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Berufseinstieg : 300.000 Praktika führen zum Job

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Während die Politik sich über Akademiker in Praktikumsschleifen Gedanken macht, zeigt eine Untersuchung: Praktika dienen vor allem bei mittlerer Qualifikation als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt.

          In rund 300.000 Fällen hat ein Praktikum anschließend zur Festanstellung des Arbeitssuchenden geführt. Im Untersuchungszeitraum der Jahre 2004 und 2005 entsprach dies 2,3 Prozent aller Neueinstellungen. Zu diesem Ergebnis kommen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) basierend auf einer Unternehmensbefragung. „Praktika sind demnach für viele Personen keine Sackgasse, sondern nur ein Umweg zum Ziel“, schreiben die Autoren.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Praktika dienten demnach vor allem Personen mit mittleren Berufsabschlüssen als Sprungbrett. Drei Viertel der Stellen verlangten eine gewerbliche oder kaufmännische Ausbildung beziehungsweise einen Fachhochschulabschluss. Dagegen scheinen die Praktika „nicht in erster Linie auf Personen mit Hochschulabschluss zugeschnitten zu sein“. Vor allem Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich bedienten der Praktika als Rekrutierungsinstrument. Auch regional unterscheidet sich der Einsatz: In Ostdeutschland (3,2 Prozent) werden Stellen weitaus häufiger auf diesem Weg besetzt als im Westen (2,1 Prozent).

          Keine Sackgasse, sondern nur ein Umweg

          Fast die Hälfte der ehemaligen Praktikanten waren mittleren Alters, zwischen 30 und 40 Jahre alt. Rund 40 Prozent war unter 30. „Die Praktika erweisen sich für die Jüngeren häufig als nahtloser Übergang von der Ausbildung in einen oft unbefristeten Job“, heißt es. Für Ältere stelle es häufig den Ausweg aus der Arbeitslosigkeit in, allerdings häufig befristete, Arbeit dar.

          Die Gesamtzahl der bei der Bundesagentur für Arbeit registrierten Praktikumsplätze lag im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2006 konstant zwischen 60.000 und 70.000. Dabei dürfte es sich nach Ansicht des IAB größtenteils um Studenten handeln, die ihr Pflichtpraktikum absolvieren. Nicht aufgeführt werden in dieser Statistik unentgeltliche Praktika. Hochgerechnet dürfte sich deshalb ein permanenter Bestand an Praktikanten von bis zu 200.000 ergeben, heißt es.

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