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Arbeiten als Agent : Einfach mal den Mund halten

Professionelle Neugier Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Agenten lesen Zeitungen, hören gut zu und reisen viel. Wer Farsi spricht, hat beste Berufsaussichten. Denn der BND sucht Ingenieure, Biologen, Chemiker, Juristen, Islamwissenschaftler, Dolmetscher. Nur keine Draufgänger.

          So viel vorweg: Es gibt keine Uhren mit Sprengfunktion, keinen Aston Martin und in der Regel auch keine lebensgefährlichen Einsätze. "Draufgänger und Einzelkämpfer haben bei uns keine Chance", sagt Katrin Felten, Sprecherin des Bundesnachrichtendienstes (BND), der wohl geheimsten Behörde in der Republik. Wer das beachtet, hat gute Beschäftigungsmöglichkeiten bei einem der drei deutschen Geheimdienste: vor allem, wenn er jung ist (lesen Sie auch Kein Herz für James Bond).

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im BND arbeiten 6000 Männer und Frauen. Sie alle sollen die Bundesregierung über die internationale Lage informieren, auf kritische Entwicklungen hinweisen und vor allem internationalen Terrorismus, Waffenhandel, Drogenschmuggel, Geldwäsche oder illegale Einwanderung im Auge behalten.

          Sprechen Sie Dari, Paschtu oder Arabisch?

          Nahezu permanent sucht der BND nach Wirtschaftsingenieuren, Ingenieuren der Elektro- und Nachrichtentechnik, technischen Beschaffern, Biologen, Chemikern, Informatikern, Juristen, Islamwissenschaftlern oder Dolmetschern. "Derzeit brauchen wir vor allem Experten für die Sprachen Englisch, Spanisch, Serbokroatisch, Farsi, Dari, Paschtu und Arabisch", sagt Felten. Offene Stellen werden unter anderem auf der Homepage des BND veröffentlicht.

          Der Agent ist immer unauffällig, selbst in seinem Vorleben

          Bewerben können sich nur Interessenten mit deutscher Staatsbürgerschaft, das gilt für jeden Nachrichtendienst in der Republik. Und jene Männer und Frauen müssen vor allem den Mund halten können, Gespräche über ihre Tätigkeit beim Nachrichtendienst sowie über die Dienststelle sind untersagt. Wer beim BND in den höheren Dienst möchte, der sollte zudem einen überdurchschnittlichen Hochschulabschluss, gute Fremdsprachenkenntnisse und längere Auslandsaufenthalte vorweisen können. Karrieremöglichkeiten im In- und Ausland steht dann kaum etwas im Wege. Vielleicht diese eine Prüfung noch. Denn bevor es so richtig losgeht mit der Arbeit beim BND, wird die Vergangenheit der Kandidaten durchleuchtet. Bis zu neun Monate kann dies dauern. Ist alles in Ordnung, besuchen die zukünftigen Ermittler die behördeneigene Schule. Mitarbeiter im höheren Dienst durchlaufen einen sechswöchigen Einführungslehrgang. Jene, die eine Ausbildung beim BND absolvieren, lernen innerhalb von zwei bis drei Jahren in Theorie und Praxis die Feinheiten der Aufklärungsarbeit.

          Vertrauen statt Erpressung

          Die wird vor allem in der Abteilung 1 "Operative Aufklärung" des BND geleistet. In allen Teilen der Erde treffen sich die Mitarbeiter mit Leuten, etwa, um Informationen über die Arbeit von islamistischen Terrornetzwerken zu bekommen. Es geht dabei nicht darum, Druck auf die Informanten aufzubauen, sie zu erpressen, vielmehr müssen die Ermittler Vertrauen schaffen. Dazu braucht es neben Kommunikationstalent vor allem Verständnis für andere Kulturen. Und Feingefühl. Schließlich bringt sich jeder der Informanten durch seine Aussagen selbst in Gefahr.

          Dienststellen hat der BND in der gesamten Republik, bis 2011 soll der Umzug der Zentrale aus dem bayerischen Pullach nach Berlin abgeschlossen sein. In der Hauptstadt arbeiten schon heute 1400 Männer und Frauen. Im Ausland sind die Büros, Schätzungen gehen von 90 Niederlassungen aus, zumeist der deutschen Botschaft angegliedert.

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