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: Apoll unter Palmen

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WEST PALM BEACH, 4. FebruarGegen die Gepflogenheit kommt auch ein Hurrikan, wie er unlängst gleich zweimal über den Landstrich fegte, nicht an: Für die Saison zwischen Januar und März flüchtet der amerikanische Geldadel vor dem ...

          WEST PALM BEACH, 4. Februar

          Gegen die Gepflogenheit kommt auch ein Hurrikan, wie er unlängst gleich zweimal über den Landstrich fegte, nicht an: Für die Saison zwischen Januar und März flüchtet der amerikanische Geldadel vor dem strengen New Yorker Winter in seine Paläste und Haziendas nach Palm Beach, dem Nobelsandkasten Amerikas an der Westküste Floridas. Fünfundzwanzig Prozent des amerikanischen Vermögens, rechnete "Vanity Fair" vor, sitzen zur high season hier. Die Klientel gilt es zu unterhalten; was nicht eben leicht ist, denn Geld spielt keine Rolle. Als vor zwei Wochen die Hiltons, Clintons und Giulianis sich am Ocean Boulevard einfanden, um der Prunkhochzeit von Donald Trump beizuwohnen, sorgte das weltweit für Aufsehen; in Palm Beach quittierte man den Auflauf mit Schulterzucken - man kennt es nicht anders. Seit den Gründungstagen Anfang des 20. Jahrhunderts, als der Eisenbahnmagnat Henry Flagler die Gegend für die Vanderbilts, Rockefellers und Carnegies salonfähig machte, ist der Palmenhain eine Phantasiewelt, ein Paralleluniversum des Überflusses. Man muß das wissen, will man die gestern eröffnete Kunst- und Antiquitätenmesse "Palm Beach!" verstehen.

          Zwar existiert die Messe seit neun Jahren, doch erst im letzten Jahr hat sie unter ihrem neuen Vice President, dem Schweizer Lorenzo Rudolf, ihren regionalen Anstrich abgelegt. Noch immer freilich gilt es hier allerlei Mobiliar zu erstehen, um die Villen in ihrem wildem spanisch-venezianischen Stilmix zu füllen. Doch Rudolf, der sich seine Meriten bei der Art Basel und der Art Basel Miami Beach erwarb, holte eine neue, internationale Händlerschar nach Florida, zudem Sammler aus ganz Amerika. Das Credo des Schweizers ist Qualität - die Aussteller vom Vorjahr wurden noch einmal um vierzig Prozent ausgesiebt; sein Ziel ist es, "Palm Beach!" auf das Niveau der European Fine Art Fair (Tefaf) in Maastricht zu stemmen. "Es ist im Moment spannend, die Messe hat Potential", sagt der niederländische Asiatika-Händler Clemens Vanderven, Mitbegründer der Tefaf, der, enttäuscht von der "Armory Show" in New York, nun erstmals in Palm Beach dabei ist. Mit ihm stehen bis zum 13. Februar im klimatisierten Convention Center von West Palm Beach hundert Aussteller in bisweilen sehr extravagant gestalteten Kojen und präsentieren ihre Schätze aus mehr als zwei Jahrtausenden. Von der Antike bis zur Klassischen Moderne spannt die Kunst den Bogen, daneben gibt es Antiquitäten vom 15. bis zum 20. Jahrhundert, Design und Schmuck.

          Beginnt man den Gang durch die Jahrhunderte chronologisch, dann läßt man die unbezahlbaren Diamanten von Graff aus London links liegen und steuert die Ariadne Galleries an mit ihrer Sammlung von 250 Gold- und Silberobjekten des 10. Jahrhunderts vor Christus bis zum 6. Jahrhundert. Herrlich ist hier ein anatolisches Marmorrelief aus dem 3. Jahrhundert, das Paris vor der Qual der Wahl zeigt, welche denn die schönste Frau sei (350 000 Dollar). Sein Kleinod zeigt uns der New Yorker Galerist im Innersten der Koje, wo sich hinter einer Stahlgittertür eine kleine Schatzkammer befindet: Hinter Glas aufbewahrt glänzt dort ein kleiner Weinkelch, der einem Gold- und Silberschmied aus dem 4. Jahrhundert vor Christus Meisterliches abverlangte (1,75 Millionen Dollar). Royal-Athena, ebenfalls New York, läßt für 185 000 Dollar einen putzigen Bronze-Eros des 1. bis 2. Jahrhunderts auf einem Delphin reiten; eine römische Wandbemalung zeigt den Götterboten noch einmal, in zarter, fliegender Gestalt (67 500 Dollar).

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