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Abstimmung über Zuzugsbegrenzung : Immer weniger Deutsche zieht es in die Schweiz

Am Sonntag wird in der Schweiz über die Zuzugsbegrenzung abgestimmt. Doch den Deutschen geht das gar nicht so sehr nahe. Bild: AP

Am Sonntag stimmen die Schweizer darüber ab, ob die Zuwanderung in das Land begrenzt werden soll. Das trifft auch deutsche Auswanderungswillige. Aber nicht so sehr, wie gedacht: Die Schweiz ist gar nicht mehr das große Wunschziel der Deutschen.

          In den vergangenen Jahren galt die Schweiz gerade unter qualifizierten Deutschen als Wunschziel. Das südliche Nachbarland lockte mit hohen Gehältern und offenen Stellen Arbeitskräfte von Baden-Württemberg bis Mecklenburg-Vorpommern. Diese profitierten von der Personenfreizügigkeit, über deren Erhalt die Schweizer an diesem Sonntag abstimmen.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

          Doch unabhängig davon, ob die Zuwanderung erschwert wird, verliert die Schweiz zunehmend an Attraktivität für deutsche Arbeitnehmer. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes, die dieser Zeitung vorliegen, sank die Zahl der deutschen Auswanderer innerhalb von nur fünf Jahren um ein gutes Drittel. Packten im Jahr 2008 noch etwa 30.000 Deutsche ihre Koffer, waren es 2012 noch etwas mehr als 20.000. Gleichzeitig stieg im die Zahl der Rückkehrer um fast 3000 auf 11.100. Aus Ab- und Zuwanderung errechnet sich der Wanderungssaldo. Dieser fiel zwar mit minus 9000 aus deutscher Sicht zuletzt immer noch negativ aus, liegt aber nicht mal mehr halb so hoch wie der Spitzenwert von 21.000 im Jahr 2008. Für das Gesamtjahr 2013 liegen noch keine Zahlen vor. Für die ersten drei Quartale setzt sich der Trend fort. Aus deutscher Sicht ergibt sich eine Nettoabwanderung von 7300 Personen.

          Die meisten Zuwanderer zieht es nach Zürich

          Die Auswanderung in die Schweiz hat nach der Jahrtausendwende kräftig zugenommen. Der Konjunktureinbruch in Deutschland und die Massenarbeitslosigkeit hat die Zahlen in die Höhe getrieben. Nach Berechnungen der OECD landete jeder zweite deutsche Migrant mit hohem Bildungsabschluss in der Schweiz. Aber auch Fachkräfte wie Handwerker zog es zu den Eidgenossen. „Gerade in Ostdeutschland hat das im vergangenen Jahrzehnt zu einer wesentlichen Entspannung am Arbeitsmarkt beigetragen“, sagt Migrationsfachmann Thomas Liebig von der OECD dieser Zeitung. Der Großraum Zürich und die Nordwestschweiz waren dabei die beliebtesten Ziele. Die Beschäftigungsquote von Zuwanderern in der Schweiz liegt laut OECD bei beachtlichen 83 Prozent. Deutsche schneiden mit 86 Prozent noch besser ab und ihre Arbeitslosenquote liegt mit 2 Prozent niedriger als die der Schweizer. Der Anteil deutscher Zuwanderer mit geringem Bildungsabschluss ist mit 4 Prozent minimal.

          Dass sich die Wanderungsströme nun verschieben, führen die meisten Beobachter auf die gute wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands und den stabilen Arbeitsmarkt zurück. Viele Unternehmen spüren erste Folgen des demographischen Wandels und zahlen gerade qualifizierten Arbeitskräften höhere Gehälter. Dadurch sinkt der Anreiz zum Auswandern, und die Anreize für Rückkehrer steigen. Zudem wird Deutschland laut Liebig attraktiver für Einwanderer etwa aus Südeuropa und nimmt dadurch Druck von der Schweiz.

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