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Banken : Der einfühlsame Investmentbanker

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Investmentbanking statt Operationssaal: Martin Schütte Bild: Frank Hüter

Aus Sorge um die eigene Rente befasste sich der Krankenpfleger Martin Schütte mit Aktien. Heute ist er Investmentbanker bei der Deutschen Bank.

          Wenn Martin Schütte über den Entschluss zu seinem Berufswechsel spricht, muss er sich weit zurückerinnern. An die Zeit, als Deutschland schon einmal über den demographischen Wandel diskutierte und der damalige Bundesarbeitsminister Blüm betonte, die Renten seien sicher. „Ich habe mich hingesetzt und nachgerechnet“, sagt Schütte. Der Krankenpfleger kam rasch zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Empfänger die der Beitragszahler überwiegen werde, wenn er selbst in Rente gehen würde. Sein Ausweg: Er suchte nach einem Zusatzinvestment mit hoher Rendite. „Also investierte ich mein erstes Gehalt von 900 Mark in drei Karstadt-Aktien“, erinnert sich der 47-Jährige.

          Das war nur der Anfang. Nach und nach besorgte sich der Krankenpfleger Fachliteratur und las die einschlägigen Wirtschaftszeitungen. Später gab er den Ärzten auf seiner Station sogar Anlagetipps. „Die Idee der Aktie hatte mich damals einfach fasziniert und gefangengenommen“, sagt Schütte. Nach sieben Jahren entschloss er sich, das Abitur nachzumachen und Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Das Studium sei eine Herausforderung gewesen, Angst habe er aber keine gehabt. Vor der Ausbildung zum Krankenpfleger hatte er oft schlechte Schulnoten. Beim Abitur und im Studium lief es dagegen gut für Schütte: „Ich musste keine Klausur wiederholen und hatte insgesamt keine Schwierigkeiten.“ Seinen ersten Beruf hinter sich zu lassen war auch kein großes Problem für den heutigen Investmentbanker, der mittlerweile in der Deutschen Bank den Bereich Institutional Sales leitet: „Ich arbeite heute in meinem Traumberuf und konnte meine Ziele verwirklichen.“ Immer wieder kann er auch Erfahrungen aus dem Krankenhaus einbringen: Die Kunden sagen oft, dass er partnerschaftlich und vertrauenswürdig berät.

          Eines aber hat Schütte bis jetzt nicht geschafft: eine hundertprozentig verlässliche Altersvorsorge zu finden. „Vermutlich bin ich etwas besser abgesichert als jemand, der sich in jungen Jahren nicht so intensiv mit dem Thema Vorsorge beschäftigt hat“, sagt er. Aber im Grunde sei es noch wie zu Blüms Zeiten: Renten seien eben nie ganz sicher.

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