https://www.faz.net/-gyl-7h8po

Arbeitgeberwahl : Mittelstand oder Konzern?

  • -Aktualisiert am

Herzensangelegenheit Bild: Felix Seuffert

Junge Ingenieure stehen vor der Wahl, sich bei großen Konzernen oder beim Mittelstand in der Provinz zu bewerben. Eine Checkliste für die Entscheidungsfindung.

          Studenten der Ingenieurwissenschaften können ihrem Studienabschluss entspannt entgegensehen, denn viele haben schon mit dem Beginn ihrer Abschlussarbeit die ersten Stellenangebote auf dem Tisch. Die Situation für Ingenieure ist exzellent wie nie, rund 70 000 offene Stellen gibt es laut dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) aktuell.

          Die großen Namen, das berichtet ein Sprecher des VDI, fielen oft, wenn es um den Berufseinstieg gehe: die einschlägig bekannten Unternehmen beispielsweise aus der Automobilbranche. Doch muss es wirklich der Großkonzern sein - oder bietet nicht der Mittelständler mit maximal 5000 Mitarbeitern für die eigene Zukunftsvorstellung nicht doch mehr?

          Gehalt

          Große Unternehmen bieten mit Abstand die höchsten Gehälter. Bis zu 48 000 Euro kann der Einstiegslohn betragen. Zum Vergleich: Kleine Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern zahlen Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern im Durchschnitt 40 000 Euro. Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern zahlen schon 42 900 Euro, Mittelständler mit 1000 bis 5000 Beschäftigten zahlen 45 000 Euro.

          Einstiegsprogramme

          Ob Trainee oder spezielle Förderprogramme - die Großunternehmen strengen sich an, um dem Nachwuchs einen reibungsfreien Einstieg zu ermöglichen und sie in unternehmensspezifischen Tätigkeiten zu schulen. Es gilt außerdem: Je größer der Konzern, desto unwichtiger der Abschluss beim Einstieg. Jeder muss ohnehin noch dazulernen.

          Zusatzleistungen

          Ein betriebseigener Kindergarten, ein Fitnessstudio, attraktive Zusatzprämien, Betriebsrente - in der Quantität überwiegen in der Regel die Zusatzleistungen bei großen Arbeitgebern.

          Internationalität

          Weiterbildung in Amerika, Telefonkonferenzen mit den Kollegen in China, zum Meeting nach Japan: wer vor anderen Kulturen nicht zurückschreckt und gute Sprachkenntnisse besitzt, wird sich im internationalen Klima der Konzerne mit vielen Standorten wohl fühlen. Doch gerade in diesem Punkt werden Mittelständler gerne unterschätzt. Viele sind in ihrer Nische Marktführer - und zwar weltweit. Ihr Geschäft ist auch deshalb oft viel internationaler, als viele denken.

          Konzernzentrale von Siemens

          Image

          „Ich bin Ingenieur bei Porsche“ klingt attraktiver als die Arbeit bei einem Unternehmen, das im Freundeskreis niemand kennt. Die großen Konzerne können ihr großes Marketing-Budget nutzen, um sich als potentieller Arbeitgeber in Stellung zu bringen. Doch Vorsicht: Das kann durchaus auch nach hinten losgehen, wenn ein Konzern wegen unlauterer Praktiken ins Gerede kommt.

          Karriereoptionen

          Auch wenn die Kommilitonen im Großkonzern mit den besseren Einstiegsoptionen starten: durch einen rascheren Aufstieg hat man sie möglicherweise schnell wieder eingeholt, da sie oft nur sehr spezielle Aufgaben haben und nur eine Lösung entwickeln und optimieren. Erst nach einigen Jahren kann man im Großkonzern beispielsweise Führungsverantwortung übernehmen.

          Sicherheit

          Die mittelständischen Unternehmen sind der Wachstumsmotor in Deutschland und beschäftigen insgesamt die meisten Ingenieure. Laut einem „Wirtschaftswoche“-Ranking der 100 wachstumsstärksten deutschen Mittelständler, die auf dem Weltmarkt eine führende Rolle spielen, erreichte mehr als die Hälfte der untersuchten Unternehmen von 2001 bis 2010 außerdem ein Umsatzplus von mindestens 100 Prozent.

          Innovationen

          Während die Großunternehmen eine sehr breite Produktpalette bieten, ist bei kleineren Unternehmen die Entwicklungstätigkeit der Ingenieure wichtiger - Mittelständler gelten als innovationsgetrieben. Kleine Teams, die direkte Einbindung der Belegschaft in die Produktentwicklung und ihr unmittelbarer Kontakt zu Kunden machten Mittelständler zu den schnelleren, beweglicheren und oft auch innovativeren Konzernen.

          Freiheiten

          Durch reduzierte Hierarchiestrukturen und weniger bürokratische Hürden haben Ingenieure im Mittelstand häufig größere Entscheidungsspielräume. Und der Weg zum Unternehmensvorstand ist wesentlich kürzer als bei Großkonzernen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wird er der nächste Tory-Vorsitzende? Boris Johnson bei einem Fototermin in einer Baumschule

          Wahl zum Tory-Parteichef : „Boris gewinnt ja sowieso“

          Die 160.000 Mitglieder der Konservativen Partei wählen gerade den nächsten britischen Premierminister. Sie sind alt, melancholisch und ein bisschen rebellisch – und sehnen sich nach der guten alten Zeit.
          Von ihren Soldaten hat sie sich verabschiedet. Was folgt für Ursula von der Leyen (CDU)?

          FAZ Plus Artikel: Ursula von der Leyen : Wenn Weber es kann

          Ursula von der Leyens Rücktritt ist ein geschickter Zug. Doch wird es für sie reichen? Die SPD erweist sich weiter als führungs- und orientierungslos.
          Roger Federer nach seiner Niederlage am Sonntag in Wimbledon

          Tennis-Ikone : Wie Roger Federer zum erfolgreichen Unternehmer wurde

          Roger Federer zählt zu den Spitzenverdienern in der Welt. Daran ändert auch die Niederlage in Wimbledon nichts: Denn so erfolgreich wie auf dem Platz ist der Schweizer auch in geschäftlichen Dingen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.