https://www.faz.net/-gym-9pnw6

Arbeiten an Sehnsuchtsorten : Mit den Rangern in würziger Waldluft

Am Rande des Lieserpfads auf dem Eifelsteig Bild: Freddy Langer

Ralf Hilgers und Sascha Wilden führen durch Täler und über Höhen der Eifel, beantworten alle Fragen zur Natur – und haben immer einen Spruch auf Lager.

          Die Männer sind weiß Gott nicht arrogant, aber ein Schmunzeln können sie sich nicht verkneifen, wenn besorgte Wanderer wissen möchten: „Wenn ihr hier nichts pflanzt, dann wächst da doch nichts?!“ Tut es doch, nur anders, als sich das mancher waldfremde Städter hinter seiner parzellierten Kirschlorbeerhecke vorstellen kann. Nicht nur diese ungläubigen Fragen und vermehrtes Staunen darüber, was da kreucht und fleucht und wächst oder eben nicht wächst und wachsen wird, demonstriert die Existenzberechtigung der Eifel-Ranger. So heißen die Männer und bisher nur eine Frau, die kleine und große, junge und alte Spaziergänger und Wanderer kostenlos durch den Nationalpark Eifel führen, der am Rursee liegt, rund 50 Kilometer von Aachen entfernt.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Der wurde vor 15 Jahren gegründet und bettet sich in eine faszinierende Landschaft ein, deren rauher Charme in Zeiten von Klimawandel und gefeierter Waldeslust von vielen entdeckt wird, die zwar Hurghada kennen, nicht aber die Höhen des Hürtgenwalds. Sascha Wilden und Ralf Hilgers sind von Anfang an dabei, nennen sich augenzwinkernd „die bestbezahlten Spaziergänger Deutschlands“ und wissen, wie sie ihre Gäste mit einer Mischung aus Fachwissen, launigen Anekdoten und einer klitzekleinen Prise Jägerlatein beeindrucken können.

          Drei Jahre lange Ausbildung

          Alle Ranger haben eine drei Jahre lange Ausbildung zum Forstwirt hinter sich. Sie können versiert mit der Motorsäge umgehen und tun das auch zwischendurch. Wenn Stürme wüten und Bäume umgestürzt sind, rücken die Männer an. In einer Zusatzausbildung haben sie sich in 18 Wochen und 600 Seminarstunden zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger weiterqualifizieren lassen. So heißt der Ranger im Bürokratendeutsch. Voraussetzung dafür ist, drei Jahre in einem grünen Beruf gearbeitet zu haben, gleich ob als Gärtner, Landschaftsbauer oder Fischwirt. In Eberswalde in Brandenburg ist an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung ein dreijähriges Ranger-Studium möglich. Zwei Aufgaben haben die Ranger, erklärt Förster Bernd Dickmann, dem der Stolz auf seine Truppe anzumerken ist: „Sie stehen für den Schutz und Erhalt der Natur und sollen die Leute informieren und aufklären.“ Noch gibt es nur eine Rangerin, das sei der Genese geschuldet, ändere sich aber gerade. Führungen durch den Nationalpark gibt es fast jeden Tag in der Woche und an den Wochenenden zwei.

          Niemals ohne Ranger-Hut: Sascha Wilden (links) und Ralf Hilgers.

          Mit Mountie-Hut durch den Nationalpark

          Unterwegs sind sie in einem Gelände, das bis zum Jahr 2034 ein Entwicklungsnationalpark ist. Aufgeforstet wird nichts. Das Zurück zur Natur wird hier wörtlich genommen. Obwohl die Rote Waldameise auf der Roten Liste steht und ihre Haufen aus Fichtenhölzern baut, werden keine Fichten neu gepflanzt. „Rund 75 Prozent der Natur werden sich selbst überlassen“, sagt der Förster. Der 110 Quadratkilometer große, einzige Nationalpark in Nordrhein-Westfalen soll sich über Generationen zu einem vom Menschen weitgehend unberührten Buchenwald entwickeln.

          Die Ranger machen optisch etwas her, tragen olivfarbene Kleidung mit beeindruckenden Wappen an den Ärmeln und einen Mountie-Hut, der für einen Hauch Rocky-Mountain-Fernweh sorgt. „Ist der Ranger noch so klein, wird der Ranger zu sehen sein“, so formuliert es Sascha Wilden. „Die Leute fahren darauf ab. Tragen wir den Hut mal nicht, fragen sie danach.“

          Sie fragen ohnehin viel. Warum wird der Baum gefällt? Wieso hängen die Fallen da? Wie gefährlich ist der Borkenkäfer? Warum darf ich die Steinpilze nicht sammeln? „Sie dürfen nur den Fußpilz sammeln. Man darf die Eindrücke mitnehmen, sonst nichts“, sagt Sascha Wilden dann und hat schon wieder einen Spruch parat: „Letztendlich sind wir eine lebende Litfaßsäule.“

          Das sei die Herausforderung. Kommt ein Ranger des Wegs daher, muss der das doch wissen?! Die Ranger sehen sich bewusst auch als Unterhalter und scherzen viel mit den Waldbesuchern. Tun sie das während der zweieinhalb bis fünf Stunden langen Touren nicht, „machen die Leute nach einer Stunde zu“. Dass die beiden Familienväter ein großes Repertoire an Wissen haben, lässt sich schon daran erkennen, dass manche Besucher sich immer wieder anmelden, wohlwissend, „sie haben keine Schallplatte vor sich“, sagt Sascha Wilden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.
          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.