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Anti-islamischer Mohammed-Film : Die Spur führt zu koptischen Nationalisten

Polizisten vor dem Haus von Nakoula Basseley Nakoula, einem der koptischen Christen, die für den anti-islamischen Mohammed-Film verantwortlich sein sollen Bild: REUTERS

Morris Sadeq hat nach Erkenntnissen der ägyptischen Staatsanwaltschaft für die Verbreitung des Mohammed-Films gesorgt. Er ist ein koptischer Christ, der in Ägypten einen eigenen Staat errichten will. Der Film soll dazu dienen, das Land zu spalten.

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          Die Spuren der Produzenten des Films „Die Unschuld der Muslime“ führen zu koptischen Christen in Kalifornien. Sie haben das Machwerk produziert und für dessen Verbreitung auch in der arabischen Welt gesorgt. Die Polizei von Los Angeles hat den aus Ägypten stammenden und wegen Bankbetrugs vorbestraften koptischen Christen Nakoula Basseley Nakoula in den vergangenen Tagen vernommen. Er und sein Sohn sollen den Film gedreht haben. Eine zweite Spur führt zu dem Kreis um Morris Sadeq, den Vorsitzenden der „Nationalen koptisch-amerikanischen Vereinigung“. Er und neun weitere Mitglieder seiner Vereinigung haben nach Erkenntnissen der ägyptischen Generalstaatsanwaltschaft den Film mit arabischen Untertiteln versehen und für seine Verbreitung in der arabischen Welt gesorgt. Aus diesem Grund hat die Generalstaatsanwaltschaft die zehn auf die Fahndungsliste gesetzt. Sie würden verhaftet werden, wenn sie nach Ägypten einreisten.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die zehn Namen finden sich auch am Ende der Website der „Nationalen koptisch-amerikanischen Vereinigung“. Dort wird der „koptischen Staat“ vorgestellt, den sie errichten wollen. Als Präsident vorgesehen ist ein Dr. Ismet Zaqlama, als sein Stellvertreter der Anwalt Morris Sadeq. Als Generalsekretär wird der Ingenieur Nabil Basada genannt, als Sprecher des koptischen Parlaments Jak Atallah. Ein Schattenkabinett - mit Ressorts etwa für Äußeres, Jugend und Wirtschaft - steht der Staatsspitze zur Seite.

          Neben den Gründungsmitgliedern des koptischen Staats enthält die Website alle wichtigen Attribute eines selbständigen Staats. Die rot-weiß-schwarze Flagge ihres Staats ersetzt in der bestehenden Nationalflagge Ägyptens lediglich den Adler durch das Markuskreuz. Auf einem Audioclip ist die Hymne ihres imaginären Staats zu hören. Eine Landkarte verrät, wie sich die Staatsgründer die Grenzen ihres Gebildes vorstellen: Den Muslimen bliebe das Nildelta, Alexandria soll aber die Hauptstadt des neuen koptischen Staats werden, der im Süden bis Luxor reicht. Das Land südlich davon soll Sudan zugeschlagen werden, das östliche Niltal Israel. Den Sinai wollen die koptischen Nationalisten für einen Staat der ägyptischen Juden reservieren. Ziel des Koptenstaats sei, die Christen Ägyptens „von der arabisch-islamischen Besatzung zu befreien“. Überhaupt fordert Morris Sadeq, die Araber sollten sich dorthin zurückziehen, woher sie einst gekommen seien: in das Gebiet des heutigen Saudi-Arabiens. Damit sollen die ägyptischen Kopten wieder allein über einen großen Teil des Gebiets herrschen, das bis zur Eroberung durch die arabischen Muslime ihr alleiniges Herrschaftsgebiet gewesen war.

          „Der universale Film über das Leben Mohammeds“

          Um die Spaltung Ägyptens zu beschleunigen, die die Initiatoren ausdrücklich fordern, haben sie den Film „Die Unschuld der Muslime“ verbreitet. Auf ihrer Website bewerben sie ihn groß mit Fotos aus dem Film und mit den Links zu den Trailern auf Youtube. Der „universale Film“ über das Leben Mohammeds decke die Wahrheit über den „Propheten des Islams“ auf, schreibt Sadeq. Die „im Exil lebenden Kopten“ priesen den Film, heißt es hervorgehoben in roter Farbe.

          So abstrus die Ideen dieses Kreises koptischer Extremisten sind, so wenig überraschend sind die Namen, mit denen sich Morris Sadeq auf der Website schmückt. Gemeinsam mit dem amerikanischen Pastor Terry Jones, der die Verbrennung des Korans zelebriert, hatte er für den 11. September zu einem „Internationalen Gerichtstag über Mohammed“ nach Gainesville in Florida eingeladen, an den Wirkungsort von Jones. Dort werde geprüft, ob Mohammed ein Täuscher und Kinderschänder gewesen sei, ob er Gewalt gebracht habe und die Herrschaft der Muslime. Werde Mohammed für schuldig befunden, werde er hingerichtet, kündigte Morris an. Fotos zeigen ihn zwar Hände schüttelnd mit Jones. Über den Ausgang des Verfahrens gibt die Website aber keine Auskunft.

          Bekannt geworden war Morris Sadeq mit seinen extremistischen Ansichten bereits in den letzten Jahren der Ära Mubarak. Nahezu alle Christen in Ägypten distanzieren sich von seinen Vorschlägen. In einigen Kreisen der koptischen Diaspora fallen sie aber auf fruchtbaren Boden. In Ägypten nehmen ihn hingegen nur wenige Kopten ernst, sie halten ihn vielmehr für verrückt. Durch den Ausbruch von Gewalt in seinem Heimatland dürfte er sich bestätigt fühlen.

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