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Auktionen in London : Der Van Gogh, der einmal Errol Flynn gehörte

  • -Aktualisiert am

Vincent van Goghs Gemälde von 1889 kommt bei Sotheby’s in London zum Aufruf, geschätzt auf 6 bis 8 Millionen Pfund. Bild: AFP

Sotheby’s freut sich zu Recht über ein rares Gemälde des Künstlers in seiner Auktion mit Impressionismus und Moderne Anfang Februar in London und zeigt dazu ein Foto des Malers. Doch damit stimmt etwas nicht.

          An dem blaugoldenen Gemälde, das am 5. Februar zu den Hauptlosen bei Sotheby’s in London zählt, gibt es keinen ernsthaften Zweifel: 1889 entdeckte Vincent van Gogh in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift „Le Monde Illustré“ eine Schwarzweißabbildung des im Pariser Salon gezeigten Gemäldes „Der Mann ist auf dem Meer“ von Virginie Demont-Breton. Das Motiv der französischen Genremalerin, einer Tochter des Realisten Jules Breton, entsprach seiner eigenen Idee vom Leben der einfachen Menschen, und so interpretierte er in der Nervenheilanstalt von Saint-Rémy-de-Provence - wie er es schon mit Drucken nach Millet, Delacroix und auch Rembrandt getan hatte - auch dieses, ihm nur in Schwarzweiß bekannte Bild, indem er es in Öl und in jenen Farben kopierte, die ihm dazu einfielen.

          Damals war das Bild, wie es der Maler selbst im Oktober 1889 in einem Brief an seinen Bruder beschreibt, offenbar deutlich violetter als blau. Das Phänomen dieser Farbveränderung stellten Wissenschaftler vor wenigen Monaten auch beim berühmten „Schlafzimmer in Arles“ fest: Viele von Van Goghs Bildern hatten bei der Entstehung deutlich andere Farbakzente als die, für die er heute so geschätzt wird. Demont-Bretons Vorbild, bis 1971 im Besitz des Walker Art Centers in Minneapolis, wurde im Oktober 2000 bei Christie’s in New York für 99 500 Dollar an einen Privatsammler verkauft.

          Der Herr auf dem Foto ist bestimmt nicht Vincent van Gogh, wie immer wieder fälschlich behauptet wird.

          Das Van-Gogh-Gemälde fand um 1943 über den Arzt des Malers, Paul Ferdinand Gachet, die Amsterdamer Filiale der Galerie Paul Cassirer und den New Yorker Handel in die Privatsammlung von Hollywood-Star Errol Flynn, der - schon hochgradig alkohol- und medikamentenabhängig und mit einem siebzehnjährigen Filmsternchen zusammenlebend - die abgebildete Fischersfrau einmal als „die einzige Frau, die es bei mir ausgehalten hat“, bezeichnet haben soll. Nach Flynn, der sich stolz mit dem Gemälde fotografieren ließ, besaß es der deutschstämmige „Campbell’s“-Suppenkönig John Thompson Dorrance jr., aus dessen Nachlass es die Erben im Oktober 1989 bei Sotheby’s in New York für 7,15 Millionen Dollar an den japanischen Investmentmanager und Besitzer der Galerie Aska International, Yasumichi Morishita -, damals einer der aktivsten Kunstkäufer weltweit - versteigern ließen. 1993 wechselte es zum bislang letzten Mal den Besitzer.

          Aus Privatbesitz kommt das 66 mal 51 Zentimeter große Bild nun nach langer Zeit wieder auf den Markt - mit einem Schätzpreis von sechs bis acht Millionen Pfund (9/12 Millionen Dollar). Van Goghs späte Gemälde sind gefragt, wurden aber, seit beim Elizabeth-Taylor-Sale vor zwei Jahren eine Ansicht der Nervenheilanstalt von Saint-Rémy-de-Provence 10,12 Millionen Pfund erzielte, zumindest auf Auktionen nicht mehr angeboten. Die Demont-Breton-Kopie bewirbt Sotheby’s nun entsprechend, unter anderem mit einer Ausstellung in Hongkong und mit einem Artikel im edlen Kundenmagazin. Dort allerdings ist dem Auktionshaus ein einigermaßen kurioser Fehler unterlaufen: Der Mann mit Fliege und Vollbart, der auf einem Foto, das den Text begleitet, zu sehen ist - ist sicher nicht Van Gogh.

          Es ist nur eine Legende

          Das abgebildete Foto tauchte Anfang der neunziger Jahre in einem Antiquitätengeschäft in Massachusetts in einem Fotoalbum auf und wurde 2004 in einer Ausstellung der Seton Gallery der University of New Haven als Porträt Vincent van Goghs präsentiert - und damit als angeblich sensationelle Entdeckung. Von ihm gab es fotografische Darstellungen nur als etwa dreizehnjähriger Schüler, um 1866, und als achtzehnjähriger Kunsthändler, um 1872, außerdem eine Aufnahme am Seineufer in Asnières von 1887, gemeinsam mit dem Malerfreund Émile Bernard; dort ist er aber leider nur von hinten zu sehen.

          In Paris soll auch das nun von Sotheby’s nobilitierte Foto entstanden sein, so jedenfalls will es die Legende. Der Fotograf Victor Morin, dessen Name und Adresse auf der unbeschnittenen Fotokarte stehen, soll dort im Frühjahr 1886 Geistliche fotografiert haben. Tatsächlich weist „42 Rue François, St. Hyacinthe“ aber nicht auf Frankreich, sondern auf Kanada hin; nur dort, in der Provinz Québec, existiert ein Ort dieses Namens. Und dort in der Rue François arbeitete laut Adressbuch bei Morin & Messier auch Victor Morin - der kaum eigens nach Paris gereist sein wird, um dort Geistliche zu fotografieren.

          Der Mann auf dem Foto ist zu alt

          Ein Geistlicher war Van Gogh nicht, und die Physiognomie des Dargestellten, der eine für die damalige Zeit häufige Frisur und Kleidung trägt, stimmt auch nicht mit einer Zeichnung im Ashmolean Museum in Oxford überein, die Lucien Pissarro von ihm 1888 machte. Und: Van Gogh war im Frühjahr 1886 gerade 33 Jahre alt - deutlich jünger als der Mann auf dem Sotheby’s-Foto. Das aber wird seit seiner Entdeckung fleißig als Porträt Vincent van Goghs vermarktet, obwohl es das Van- Gogh-Museum in Amsterdam nicht als solches anerkennt. Inzwischen kursiert sogar eine nachkolorierte Version mit rötlichen Haaren und Bart.

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