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Auguste von Bayern : Die Prinzessin und die Rabenvögel

Naturverbunden: Die Prinzessin kann sich ein Leben in der Großstadt nicht vorstellen.

Schon ihre geliebten Großeltern, denen sie als Schülerin und später als Studentin im Schloss zur Hand gegangen ist, waren locker im Umgang mit Tieren. „Meine Großmutter traf man durchaus nicht nur mit Hunden, sondern auch mit Waschbären an. Und im Schlafzimmer wurde gelegentlich ein Siebenschläfer oder ein Eichhörnchen gesehen“, berichtet die Enkelin. Überhaupt sei ihre Kindheit auf Schloss Kaltenberg und später in Leutstetten naturnah und bodenständig gewesen. Dazu gehörten auch all die verwaisten Entenküken, die Auguste von Bayern aufgezogen hat, und dazu gehört die Gänse-Episode. Nach der Schule ist sie mit dem Gänsetrupp auf einem kleinen Fluss unterhalb Leutstettens gepaddelt. Eine Gans nach der anderen ist ins Wasser gehüpft und später zurück ins Kanu. „Die Spaziergänger haben ziemlich gestaunt.“

Kontakte in der Klosterwirtschaft

Kein Wunder, dass das naturbegeisterte Mädchen fasziniert war, als seine Familie zur Geburtstagsfeier von Irenäus Eibl-Eibesfeldt eingeladen wurde, dem Begründer der Humanethologie und Forscher im Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie im nahen Seewiesen. „Ich war 14 Jahre alt und habe mich furchtbar unsicher gefühlt.“ Das fiel auch einem anderen Gast auf: Jane Goodall setzte sich in der Andechser Klosterwirtschaft neben das scheue Mädchen. Es entspann sich ein Gespräch über den Alltag der Verhaltensforscherin. „Für diese Begegnungen mit beeindruckenden Menschen bin ich heute noch dankbar.“

Keine Frage, dass sich die Prinzessin für ein Biologiestudium einschrieb. In München machte sie das Vordiplom und wechselte bald darauf an die Universität in Kapstadt. „Die nehmen nur die besten Studenten. Da konnte ich schon mithalten“, sagt sie. Es klingt nicht arrogant, sondern verrät eher die Ernsthaftigkeit, mit der sie ihr Fach betreibt. Arroganz? Sie blickt verwundert. „In meiner Familie gibt es keine Arroganz, da hätten wir so was von Ärger bekommen.“

Dann lockte England. Sie wurde in Cambridge angenommen und promovierte über „Soziale Intelligenz und soziokognitive Fähigkeiten von Dohlen“. Als sie erfuhr, dass sich in Oxford eine Forschungsgruppe zu Rabenvögeln gründete, stieß sie dazu. Möglicherweise wird aus ihren vielen Veröffentlichungen eine kumulative Habilitation entstehen. Das würde sie ihrem Traum, in der Forschung zu bleiben, ein Stück näher bringen. Und auch ihrer Heimat. „Auf Dauer ist es familiär schwierig, in England zu arbeiten.“ Am liebsten würde sie ihr Leben in der Wildnis verbringen, „das hat sich nicht geändert. Ich bin ein richtiges Landei, fürchte ich. In der Stadt habe ich mich nie richtig wohl gefühlt.“

Der Traum von einem neuen Museum

Die Freude an der Natur liegt in der Familie. So ist die Ururgroßtante Therese Prinzessin von Bayern „mit langem Rock und sportlicher Anstandsdame“ inkognito durch die Welt bis nach Brasilien gereist. Von der unerschrockenen, wissbegierigen Frau, die abends ihre Beute selbst entfedert und zum Teil auch ausgestopft hat, stammt das Zitat: „Ich habe mich vor nichts im Leben gefürchtet.“ Nicht wenige der von ihr präparierten Papageien lagern nun verpackt in Magazinen. Das möchte Prinzessin Auguste ändern und ihre Begeisterung für die Natur vor allem an Kinder weitergeben. „Wir haben leider naturentfremdete Kinder, die kein Eichenblatt zuordnen können und glauben, dass Eier aus dem Kühlschrank kommen.“ Sie hat unter anderen mit ihrem Mann, dem Juristen Prinz Ferdinand zur Lippe, ihrem Bruder und dem Unternehmer Randolf Rodenstock einen Förderkreis gegründet, um in München ein modernes Naturkundemuseum zu gründen.

In den Magazinen der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns lagern rund 30 Millionen Exponate. Darunter die größte Schmetterlingssammlung der Welt und das 27 Meter lange Skelett des Diplodokus. Bislang liegen die Saurierknochen zerlegt in Kisten, kein Kind bekommt den Giganten zu Gesicht. „Jedes Jahr werden 1500 Schulklassen abgewiesen, die das Naturkundemuseum Mensch und Natur Schloss Nymphenburg besuchen wollen“, bedauert die Prinzessin. Die Idee ihrer Initiative: Man verdreifacht die Museumsfläche, gewinnt angrenzende Räume von ehemaligen Uni-Instituten dazu. Politisch gibt es querbeet Unterstützung, aber es fehlt das Geld. Nun sammelt der Förderkreis und sucht Mäzene. Eine Million Euro muss bis Jahresende als Anschubfinanzierung zusammenkommen. Auguste von Bayern ist optimistisch, dass ihr auch das gelingt.

Ich über mich

Ein guter Arbeitstag beginnt mit ...

... einem Ritt oder Lauf durch die Wälder.

Die Zeit vergesse ich, ...

... wenn ich in der Natur oder mit Tieren bin. Und auf dem Pferderücken.

Wer es in meinem Geschäft zu etwas bringen will, ...

... muss passioniert und ehrgeizig sein, eine hohe Frustrationstoleranz besitzen und Geduld haben.

Erfolge feiere ich ...

... spontan.

Es bringt mich auf die Palme ...

... - im Allgemeinen bemühe ich mich, mich nicht zu leicht aufregen zu lassen. Aber es passiert mir doch, wenn Menschen bürokratisch, ignorant und passiv sind.

Mit 18 Jahren wollte ich ...

... in die Wildnis nach Afrika.

Im Rückblick würde ich nicht noch einmal ...

... - da gibt es einiges, aber man lernt aus Fehlern.

Geld macht mich ...

... frei, um Zeit für wichtige Dinge zu haben.

Rat suche ich ...

... in der Natur und in der Familie.

Familie und Beruf sind ...

... beide wichtig. Wir sind zur Primatenfamilie gehörig, soziale Wesen und können nicht nur im Beruf glücklich werden.

Den Kindern rate ich, ...

... nie erwachsen zu werden.

Mein Weg führt mich ...

... hoffentlich zu Stationen, in denen ich mich nützlich machen kann, und hoffentlich durch viele Abenteuer.

Zur Person

Auguste Prinzessin von Bayern wird am 11. Oktober 1979 in Landsberg am Lech geboren. Sie ist das älteste von fünf Kindern von Luitpold Prinz von Bayern und Prinzessin Beatrix und eine Ururenkelin des letzten bayerischen Königs.

Nach dem Abitur studiert sie Biologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

In Kapstadt macht sie 2002 den Bachelor. Nach ihrer Promotion 2004 in Cambridge geht sie nach Oxford und forscht seither über Rabenvögel.

Sie ist verheiratet mit Prinz Ferdinand zur Lippe, einem Juristen, und setzt sich für ein naturkundliches Museum in München ein.

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