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Ausstellung in Frankfurt : Besuch im härtesten Viertel von Kapstadt

  • -Aktualisiert am

Bild: Kai Middendorff

Die Filme des preisgekrönten Künstlers Teboho Edkins sind sparsam in ihren Mitteln, aber massiv in ihrer Wirkung. Aufgewachsen als Sohn eines Südafrikaners und einer Deutschen in Lesotho zeigt er die Probleme seiner Heimat.

          „Mein Vater ist ein Gangster“, sagt ein Junge. Er stottert massiv, dann lacht Brendon, in seinen Wangen bilden sich kleine Grübchen. Verschämt zieht er an seiner Hose: „Letzte Woche habe ich Topan sterben sehen.“ Teboho Edkins’ dreißigminütiger Film „Gangster Backstage“ in der Frankfurter Galerie Middendorff ist in einem der härtesten Viertel von Kapstadt entstanden. Alle, Männer und Frauen, die wir sehen, haben gemordet und Menschen auf der Straße sterben sehen. Doch sind sie schuldig? Haben sie eine Wahl? Eine Anklage fehlt.

          Um Moral oder gar Reue geht es hier nicht. Der harte Stoff wird zur Feier des Humanen, des Guten. Ein junger Mann, der von einer Messerstecherei Pflaster am Hals trägt, wippt ohne Unterbrechung leicht mit dem ganzen Körper, reißt seine Augen auf wie ein gejagtes Tier und sagt: „Ich denke jeden Tag an den Tod. Das Leben ist verständlich, aber den Tod verstehen wir nicht. Also habe ich Angst vor dem Tod und muss immer an ihn denken.“ Wie kam es zu diesem Geständnis von Edward?

          Die Frankfurter Ausstellung beginnt mit einer Zeitungsanzeige, die der Künstler in Kapstadt aufgegeben hat. Er sucht darin Darsteller für einen Gangster-Film, schauspielerisches Können sei keine Voraussetzung, heißt es, sondern Erfahrung im Kapstadter Bandenleben. Teboho Edkins selbst wurde 1980 in den Vereinigten Staaten geboren, wuchs aber in Lesotho in Südafrika auf. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater war Anti-Apartheid-Aktivist.

          Edkins hat freie Kunst in Kapstadt studiert, war länger in Frankreich und lebt nun in Berlin als Student an der Film-Akademie dffb. Doch seine Themen sucht er sich in seiner Heimat: HIV, Bandenleben und andere Alltagsabgründe. In dem Vorgängerfilm von „Gangster Backstage“ tritt Edkins selbst auf, als weißer Südafrikaner, der sich unbeholfen und ängstlich in die Welt der mit Pistolen fuchtelnden Männer begibt.

          Achtzig Bewerber melden sich schließlich auf die Anzeige für „Gangster Backstage“. In einem aufgeklebten Raumumriss auf dem Boden einer Bühne in einer kirchlichen Einrichtung - damit sie sich sicher fühlen konnten - spielen sie nun Szenen, die sie erlebt haben. Chaironesa klebt ihre Zelle, in der sie sechzehn Jahre lang ausharrte. Ein Mann, er heißt Lincon, legt sich auf den Boden, sagt: „Die Zeit steht still.“ Auch er zeigt seine Gefängniszeit, redet mit seinem Nachbarn, stellt fest, dass er keine Ahnung hat, wie viel Uhr es ist. Er ist dreiunddreißig Jahre alt, sein Gesicht ist von Schnittwunden gezeichnet.

          Ein anderer junger Mann ist frei und doch eingesperrt: „Als Gangster kannst du nicht einfach irgendwohin gehen. Es kann immer etwas passieren. Ein Auto kommt, jemand schießt.“ Teboho Edkins hat alle diese Männer und Frauen in eindrucksvollen Schwarzweiß-Porträts dokumentiert, die auch als eine Art Daseinsvergewisserung fungieren, weil diese Menschen meist nicht lang zu leben haben: Alle drei Männer aus dem Vorgängerfilm sind tot.

          „Gangster Backstage“ hat dieses Jahr den Hauptpreis der Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen gewonnen. Bei den Filmfestspielen in Locarno wurde seine Postproduktion „Faraway Friends“ mit dem Leoparden ausgezeichnet. Eine große Gelegenheit gibt nun die Galerie Middendorff, um das Werk von Teboho Edkins zu entdecken. Den Jungen vom Anfang treffen wir im Film wieder. In wenigen Sekunden zeigt er, dass der Weg nach draußen schwer wird. Sogar im Drogenrausch ruft er: „Da fliegt ein toter Vogel.“

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