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Berliner Modewoche (3) : Zauberwort Paspelierung

Dicke Lederstriemen als Rock. Mode wie sie der Designerin Marina Hoermanseder gefällt. Bild: dpa

Funkelndes Patchwork-Muster, Anti-Öko-Touches und eine erste Porzellan-Linie: Jetzt kümmern sich die Berliner Modemacher um die Details.

          Eigentlich stand das Skript für den Kinofilm „The Neon Demon“ schon. Ellen Fanning führt in dem Horrorthriller in der Rolle der Jesse ein Dasein als Newcomer-Model im überspitzt dekadenten Los Angeles. Für die Szenen waren Kleider von Saint Laurent und dem Londoner Designer Giles vorgesehen. So weit, so passend zum plot. Dann aber stieß die Kostümdesignerin Erin Benach auf die Korsagen aus dicken Lederriemen von einer gewissen Marina Hoermanseder aus Berlin. Für diese Kreationen gab es keinen Platz im Film – also erweiterte man das Ende kurzfristig um eine Szene. Seit vergangener Woche sind Hoermanseders Kreationen in dem Streifen hierzulande auf den Kino-Leinwänden zu sehen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es mag auch ein kleiner Triumph für Berlin sein. Ausgerechnet die Stadt, die angeblich keine große Mode hervorbringen soll, hat jetzt also ihre Designerin in Hollywood. Zweifelsohne aber dürfte es wirklich die bislang größte Bühne für die junge Modemacherin und ihre Luxus-Stützapparate sein, die im übrigen nur dann unbequem wirken, wenn man sie noch nie am eigenen Leib getragen hat.

          Bestätigen könnten das zum Beispiel die Models am Donnerstagvormittag bei der Schau von Marina Hoermanseder. Sie laufen an diesem dritten Tag der Modewoche in interessanten Kombinationen durch den Garten hinter dem Kronprinzenpalais. Da wären zum einen jene Korsagen, die auch Material für Models in „The Neon Demon“ sein könnten, kombiniert mit Stücken, die wiederum Requisiten für Frauen sind, die kaum für ihr Aussehen bezahlt werden und sich trotzdem gerne toll anziehen. Die Riemen mit ihren dicken Schnallen muten auf letzteren Teilen plötzlich ganz weich an.

          Korsett à la Hoermanseder: Muss nicht unbedingt unbequem sein.

          Kein Wunder, sie sind schließlich aus Seide oder Neopren, mal zieren sie lediglich die Ärmel, mal umschließen sie den ganzen Oberkörper. Oder sie erinnern zusammengesetzt zum Rock dann doch stark an das Original aus steifem Leder mit den dicken Riemen und Schnallen. Nicht umsonst sieht Hoermanseder ihre Mode ja als Rüstzeug für den fragilen Menschen. Nur vor den Freudentränen nach der Schau schützt die Designerin auch ihr eigener Riemen-Rock nicht.

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          Ein von Frankfurter Allgemeine Stil (@fazmagazin) gepostetes Foto am

          Zum Glück. Denn dass Emotionen am Ende auch die eigene Kollektion beflügeln, wird in Berlin besonders deutlich. Dort, wo Jungdesigner in dieser Woche nicht nur ein, zwei Schauen der Konkurrenz besuchen, sondern eher fünf, sechs. Wobei Konkurrenz ohnehin das falsche Wort ist, wenn man privat schon bestens befreundet ist. „Berlin hat gute vibes“, sagt auch Andrea Rosso, der sich als Sohn von Diesel-Gründer Renzo um die Lizenzgeschäfte der norditalienischen Jeansmarke kümmert und an diesem Abend im Store am Kurfürstendamm schnell dabei ist, die Uhren zu inspizieren. Den Nachmittag seines kurzen Besuches hat er an der Torstraße verbracht, unter anderem im Soto-Store. „In der Gegend habe ich viele glücklich aussehende Menschen beobachtet.“

          Knappe Kleider, Glitter und Leder, Leder, Leder

          Mit verklärtem Lokalpatriotismus hat das trotzdem nichts zu tun. Man sieht es an dem Auftritt von Odély Teboul, eine Hälfte des Duos Augustin Teboul. Sie holt sich den Applaus im Arm von Annelie Augustin in einem I-love-L.A.-T-Shirt ab. „Das tue ich wirklich“, lacht sie nach der Schau. Also Los Angeles sehr sehr gerne mögen. Und tatsächlich, die Kollektion hat alles, was eine gute Glam-Rock-Show braucht, die knappen Kleider, genug Glitter, Leder, Leder, Leder. Damit haben es schon andere ins Palladium geschafft. Nur scheint es diesen beiden Designerinnen nicht peinlich zu sein, sich ihren Stücken zugleich mit dem größtmöglichen Aufwand zu widmen. Der wirkt nicht schwer und ist dennoch deutlich sichtbar, in den funkelnden Patchwork-Mustern, der typischen Häkelspitze des Labels, dem gestanzten, gerüschten, mit Nietenringen und Tüllkämmen besetzten Leder.

          Marina Hoermanseder im Kreise ihrer Models

          Überhaupt Details, Vladimir Karaleev hat zu fast jedem eine eigene Theorie, und oft genug heißt das Zauberwort Paspelierung. Der Designer steht am Donnerstagnachmittag während seiner Präsentation zum Beispiel vor einem Baumwoll-Netzgewebe in Creme. „Ohne die Paspelierung am Kragen hat der Stoff schnell einen Öko-Touch.“ So hingegen bricht die saubere Umrandung das grobe Mesh. Oder die Sache mit den Cut-Outs: „Wirken ohne Paspelierung zu romantisch.“ Der Designer umrandet nicht nur die Aussparungen an den Schultern, er öffnet und schlitzt die Ärmel oder trennt sie gleich ganz ab, so dass daraus wieder eine neue Theorie wird.

          Bei Vladimir Karaleev heißt das Zauberwort Paspelierung.

          Denn natürlich geht es auf dem Weg zur Markenbildung nicht ohne. Bei William Fan kommen einem die Mitarbeiter in riesengroßen blauweiß gestreiften Hemden entgegen. „Meine Standarduniform“, sagt der Designer und lacht. „Ich mag diese Corporate Identity.“ Team Fan. Sie passt auch gut zum Thema der Kollektion: der Tag nach der durchfeierten Nacht. Das Ergebnis ist trotzdem alles andere als verkatert, sondern besonders variantenreich, neben den entspannten Team-Fan-Hemden ist da etwa eine spannende Serie Kork-Kleider. „Kork gibt es auch als Meterware“, erklärt Fan. Für das Tragegefühl der witzigen Anzüge mit Katzen-Motiven dürfte hingegen ein bisschen mehr Restalkohol im Blut nicht von Nachteil sein. Dazwischen tragen die Models ihre High Heels in der Hand und an den Füßen Plüsch-Schlappen.

          Dann, die Schau ist vorbei, lockt Fan seine Gäste Richtung Backstage, zu einem eingedeckten Tisch mit Porzellan. Allerdings soll nicht gegessen, sondern geschaut werden, und vielleicht sogar gleich gekauft. Hier steht ja Fans erste eigene Porzellan-Linie.  

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