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Arbeitsplatz : Heilsames Klima

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Und der Ausweg aus dem Dilemma? Den entscheidenden Ansatzpunkt sieht der Forscher und Therapeut in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Berufliche Leistungen sollten unbedingt beachtet und anerkannt werden. Und die Beziehungen zwischen den Beschäftigten untereinander sowie der Beschäftigten zu ihren Vorgesetzten sollten frei von Feindseligkeit, berechenbar und vertrauensvoll gestaltet sein. Deshalb, so lautet Bauers dringender Rat, „sollten Vorgesetzte für ein kollegiales Klima sorgen und vor allem darauf verzichten, zwischen den Beschäftigten zuviel Konkurrenz und Spannungen zu erzeugen“. Was sagt die Management-Wissenschaft zu dieser Problematik? Anna Maria Pircher-Friedrich, Professorin und Bereichsleiterin für Human Resource Management am Management Center Innsbruck, stellt fest: „Eine einseitige Orientierung am Shareholder Value und narzißtisches Machtstreben auf Kosten anderer läßt Menschen und Unternehmen erkranken.“

Erforderlich ist für die erfahrene Wissenschaftlerin „eine klare geistige Neuorientierung von Führung auf der Basis eines sinnzentrierten, würdigen Menschenbildes“. Die Probleme und krankmachenden Faktoren am Arbeitsplatz können Pircher-Friedrich zufolge nur durch die (Rück-)Besinnung auf Sinnerfüllung und Werte gelöst und geheilt werden. Sinnorientierung, erläutert Pircher-Friedrich, „hat gesundheitserhaltenden, salutogenen Charakter. Eine werteorientierte Führung steht also nicht im Widerspruch zum Gewinn, sondern ist geradezu die Voraussetzung für die nachhaltige Wertsteigerung von Unternehmen.“

Werte sind für Pircher-Friedrich die Quelle für Sinn und die Grundlage für gesunde Menschen sowie Unternehmen. Werte sind so die Katalysatoren für die Bereitschaft, sein Bestes zu geben, sich Herausforderungen zu stellen, sowie Motor für Kreativität und Entwicklung. Deshalb, sagt Pircher-Friedrich, „sind wertorientierte Unternehmen innovativer und erfolgreicher“. Innovative Unternehmenskulturen, so ihre Forderung, müssen sinnorientierte Rahmenbedingungen schaffen, die es ihren Mitarbeitern ermöglichen, ihr Bestes zu geben, und die permanente Selbstentwicklung jedes einzelnen fördern.

Betriebliches Wohl

Gute menschliche Beziehungen spielen auch für die Markenchefin der Großbäckerei Mestemacher, Ulrike Detmers, eine wesentliche Rolle bei der Vermeidung psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz. Für Detmers, die auch als Professorin für Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Personalmanagement und Organisationsmanagement tätig ist, „müssen Führungskräfte über ein hohes Maß an sozialer und persönlicher Souveränität verfügen, um das Leistungsvermögen ihrer Mitarbeiter zu erschließen“.

Verfügen sie über diese Kompetenzen, dann, ist Detmers überzeugt, entwickeln sie automatisch eine motivationsfördernde Unternehmenskultur, in der sich Angstgefühle nicht krankmachend und leistungsbeeinträchtigend einnisten können. In diesem Sinne sollen nach Ansicht von Detmers souveräne Führungskräfte „sich für ihre ,Schutzbefohlenen' einsetzen“. Auch im Bemühen um einen entsprechenden Umgangston.

Dabei, sagt Ulrike Detmers, „geht es um die Balance von Eigentümer- und Mitarbeiterinteressen. Eine Schieflage würde die Leistungs- und Wettbewerbskraft des Unternehmens schwächen und die Rentabilität verringern. Damit steht die Existenz eines Unternehmens auf dem Spiel, und das kann ja wohl nicht das Ziel von Vorgesetzten sein. Ihr eigener Arbeitsplatz steht dann auch zur Disposition. Leider könnte es in Deutschland mehr Führungskräfte geben, denen das betriebliche Wohl wichtiger ist als das eigene Ego, teure Statussymbole und ein hohes Einkommen.“

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