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Auslandsstipendium : Auch ausländische Studenten sollen den sportlichen Ruhm der Universität mehren

  • -Aktualisiert am

Ist da noch Platz für ausländische Verstärkung? Das Footballteam der Harvard-Universität in Massachusetts Bild:

Deutsche Agenturen vermitteln Sportstipendien an amerikanischen Universitäten. Die Chancen für deutsche Beweber sind besser als viele vermuten. Dennoch, ohne Regionalliganiveau läuft nichts.

          Sonntag morgen, kurz vor sieben Uhr. Während seine Kommilitonen noch fest schlafen, schnürt Matthias Ewender sich die Sportschuhe zu. Um Punkt sieben Uhr will der Coach sein Läuferteam frisch und fit zum Zwanzig-Kilometer-Lauf versammelt sehen. „In Deutschland würde ich derartigen Frühsport nicht unbedingt machen“, sagt der 23 Jahre alte Deutsche. „Aber hier ist man ja im Team.“

          Er ist Sportstipendiat an der amerikanischen High Point University im Bundesstaat North Carolina. Vor dem Abschluß seines Betriebswirtschaftsstudiums an der Universität Regensburg wollte er „noch mal raus“. Sein einjähriges Auslandsstudium finanziert Ewender sich mit Hilfe eines Sportstipendiums, das ihm die High Point University dafür gewährt, daß er als Läufer deren Ruf und Ansehen bei Sportwettkämpfen mehrt. Der Bedarf amerikanischer Colleges und Universitäten an talentierten Sportlern ist so groß, daß sie auch ausländische Studenten mit Sportstipendien locken, die meist sehr gute Trainingsmöglichkeiten und eine professionelle sportliche und medizinische Betreuung einschließen.

          Der Weg über eine Agentur ist einfacher

          „Wir hatten eine Volleyballspielerin, die in der Oberliga spielte und auf ihre Bewerbung für ein Sportstipendium in den Vereinigten Staaten 34 Angebote erhielt, davon 32 für ein Vollstipendium“, berichtet Philipp Liedgens von der Vermittlungsagentur Sport-Scholarships in Münster, die sich als größter Anbieter im deutschsprachigen Raum bezeichnet. Man kann sich natürlich auch auf eigene Faust bewerben, aber über eine Agentur geht vieles einfacher. Sport-Scholarships erstellt ein akademisches und sportliches Profil von den Bewerbern, kontaktiert dann amerikanische Trainer und berät die Studenten bei der Auswahl der Angebote amerikanischer Universitäten. Außerdem hilft die Agentur bei der Beschaffung der erforderlichen Dokumente. Ganz wichtig ist zum Beispiel die Spielerberechtigung, die Sportstipendiaten in Amerika brauchen. Kommt es zur Einschreibung an einer amerikanischen Universität, kassiert Sport-Scholarships von dem Stipendiaten 2500 Euro. Erhält der Bewerber keine zufriedenstellenden Stipendienangebote, berechnet die Agentur nur eine Verwaltungsgebühr von 150 Euro.

          Das Sportstipendienprogramm amerikanischer Colleges und Universitäten umfaßt rund 30 Sportarten. Dazu gehören die amerikanischen Klassiker Basketball und Football, aber auch Rudern, Squash und Bowling. „Recht gut zu vermitteln“ seien derzeit Stipendien für Fußball, Tennis, Golf, Schwimmen, Leichathletik und Golf, sagt Liedgens. Wie gut die Bewerber sein müssen, hängt von der jeweiligen Sportart ab und von dem Renommee der Universität, an der sie studieren wollen. Im allgemeinen genüge für Fußball oder Damentennis Verbandsliganiveau, wenn man nicht gerade an Eliteunis wie Stanford oder Harvard studieren wolle, schildert Liedgens. Für Sportarten wie Basketball werde dagegen auch von weniger bekannten Colleges mindestens Regionalligastärke verlangt.

          Leistungsdruck im Sport und im Studium

          Matthias Ewender war mehrfach bayerischer Meister sowie süddeutscher Meister im 3000-Meter-Hindernislauf. National gehörte er in der Juniorenklasse zu den Top ten, bevor er nach Amerika ging. In seinem Team an der High Point University, das sich fast nur aus Sportstipendiaten zusammensetze, sei er zwar nicht „der Topläufer“, berichtet Ewender, aber bei Wettkämpfen gehöre er eigentlich immer zu den ersten fünf. Zum Leistungsdruck, der auf den Sportstipendiaten lastet, sagt der Deutsche, „daß der Coach selbstverständlich gewisse Erwartungen hat“. Vor allem aber sporne der Wettkampf im Team an, das Beste zu geben. „In Deutschland war ich mehr oder weniger Einzelkämpfer, und hier habe ich nun 15 Teampartner, die sich gegenseitig puschen“, sagt Ewender.

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