal Lamy ist der wichtigste Mann in der Welthandelsorganisation, Jean-Claude Trichet wacht als oberster Währungshüter an der Spitze der Europäischen Zentralbank über die Stabilität im Euro-Raum, und vom 1. November an wird Dominique Strauss-Kahn das einflussreiche Wort des Internationalen Währungsfonds (IWF) führen. Und die Deutschen? Klaus Töpfer hielt früher als Generaldirektor des UN-Umweltprogrammes das Fähnlein hoch, doch seit dem Umzug von IWF-Direktor Horst Köhler ins Bundespräsidialamt fehlt dem Land eine schwergewichtige Stimme von internationalem Klang. Die Deutschen als Karrieremuffel auf internationalem Parkett?

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Nein, Grund zur Klage sieht die Bundesregierung nicht. Denn für die 56 000 internationalen Stellen des höheren Dienstes gilt zunehmend: Man spricht Deutsch. Seit 1998 ist die Zahl der Deutschen in den mehr als 200 internationalen Organisationen von 3400 auf 5400 gestiegen, ihr Anteil wuchs von 8,8 auf 9,1 Prozent. So viel kann kein anderes Land vorweisen. In den Vereinten Nationen oder der Europäischen Union sieht es besonders gut aus, sagt Brita Wagener, die in Berlin die internationale Personalpolitik koordiniert.

          „Das mit Abstand erfolgreichste EU-Mitgliedsland“

          Ihre Stelle wurde 2000 eigens im Auswärtigen Amt eingerichtet, um den Einsatz deutschen Personals in internationalen Organisationen zu fördern - mit einigem Erfolg: In der EU-Kommission wurde im vergangenen Jahr jede fünfte Stelle, die über einen Einstellungswettbewerb („Concours“) zu besetzen war, an einen Deutschen vergeben. Die Bundesrepublik sei damit „das mit Abstand erfolgreichste EU-Mitgliedsland“, lobt Wagener. Das Auswahlverfahren der Vereinten Nationen hätten 2005 fast viermal so viele Bewerber bestanden wie 2002. Dieser Erfolg hat aber auch seine Schattenseite: Seit 2006 nimmt Deutschland, da es nunmehr angemessen im UN-Sekretariat vertreten ist, nicht mehr an dem Verfahren teil; erst kommen Bewerber aus unterrepräsentierten Staaten zum Zuge. Dieser vergleichsweise einfache Zugang über Wartelisten bleibt den heimischen Kräften also bis auf weiteres versperrt.

          Doch nicht überall sind die Deutschen so stark vertreten. Das gilt für die Internationale Arbeitsorganisation ILO, Nato und Weltgesundheitsorganisation WHO, Welthandelsorganisation WTO, Weltbank, Internationalen Währungsfonds IWF und Europäische Weltraumbehörde ESA. „Für deutsche Bewerber ergeben sich hierdurch im Umkehrschluss zusätzliche Chancen“, sagt Wagener.

          Nachwuchskräfte mit vier bis fünf Jahren Berufserfahrung müssen nicht mehr durch das Nadelöhr der Wettbewerbe, sondern können sich auf die sogenannten P3-Stellen bewerben, die öffentlich ausgeschrieben werden. Hier freilich schneiden die Deutschen nicht immer gut ab. „Die können sich nicht so gut präsentieren. Entweder sind sie zu zurückhaltend oder zu selbstbewusst und fordernd.“ Absolventen aus angelsächsischen Ländern kämen oft besser weg, sagt Wagener. Das werde häufig auch in Gruppendiskussionen erkennbar, wenn es darum gehe, seinen Standpunkt gegen andere Kandidaten zu verteidigen. „In Debattierclubs sind die Deutschen nicht die Stärksten.“ Zur besseren Selbstdarstellung der anderen kämen meist noch eine höhere Risikobereitschaft und eine bessere Vernetzung hinzu. Deshalb erfasst das Amt seit 2004 auch alle Deutschen, die bei internationalen Organisationen arbeiten, und fördert deren Vernetzung - zum Beispiel durch eine Konferenz am 11. und 12. Oktober in Berlin. Gemeldet haben sich 500 Interessenten, zugelassen wurden 200. Mit dieser Veranstaltung, die erst zum zweiten Mal durchgeführt wird, habe man ganz offensichtlich ein Bedürfnis der Auslandsdeutschen getroffen, sagt Wagener. Ein internetgestütztes Kommunikationsportal, das helfen soll, Landsleute rund um den Globus aufzuspüren, ist bereits in Planung; bis Mitte kommenden Jahres soll es fertig sein.

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