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Arbeit und Atmosphäre : Es grünt so grün am Arbeitsplatz

  • -Aktualisiert am

Natürliches Licht, gute Luft Bild: Archiv

Müdigkeit, gereizte Augen, hartnäckige Erkältungen: Büroarbeit wird für so manchen Menschen zur Qual. Ob im Zellenbüro oder im großen Bankenturm: Pflanzen verbessern das Klima, vorausgesetzt, man wählt die richtigen.

          Müdigkeit, gereizte Augen, hartnäckige Erkältungen: Büroarbeit wird für so manchen Menschen zur Qual. Schuld daran trägt oft das Raumklima am Arbeitsplatz. Es wird für eine Reihe von Krankheiten verantwortlich gemacht.

          Das sogenannte Sick-building-Syndrome, kurz SBS, ist seit den siebziger Jahren bekannt. Damals häuften sich in den Vereinigten Staaten von Amerika Berichte über Gesundheitsprobleme von Angestellten in Büros mit zentral geregelten Klimaanlagen: Betroffene berichteten von Kopfschmerzen, Schleimhautreizungen, Müdigkeit, allergischen Reaktionen, Abwehrschwäche, häufigen Infektionskrankheiten, Verschlechterung von Asthma bronchiale, akuten Atembeschwerden, depressiven Zuständen, allgemeinem Unwohlsein und verminderter Leistungsfähigkeit.

          Die Gebäudebetreiber waren zwar schnell dabei, diese Beschwerden zu einem massenpsychologischen Phänomen herabzuspielen. Doch mittlerweile ist das Syndrom weitgehend anerkannt; jeder Vierte bis Fünfte, der in einem Büro arbeitet, soll davon betroffen sein. Eine Ursache für die Beschwerden kann häufig nicht gefunden werden. Nur eines ist auffällig: Sobald die Betroffenen ihren Arbeitsplatz oder Wohnraum verlassen, geht es ihnen besser.

          Gut von außen zu sehen: Turmgärten

          Mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen

          Verantwortlich für die Verschlechterung des Raumklimas sind alle Schadstoffe, die in Innenräumen vorkommen, beispielsweise Ausdünstungen aus neu angebrachten Materialien wie etwa Boden- und Teppichkleber, Gifte aus Möbeln sowie Mineralstoffe aus Dämmmaterialien. Hinzu kommen Bürogeräte wie Drucker, die Ozon freisetzen, oder unsachgemäß gewartete Klimaanlagen: Diese tragen Pollen, Pilzsporen und Keime aus der Außenluft nach innen; vor allem, wenn die Filtersysteme schlecht sind oder die Filter zu selten gewechselt werden.

          Mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen lassen sich gesundheitsschädliche Ausdünstungen sowie giftige Farben und Lacke weitestgehend verhindern. Etwa, indem man schon beim Einkauf auf "umweltfreundliche" Produkte achtet. Auch die Drucker und Kopierer lassen sich in ein separates Zimmer verbannen, und alte oder defekte Klimaanlagen kann man abschaffen oder erneuern.

          Doch für ein dauerhaft gutes Klima muss unbedingt auch die richtige Luftfeuchtigkeit eingehalten werden, die zwischen 50 und 65 Prozent in Büroräumen und bei Klimaanlagen sogar bei 70 Prozent liegen sollte. Und da kommt die Natur ins Spiel: Pflanzen bescheren dem Raumklima nicht nur die angemessene Luftfeuchtigkeit, sondern können sogar Luftschadstoffe und Möbelgifte filtern.

          "Künstliche Luftbefeuchter haben den Nachteil, dass sie Chemikalien und Energie benötigen. Außerdem kann nur eine aufwendige und sorgfältige Wartung sie wirklich keimfrei halten", erläutert der Biologe Manfred R. Radtke von Radtke Biotechnik. "Dabei gibt es biotechnische Lösungen zur Luftverbesserung des Raumklimas. Mit ausgewählten Pflanzen wird nachweislich die Luftfeuchte angehoben und somit Beschwerden durch zu trockene Luft behoben."

          Pflanzen in der EDV-Welt

          Schon seit seinem Biologiestudium beschäftigt sich der Unternehmer mit Pflanzen, die beispielsweise in der heutigen EDV-Welt in den Büros maßgeblich zum Wohlbefinden in Räumen beitragen. Die klassische Hydrokultur tut dies nicht: "Sie kann sogar das Gegenteil bewirken, denn sie ist zwar praktisch, aber mit den falschen Pflanzen wirkt sie sogar kontraproduktiv auf die Luftfeuchtigkeit im Raum." Gleiches gilt beispielsweise für Pflanzen wie den beliebten Ficus Benjamina, denn der braucht in den Wintermonaten kaum Wasser. Also schaute sich der Biologe nach "Prima-Klima-Pflanzen" um und wurde unter anderem bei Schönheiten wie Hibiscus, Zimmerlinde und Banane fündig. Die leistungsfähigsten züchtete er weiter, um sie in Büros einzeln oder als grüne Wand zu installieren.

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