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Antiquariatsmessen : Das erste digitale Buch ist schon sehr alt

  • -Aktualisiert am

Garantiert analog? In dieser Woche beginnen die Antiquariatsmessen in Stuttgart und Ludwigsburg. Sie sind der Höhepunkt des Jahres für Sammler wertvoller Bücher. Wir haben uns die wichtigsten Werke angeschaut.

          Aufregung erlebt die „Antiquaria“ in Ludwigsburg, die vom 23. bis zum 25. Januar stattfinden wird, schon vor ihrem Start. Der lange verschollen geglaubte Nachlass des Theatermanns August Wilhelm Iffland, Zeitgenosse von Schiller und Goethe, sollte auf der Antiquariatsmesse für 450 000 Euro zum Verkauf angeboten werden. Aufgrund von Unklarheiten um die Provenienz liegen die 34 Bände nun beim Anwalt. Ursprünglich war das gesamte Korrespondenzarchiv inklusive anderer Manuskripte und Papiere im Angebot des Wiener Antiquariats Inlibris aufgeführt. Das Antiquariat hatte die Sammlung dem neunzigjährigen Berliner Theaterwissenschaftler Hugo Fetting abgekauft. Ob Fetting der rechtmäßige Besitzer des Iffland-Nachlasses war oder ob dieser vielmehr der Berliner Akademie der Künste zusteht, ist noch nicht abschließend geklärt (F.A.Z. vom 7. Januar). Bis es so weit ist, wird es nicht zu einem Verkauf der insgesamt rund sechstausend Blätter kommen.

          Auch ohne dieses Spitzenstück lohnt sich ein Blick in die Kataloge. Wie schon in den vergangenen Jahren findet in wenigen Kilometern Entfernung fast zeitgleich mit Ludwigsburg die Stuttgarter „Antiquariatsmesse“ statt· vom 24. bis zum 26. Januar. Das überhaupt teuerste Buch auf beiden Messen kostet knapp unter einer Million Euro und wird in Stuttgart angeboten: 980 000 Euro sind für den Erwerb einer 1561 gedruckten, illustrierten Luther-Bibel aufzubringen. Wenig überraschend ist sie bei dem Preziosenhändler Heribert Tenschert aus dem schweizerischen Ramsen zu bestaunen. Die Bibel ist das einzige bekannte Pergamentexemplar, das je im Handel war, und enthält mehr als 170 Holzschnitte von Georg Lemberger und Hans Brosamer.

          Wer glaubt, Computerprogrammierung habe auf Antiquariatsmessen nichts zu suchen, der täuscht sich. Das in Stuttgart angebotene „Livres de Prières“ hat ein Jacquard-Webstuhl aus schwarzer Seide Ende des 19. Jahrhunderts gewoben. Der nach seinem Erfinder benannte mechanische Webstuhl wird mit Hilfe durchlöcherter Karten aus Pappkarton gesteuert. Dieses Lochkartensystem ist ein Vorläufer der Computerprogrammierung. Das Dokument des beginnenden Industriezeitalters, angepriesen als „erstes digitales Buch“, kündigt Hellmut Schumann aus Zürich an (32 500 Euro).

          Ebenfalls ein besonderes, aber natürlich analoges Verfahren hat Max Beckmann für seine Folge „Gesichter“ von 1914 bis 1918 gewählt: Betrachtet und erworben werden können die neunzehn Kaltnadelradierungen bei Schmidt & Günther aus Kelkheim (85 000 Euro). Ein weitaus älteres Werk bietet Peter Kiefer aus Pforzheim an: ein Exemplar von Schedels berühmtem „Buch der Chroniken und Geschichten“, 1493 gedruckt und mit mehr als 1800 Holzschnitten versehen, darunter zwei doppelblattgroße Karten (120 000 Euro).

          Für Wagnerianer, oder vielleicht auch gerade für ihre Gegner, bietet der Tresor am Römer aus Frankfurt ein besonderes Dokument Wagnerscher Demut. Es handelt sich dabei um ein lithographisches Porträt des großen Komponisten, das er nach einer privaten Vorstellung dem Taschenspieler Rudolph Meunier zum Dank überreichte. Darauf findet sich eine handschriftliche Widmung Wagners: „Herr Rudolph Meunier kann mehr wie ich, Bayreuth, 26 Dezember 1880“ (4800 Euro).

          Auf der „Antiquaria“ in Ludwigsburg kommen alle auf ihre Kosten, die zum feinen Wein die gute Küche schätzen. Das einzig bekannte Exemplar des Erstdrucks von Georg Mayr von Augsburgs „Ain kunstreich un[d] bewert Kochbuch“ aus dem Jahr 1577 kündigen nun Inlibris aus Wien und Kotte aus Roßhaupten für ihren Gemeinschaftsstand an (28 000 Euro). Dass es Grund genug gibt, sich heute noch an den vierten Earl of Sandwich zu erinnern - nämlich dass er zwei Weißbrotscheiben mit dazwischen befindlichem Belag ihren Namen gegeben hat -, lehrt ein Blick auf die Auswahl der Librairie Le Cadratin aus Mulhouse. Sie bietet eine Ausgabe seines Reiseberichts aus dem Jahr 1799 über seine Exkursionen rund um das Mittelmeer, „A voyage performed by the late Earl of Sanwich round the Meditarranean in the years 1738 and 1739“ (1000 Euro). Stuttgart und Ludwigsburg - die zwei Städte sind jedenfalls in der nächsten Woche die wichtigsten Exkursionsziele für Büchersammler.

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