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F.A.Z.-Sprinter : Wie geht es weiter in Halle?

Unsere Sprinter-Autorin: Rebecca Boucsein Bild: Robert Wenkemann

Die Zahl der antisemitischen Straftaten steigt. Warum aber hatte die Synagoge in Halle keinen Polizeischutz? In Syrien geht Erdogans Militäroperation „Friedensquelle“ weiter. Was sonst wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

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          warum konnte ein Mann schwer bewaffnet am helllichten Tag ungehindert eine Synagoge angreifen? Diese Frage wird auch heute die Behörden und die Politik weiter beschäftigen. „Wir sind sprachlos. Der Antisemitismus zeigt wieder seine Fratze. Es wird immer schlimmer." Dieser Satz stammt von Karl Sommer, dem Vorsitzenden der reformjüdischen Synagogengemeinde, der zweiten jüdischen Gemeinde, die es in Halle gibt. Er drückt aus, was Zahlen längst belegen: Die Zahl der antisemitischen Straftaten in Deutschland steigt. Im vergangenen Jahr gab es laut der Statistik politisch motivierter Kriminalität 1799 judenfeindliche Straftaten – ein Plus von fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Mai sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), diese Entwicklung müsse man „verdammt ernst" nehmen.

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          Rebecca Boucsein

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Was aber folgt daraus? Wieso mussten Dutzende gläubige Juden an ihrem höchsten Feiertag, dem Tag der Vergebung „Jom Kippur“, live über eine Außenkamera verfolgen, wie der Täter Stephan B. versuchte, mit Gewalt in das Gotteshaus einzudringen? Der Anschlag, bei dem zwei unbeteiligte Menschen ihr Leben ließen, wurde jedenfalls offenbar nicht durch wirkungsvolle Sicherheitsmaßnahmen – es gab keinen Polizeischutz –, sondern vor allem durch die massiven Holztüren der Synagoge und die dilettantisch zusammengebauten Waffen des Täters verhindert, der seine Tat zudem mit einer Helmkamera gefilmt haben soll. Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, bezeichnet den fehlenden Polizeischutz als „skandalös“. Und nicht nur das: Zur traurigen Wahrheit gehört nach Ansicht unseres verantwortlichen Redakteurs für die Innenpolitik, Jasper von Altenbockum, dass sich antisemitische Gefährder in Deutschland aus ihren Verstecken wagen, weil sie sich frei im Bodensatz der Gesellschaft bewegen können, der nicht nur in Sachsen-Anhalt politisch Morgenluft wittert. Wie die Menschen in Halle den Tag des Anschlags erlebt haben, haben meine Kollegen Mona Jaeger und Reinhard Bingener für Sie vor Ort recherchiert. Über die laufenden Ermittlungen halten wir Sie bei FAZ.NET auf dem Laufenden.

          Außenpolitisch richtet sich der Blick heute auf Syrien. Im Norden des Landes geht die dritte Operation des türkischen Präsidenten Erdogan, genannt „Friedensquelle“, weiter. Die Drohung des amerikanischen Präsidenten Trump, die türkische Wirtschaft vollständig zu zerstören, hat Erdogan nicht beeindruckt – gestern marschierten seine Truppen über die Grenze. Nach Abzug der amerikanischen Truppen ist Erdogans Ziel, die Milizen der syrisch-kurdischen Volksbefreiungseinheiten YPG, die jetzt noch große Teile der Grenzregion kontrollieren, aus Nordsyrien zu vertreiben. Zudem will er dort bis zu zwei Millionen syrische Flüchtlinge ansiedeln, die sich jetzt noch in der Türkei aufhalten. Die Kurden richten eindringliche Appelle an die internationale Gemeinschaft, es drohe eine humanitäre Katastrophe. Die Bundesregierung verurteilte die Offensive aufs Schärfste. Kanzlerin Merkel will sich am Sonntag mit dem französischen Präsidenten Macron treffen, um einen gemeinsamen  Kurs abzustimmen.

          Und sonst? Gibt die Schwedische Akademie bekannt, wer die Literaturnobelpreise für die Jahre 2018 und 2019 erhält. Damit kürt die Institution in Stockholm nicht nur wie üblich den diesjährigen Preisträger, sondern holt gleichzeitig auch die Vergabe des Vorjahres nach. Diese war wegen eines Skandals bei der Akademie um das mittlerweile ausgetretene Mitglied Katarina Frostenson und deren Ehemann Jean-Claude Arnault ausgefallen. Muss sich die Französin Sylvie Goulard im Rennen um den Posten des EU-Binnenmarktkommissars einer zweiten öffentlichen Anhörung im EU-Parlament stellen. Bedenken gegen sie gibt es unter anderem wegen Ermittlungen der EU-Anti-Betrugsbehörde OLAF und französischer Behörden.

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