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Arbeitsplatz auf dem Wrack : Mein Abenteuer mit der Costa Concordia

  • -Aktualisiert am

So ein Profilbild hat nicht jeder: Inken Frühling vor der Costa Concordia Bild: privat

Eine Hamburger Ingenieurin gehört zu dem Team, das den Stahlkoloss geborgen hat. Dabei erlebte die nüchterne Hanseatin so einiges.

          Wer wissen will, woran Inken Frühling in den vergangenen zwei Jahren gearbeitet hat, muss sich nur ihr Profilbild auf dem Karriereportal Xing ansehen. Darauf steht Frau Frühling - orangefarbenes T-Shirt, eine Sonnenbrille in die Haare gesteckt - vor einer italienischen Bucht und lächelt in die Kamera. Hinter ihr türmt sich ein Kreuzfahrtschiff auf, das bedrohlich weit nach rechts gekippt ist. Auf dem Rumpf des halb versunkenen Stahlkolosses steht in blauer Farbe sein Name: Costa Concordia.

          Inken Frühling, eine Schiffbauerin aus Hamburg, kam dem weltbekannten Unglückskreuzer so nah wie nur wenige andere. Sie war einer der 500 Helfer, die in den vergangenen zwei Jahren damit beschäftigt waren, das tonnenschwere Schiff aus der Bucht zu schaffen. Frühling erlebte die entscheidenden Momente im Kontrollraum, direkt auf der Brücke der Costa Concordia. Sie stand quasi im Herzen der Bergungsaktion. Das Foto bei Xing ist eines der seltenen Zeichen von Stolz, das sie darüber nach außen lässt. Frühling blickt meist technisch-kühl auf ihre Arbeit, sie prahlt nicht.

          40.000 Tonnen Stahl

          In ihrer Heimatstadt Hamburg arbeitet die Dreißigjährige für das Ingenieursbüro Overdick, das sich neben Schiffsbergungen auch auf den Bau von Offshore-Plattformen etwa für Windparks spezialisiert hat. Über ein amerikanisches Partnerunternehmen wurde Overdick im Frühjahr 2012 auch Teil des Mammutprojekts an der Costa Concordia. Wenige Wochen zuvor hatte der Kapitän Francesco Schettino den Luxuskreuzer bei einem riskanten Manöver vor der Insel Giglio an einen Felsen gesetzt, innerhalb weniger Minuten lief der Rumpf voll Wasser, das Schiff begann zu sinken. Die Evakuierung der mehr als 3000 Passagiere geriet zum Desaster, 32 Menschen starben. In der Bucht blieb das Wrack aus 40.000 Tonnen Stahl zurück.

          Anfangs unterstützte die Ingenieurin Frühling die Bergungsarbeiten von Deutschland aus. Mehr als 1200 Kilometer entfernt, saß sie in ihrem Hamburger Büro und berechnete den Seegang in der Bucht. Dann fiel einer ihrer Kollegen vor Ort aus, und Frühling ersetzte ihn. „Mein Einsatz in Giglio kam mit einer unglaublichen Wucht, das war sehr spannend“, erzählt sie.

          „Schiffe bauen ist einfach cool“

          Schon als Kind, erzählt Frühling, habe sie gewusst, dass sie „mal was mit Schiffen“ machen wolle. Im Alter von drei Jahren begann sie zu segeln, in den Ferien schraubte sie mit ihrem Vater am Boot. Für das Schiffbaustudium habe sie sich endgültig entschieden, als sie in der zwölften Klasse am Nord-Ostsee-Kanal stand und die vorbeiziehenden Frachter beobachtete. „Da wusste ich: Schiffe bauen ist einfach cool.“ Frühling begann ihr Studium 2003 an der Technischen Universität Hamburg, sieben Jahre später schloss sie es ab. Sie ging zu Overdick, wo sie Plattformen für Windparks in der Nordsee konstruierte. Dann kam die Versetzung ans Mittelmeer.

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