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Arbeitsmarkt : Wir stellen (noch) ein

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Wind- und Sonnenliebhaber gesucht Bild: AP

Es gibt sie tatsächlich, allen Krisennachrichten zum Trotz: Firmen, die noch neue Mitarbeiter suchen. Hier eine Auswahl einstellungswilliger Branchen.

          Es gibt sie tatsächlich, allen Krisennachrichten zum Trotz: Firmen, die noch neue Mitarbeiter suchen. Hier eine Auswahl einstellungswilliger Branchen.

          "Wir können etwas frischen Wind in der Finanzkrise machen", sagt Hermann Albers. Das ist nicht der kesse Spruch eines sturmerprobten Menschen von der Küste, sondern eines Berliner Lobbyisten. Die sind in der Regel nicht so forsch. Doch Albers ist Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE), und hier ist man gegenwärtig recht guter Stimmung, weil die Branche von der Rezession nicht viel merkt. Dies gilt mit mehr oder minder kleinen Unterschieden für die gesamte Öko-Energie, also für die Hersteller von Windrädern und Solarzellen, von Wärmepumpen und Biogas-Anlagen. Fast überall werden weiter Jobs geschaffen. Dies gilt selbst für die Photovoltaik, obwohl einige Hersteller Probleme wegen sinkender Subventionen hatten. Doch Solarworld in Bonn sucht weiterhin Leute. Auch Schmack Biogas AG wartet auf Bewerber. Thorsten Herdan vom Maschinenbau-Verband (VDMA) vermutet, dass die Windrad-Hersteller die Einzigen in seinem Verband sein werden, die in diesem Jahr neue Stellen schaffen. So haben etwa die Marktführer Enercon und Vestas eine lange Liste mit offenen Stellen.

          Nach einer Übersicht des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) beschäftigte die Branche 2008 schon 250 000 Mitarbeiter, wobei der größte Teil auf die Windenergie entfiel. Weil die Bundesregierung die Öko-Energie weiter fördern wird, rechnet man bis 2020 mit einer Verdoppelung der Beschäftigtenzahl. (km.)

          Ärzte gesucht, gerne auch Inländer

          Eigentlich kann Manfred Rompf, der Geschäftsführer Personalmanagement der größten kommunalen deutschen Klinikkette Vivantes in Berlin, nicht klagen: Die Stadt ist bei jungen Leuten angesagt, und seit der jüngsten Tarifeinigung sind die Klagen über zu wenig Geld auf dem Konto auch zurückgegangen. Und dennoch sucht Rompf händeringend Ärzte. "Bei uns sind wegen der Fluktuation und der Facharztausbildung junger Ärzte immer offene Stellen zu besetzen. Derzeit haben wir einen Bedarf von etwa 30 Ärzten."

          Der Bedarf ist überall groß, Mediziner sind in Deutschland Mangelware. Der Stellenmarkt der Kammerzeitschrift Deutsches Ärzteblatt kam kürzlich auf 110 Seiten. Die Arbeitslosenrate der Ärzte ist verschwindend gering, die Zahl ausländischer Mediziner wird immer größer. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat im Herbst in einer Befragung der gut 2100 deutschen Kliniken ermittelt, dass die Krankenhäuser derzeit 4000 Stellen im Ärztlichen Dienst nicht besetzen können. Besonders gut sind die Jobchancen im Osten. Besser werden die Aussichten demnächst auch für Pflegekräfte. Das neue Krankenhausreformgesetz soll Zuschüsse für bis zu 16 500 neue Stellen in den nächsten drei Jahren bringen. (ami.)

          Lehrer gesucht, auch noch mit 45

          Beamter hätte man werden sollen, denkt sich manch Banker dieser Tage. Dafür ist es nicht zu spät: Viele Bundesländer haben mangels Bewerbern die Voraussetzungen für den Quereinstieg in den Lehrerberuf gelockert. Das gilt besonders für die Beruflichen Schulen. Zwölf Wochen Ferien im Jahr und Besoldungsstufe A 13, die Rekrutierungs-Homepage www.karriere-mit-zukunft.de frohlockt: "Die Zukunft kann so schön sein!" Vor allem Juristen, Natur- und Ingenieurwissenschaftler sind gefragt, in vielen Ländern ist die Verbeamtung bis zum 45. Lebensjahr möglich. 2500 neue Lehrerstellen hat allein die neue Landesregierung in Hessen versprochen, auch Baden-Württemberg wirbt intensiv um Quereinsteiger.

          Viel zusätzliches Geld fließt derzeit aber auch in die Hochschulen: 4000 neue Stellen für Doktoranden und mehrere hundert Professuren hat allein die Exzellenzinitiative geschaffen, längst sind noch nicht alle besetzt. Den Traum vom freien Forscherleben sollte man aber nicht zu lange nur geträumt haben, warnt Beate Konze-Thomas von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. "Wer drei, vier Jahre raus war aus der Wissenschaft, findet den Anschluss nicht mehr." (lzt.)

          Berater gesucht, nicht nur junge

          Es besteht kein Zweifel: Sie sind vorsichtig geworden, die Unternehmensberatungen, die es sich jedes Jahr aufs Neue auf die Fahnen schreiben, die besten Hochschulabsolventen für sich zu gewinnen. Nach Jahren steigender Einstellungszahlen haben die meisten Gesellschaften ihre Rekrutierungsziele nach unten geschraubt. Aber: Sie stellen noch ein, allein schon, um die in Beratungen wegen des Up-or-out-Prinzips traditionell hohe Fluktuationsrate auszugleichen.

          So nennt Marktführer McKinsey für dieses Jahr 200 zu besetzende Stellen, wobei sich das Profil der Wunschkandidaten verändert: "Wir würden gerne mehr Seniors einstellen", sagte Deutschland-Chef Frank Mattern kürzlich auf einer Veranstaltung. Die Boston Consulting Group will 170 neue Berater einstellen, auch wenn sie sich fürs Erste auf stagnierende Umsätze einstellt. Deutschland-Chef Christian Veith lässt keine Gelegenheit aus, um zu betonen, wie wichtig eine langfristige Einstellungspolitik sei. Vor allem um Nicht-Wirtschaftswissenschaftler werben Beratungen - die guten BWLer bewerben sich dort meist von sich aus. Und mehr Frauen dürften es auch sein. Roland Berger sucht 150 Berater, bei Bain ist noch Platz für 50 neue Kollegen. (loe.)

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