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Angela Diederichsen : Die Zivilistin

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Unerlaubte Handlungen sind das Spezialgebiet von Angela Diederichsen. Prozesse wegen ärztlicher Kunstfehler, Verkehrsunfällen oder gegen Hersteller fehlerhafter Produkte landen bei ihr - im Zivilsenat.

          Unerlaubte Handlungen sind das Spezialgebiet von Angela Diederichsen. Prozesse wegen ärztlicher Kunstfehler, Verkehrsunfällen oder gegen Hersteller fehlerhafter Produkte landen im VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs, dessen Mitglied die 58 Jahre alte Richterin ist. Auch Sozialversicherungsrecht und Presserecht beschäftigen sie und sechs Kollegen.

          Wäre es nach ihren Eltern gegangen, wäre Angela Diederichsen heute Lehrerin. Aber auf der Pädagogischen Hochschule hielt sie nur ein Jahr durch, dann sattelte sie um auf Jura. Der Berufswunsch: Jugendrichterin. Stattdessen begann ihre Karriere mit Jugendschutzfällen bei der Staatsanwaltschaft – „eine ernüchternde Zeit. Ich ließ die Fälle sehr nah an mich herankommen, irgendwann wurde es zu viel. Das Zivilrecht liegt mir mehr, denn es gleicht aus. Es verurteilt nicht wie das Strafrecht, sondern will Konflikte lösen und den Leuten zu ihrem Recht verhelfen.“ 1982 wechselte Diederichsen ans Amtsgericht München, später ans Oberlandesgericht. Dann kam der Vorschlag des Ministeriums, die Bewerbung zum BGH zu wagen. „Man kann den Weg hierher nicht planen. Aber heute weiß ich, dass man dafür Weichen stellen kann, etwa durch eine Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Gericht. Es zählt, dass Leute auf Sie aufmerksam werden.“ Frei von politischen Gedanken sei die Bundesrichterwahl gewiss nicht. „Letztlich wirkt hier aber eine Mehrheit, die der Wähler vorher bestimmt hat.“

          „Ich vermisse die Nähe nicht“

          Diederichsens Senat gab Caroline von Monaco einen Anspruch auf Privatsphäre. Er erlaubte es, Manfred Stolpe einen Stasi-IM zu nennen, und muss sich heute viel mit Meinungsäußerungen im Internet befassen. Zu den Menschen hinter den Fällen hat die Richterin keinen Kontakt, in Revisionsverfahren werden nur noch Rechtsfragen verhandelt. „Ich vermisse die Nähe nicht. Beweisaufnahmen hatte ich am Amtsgericht genug“, sagt die Juristin. „Für mich ist es enorm erfüllend, wenn ich weiß, dass ein Rechtsproblem befriedigend gelöst wurde, für eine Vielzahl von Leuten.“

          Als sie 2000 zum BGH kam, fand Diederichsen unter 100 Richtern 12 Frauen vor (heute: 30). Die Kolleginnen trafen sich jeden Mittwoch zu Wein und Salat, um rechtliche und private Themen zu diskutieren, etwa die Kinderbetreuung. Diederichsens Söhne waren damals 13 und 14 Jahre alt, und sie fand es „sehr hart“, das neue Leben mit zwei Haushalten, Ganztagsschule und Internat zu organisieren. „Aber die Jahre muss man eben überstehen.“

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