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Atelierhaus „basis“ : Nach der Apokalypse

Was bleibt am Ende aller Zeiten? Die Ausstellung „There will come soft rains“ im Atelierhaus „basis“ lädt ein zu einer Reise in die Zukunft.

          Und dann gehen die Lichter aus. Stockdunkel ist es, und die weiten Ozeane, von denen eben noch die Rede war in der Installation Andreas Greiners und Tyler Friedmans, sie leuchten, von wummernden Bässen begleitet, in die Nacht. So also sieht die Welt aus, haben wir die Apokalypse erst mal hinter uns. Denn darum geht es in der – nach einer Gedichtzeile Sara Teasdales – „There will come soft rains“ überschriebenen Ausstellung im Frankfurter Atelierhaus „basis“: um das, was bleibt am Ende aller Zeiten. Nach Klimawandel, Krieg und Umweltkatastrophen, wie sie im begleitenden Filmprogramm die Arbeiten von Superflex, Hicham Berrada oder Uriel Orlow imaginieren.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dafür haben Stefan Vicedom und Bernard Vienat sechs internationale Künstler gleichsam zu einer Reise in die Zukunft eingeladen. Und sieht man einmal vom Menschen ab, kommt die Schöpfung offensichtlich auch ganz gut ohne ihre Krone aus. Stattdessen erobert die Natur sich den verwüsteten Planeten nach und nach zurück. So weit, so vorhersehbar. Und das ist das Problem. Nicht der einzelnen, teils außerordentlich aufwendigen Arbeiten, aber dieser ambitionierten Ausstellung.

          Kurzer Perspektivwechsel

          Ob die leuchtenden Meere von Greiner/Friedman oder die kaleidoskopartig durchs Bild rauschenden Flüsse in Carolina Caycedos Videoinstallation „Esto no es agua“, ob Pinar Yoldas’ hybride, im Aquarium modellhaft sich den Plastikmüll der Ozeane einverleibende Lebensformen oder Julian Charrières auf dem Bikini-Atoll entstandenes Video „Iroojrilik“: Im Grunde kommt die Kunst über den dystopischen, schon im sehenswerten Filmprogramm entworfenen Horizont kaum einmal hinaus. Und so sieht sich die Welt in den formal höchst unterschiedlichen, Installation und Film und Sound gewordenen Phantasien der eingeladenen Künstler seltsam ähnlich. Dabei reicht es, wechselt die Kunst wie für Marcela Armas’ „Tsinamekuta“ oder Jeronimo Voss mit „Kassandras Höhle“ kurzerhand die Perspektive und blickt gleichsam zurück nach vorn.

          Und siehe da, sofort stellt sich das Szenario anders dar, erscheint schillernd, widersprüchlich und komplex, und die Erzählung verliert sich nicht in postapokalyptischer Naturbeschreibung, sondern fokussiert, wie alle Science-Fiction, zunächst auf unsere Gegenwart. Der Mensch ist wieder mit im Spiel. Nichts ist zu sehen auf Voss’ hologrammartigen Fotografien als die Bücherregale von Freunden und Bekannten des Frankfurter Künstlers, darauf die stummen Zeugen einer Zeit, in der man noch an eine andere, bessere Zukunft glaubte: Bücher zum Feminismus etwa und zur kritischen Theorie – hier also, im eigenen Wohnzimmer, stauben die Utopien ganzer Generationen ein. Und dann gehen ein für alle Mal die Lichter aus. „Nicht einen stört es“, heißt es in „There will come soft rains“, „weder Vogel noch Baum / wenn die Menschheit auf ewig verließe den Raum.“ Niemand könnte je davon erzählen als die Kunst.

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