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Analyse : Jetzt kommen die Frauen

Hessa al-Jaber - demnächst im VW-Aufsichtsrat Bild: dpa

Seit Anfang des Jahres gilt die Frauenquote, die Konzerne nominieren eifrig neue Aufsichtsrätinnen. Sogar die Scheichs schicken jetzt eine Frau. Doch hinter vorgehaltener Hand wird mancherorts über „Quotilde“ ordentlich gelästert.

          Am Freitagmittag um halb zwei gab sich der letzte echte Herrenclub im Dax noch einmal die Ehre: Aufsichtsrat und Vorstand des Gesundheitskonzerns Fresenius warfen sich zum Ende der Hauptversammlung für die Fotografen in Pose: eine Wand aus schwarzen Anzügen, weißen Hemden und dezenten Krawatten, von keiner einzigen Frau durchbrochen. So etwas gibt es nun nicht mehr in den größten Aktiengesellschaften der Republik.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So etwas wird es auch nicht mehr geben, solange die Frauenquote, die seit Jahresanfang gilt, Gesetz ist. Frei werdende Posten in den Aufsichtsräten müssen mit Frauen besetzt werden, bis mindestens ein Anteil von 30 Prozent erreicht ist. Im Kontrollgremium von Fresenius, das stand kurz nach dem maskulindominierten Fototermin fest, als die Stimmen der Aktionäre ausgezählt waren, ersetzen fortan die Medizinerin Iris Löw-Friedrich und die IT-Fachfrau Hauke Stars Deutschlands dienstältesten Unternehmensberater Roland Berger und den Banker Gerhard Roggemann.

          So umstritten die Quote vor ihrer Einführung war, so geräuschlos ist sie zur Realität in den Konzernen geworden. Gerhard Krick, der bärbeißige Aufsichtsratsvorsitzende von Fresenius, hält zwar immer noch nichts von ihr, beschränkt seine Kritik aber auf die alles andere als glaubwürdige Behauptung, die Quote habe ganz und gar nichts mit der Berufung der beiden Damen an seine Seite zu tun gehabt. Sogar das arabische Emirat Qatar, von Quotenregelungen ansonsten unbelastet, beugt sich anstandslos den Vorschriften aus Deutschland und schickt als Großaktionär von Volkswagen demnächst nicht mehr den Chef der staatseigenen Fluggesellschaft, sondern die Internet-Ministerin Hessa Al-Jaber zu den Sitzungen nach Wolfsburg.

          Lästern über „Quotilde“ hinter vorgehaltener Hand

          Entsprechend gut gelaunt ziehen die Freunde der Quote, namentlich die Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“, zum Ende der Hauptversammlungssaison ihre Zwischenbilanz. Im Saldo zehn Frauen mehr als zu Jahresbeginn entsenden die Dax-Anteilseigner nach ihrer Statistik nun in die Gremien. „Ein messbarer Erfolg“, sagt Monika Schulz-Streelow, die Präsidentin der Initiative.

          Hinter vorgehaltener Hand allerdings wird noch immer kräftig über die eine oder andere Quotenfrau (noch böser: „Quotilde“) gelästert. Das hört sich dann so an: Natürlich ist sie eine hervorragende Wissenschaftlerin! Eine ungeheuer erfahrene Managerin noch dazu! Und ihre Kompetenzen sind für uns eine große Bereicherung! Aber gäbe es die blöde Quote nicht, dann hätten wir den Vorstandsvorsitzenden XY haben können, ein ganz anderes Kaliber, mit einem Ruf wie Donnerhall und unzähligen internationalen Kontakten.

          Wer das Ungleichgewicht der Geschlechter um der Sache selbst willen korrigieren will, dem können solche Einwände egal sein. Wer aber darauf hofft, dass die Neubesetzungen nicht nur den neuen Aufsichtsrätinnen, sondern auch den von ihnen kontrollierten Unternehmen nutzen werden, muss sie ernst nehmen. Machen die Frauen die Unternehmen besser, weil sie Mitarbeiterinnen und Kundinnen besser verstehen, andere Fähigkeiten haben als ihre Vorgänger, den meist männlichen Vorständen genauer auf die Finger schauen? Konkreter: Hätte Hessa Al-Jaber Martin Winterkorn auf dem Weg zum Dieselskandal gebremst?

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