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Arbeiten an Sehnsuchtsorten : Mit dem Dampfer-Kapitän auf der Elbe

Der historische Schaufelraddampfer „Leipzig“ der Sächsischen Dampfschiffahrt fährt auf der Elbe nahe der Brücke „Blaues Wunder“ entlang. Bild: ZB

Auf dem Schaufelraddampfer „Leipzig“ fährt Kapitän Lutz Peschel seine Gäste die Elbe rauf und runter. Dabei macht ihm das Niedrigwasser zunehmend zu schaffen.

          Nach einer halben Stunde Fahrt gibt es plötzlich ein leicht knirschendes Geräusch. „Haben Sie das gehört?“, fragt Lutz Peschel. „Jetzt ging’s übern Dreck.“ Dabei hatte er zuvor bereits die Geschwindigkeit seines Dampfers reduziert, doch ganz ohne Grundberührung geht es in diesen Zeiten auch für die Personenschifffahrt auf der Elbe nicht. Peschel arbeitet seit 1979 in Dresden bei der „Weißen Flotte“ beziehungsweise der „Sächsischen Dampfschifffahrt“, wie sie heute heißt. Aber dass der Fluss so lange so wenig Wasser führt, hat er auch noch nicht erlebt. Früher, erzählt er, habe es auch immer mal ein Jahr mit wenig Regen gegeben. Doch 2019 führt die Elbe nun schon im fünften Jahr in Folge im Sommer so wenig Wasser, dass selbst die auf niedrige Pegel ausgelegten Raddampfer in Schwierigkeiten kommen.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Bereits vor der Abfahrt hat Peschel deshalb vorgesorgt. Seit zwölf Jahren ist er Kapitän auf dem Dampfer „Leipzig“, er kennt das Schiff und dessen Verhalten in- und auswendig. Schon vor Wochen hat er mit seiner Mannschaft alle nicht zwingend notwendigen Aufbauten entfernt, um Gewicht zu reduzieren; auch nimmt er heute nur die Hälfte von knapp 500 möglichen Passagieren an Bord. „Je 50 Personen bedeuten einen Zentimeter mehr Tiefgang“, sagt er, als er das Heck des Dampfers mit einer Kordel absperrt. Damit das Ruder nicht den Grund berührt, dürfen sich Passagiere nur im Vor- und Mittelschiff aufhalten. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, die Leute haben Verständnis für die Lage, und sie sind froh, gleich um 10 Uhr mit dem ersten Dampfer ablegen zu können

          Die Schlange am Terrassenufer in der Innenstadt, wo die Schiffe an- und ablegen, ist gerade in den Ferien lang. Neun Dampfer liegen hier für Ausflugsfahrten durch Dresden, nach Meißen, in die Sächsische Schweiz oder bis in die Tschechische Republik. Die „Leipzig“ fährt an diesem Tag die Stadtroute, das heißt vom Zentrum die Elbe hinauf bis Blasewitz und zurück. Bereits zweieinhalb Stunden vor Abfahrt sind Kapitän Peschel und seine Crew auf dem Schiff zu finden. Wie jeden Tag putzen sie das Deck, erledigen kleine Reparaturen und lassen die Dampfmaschine vorwärmen.

          „Wat is’n ein’ Dampfmaschin’?“

          Sie ist das Herz des Schiffs und befindet sich nicht etwa im Verborgenen, sondern ist für jeden Passagier im Unterdeck sichtbar. Heiß ist es hier, es riecht nach Maschinenöl, und dennoch ist alles so sauber wie in einer guten Stube. Golden leuchten Messingrohre, blitzblanke Stahlzylinder schieben sich vor und zurück und treiben stampfenden Geräuschs die beiden Schaufelräder links und rechts des Dampfers an.

          Die Dampfmaschine ist im Wesentlichen noch so, wie sie 1929 beim Bau des Schiffes installiert wurde. „Wat is’n ein’ Dampfmaschin’?“, ist der Satz, der so manchem Passagier hier sofort über die Lippen kommt, worauf umgehend das unvermeidliche „Da stell’mer uns mal janz dumm!“ folgt, die Klassiker-Zitate aus dem Film „Die Feuerzangenbowle“. Tatsächlich aber kann man sich nur schwer der Faszination dieses Ungetüms entziehen. Wie früher zieht die Maschine ihr Wasser aus der Elbe, nur der Kessel wird heute nicht mehr mit Kohle, sondern mit Öl beheizt.

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