https://www.faz.net/-gpc-a3zxd

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

Scherbaums Börse : America first? Nicht bei Aktien

  • -Aktualisiert am

Joe Biden, Präsidentschaftskandidat der Demokraten Bild: EPA

In der heißen Phase des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs dürfte die Volatilität an den Märkten stark zunehmen. Anleger sollten ihr Depot prüfen und gegebenenfalls umschichten.

          4 Min.

          Die alte Börsenweisheit „politische Börsen haben kurze Beine“ wird immer gerne von Marktexperten genommen, wenn sie versuchen, Kursverluste an den Börsen aufgrund von politischen Ereignissen zu relativieren. Die Argumentation ist, dass die Politik die Börsenkurse nur kurzfristig beeinflusst, dagegen „harte Fakten“ wie Quartalsergebnisse und Konjunkturdaten nachhaltiger wirken.

          Nun kann man die erste (chaotische) Fernsehdebatte zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden nicht unbedingt als geopolitischen Unruheherd einstufen – aber ein bisschen schon. Denn die erste von drei geplanten Debatten vor der Präsidentschaftswahl am 3. November könnte Anlegern durchaus Sorge machen. Sie legt nahe, dass Amerika sehr bewegte Wochen vor sich hat. Dass sich die Börsen in dieser Zeit entspannt zeigen, scheint nicht realistisch. Zur Beruhigung der Nerven dürfte auch nicht beitragen, dass sich Trump mit dem Coronavirus infiziert hat, auch wenn zumindest der deutsche Leitindex Dax am Freitagvormittag nur mit minimalen Kursverlusten reagierte.

          Positiv für Anleger ist, dass sowohl Trump als auch Biden an dem aktuellen expansiven finanzpolitischen Kurs wenig bis nichts ändern wollen. Der Grund ist einfach gefunden: Es geht darum, die Folgen der Corona-Pandemie in Zaum zu halten. Außerdem dürfte es nach der Wahl zu erheblichen Investitionen in die amerikanische Infrastruktur kommen. Hier verfolgen beide Präsidentschaftskandidaten ähnliche Pläne. Donald Trump will 1,5 Billionen Dollar in klassische Infrastruktur stecken, Joe Biden will dagegen zwei Billionen Dollar unter anderem auch in regenerative Energie und andere Zukunftstechnologien investieren. Die Vermögensverwaltung Western Asset Management geht davon aus, dass Unternehmen aus den Bereichen Grundstoffe und Baugewerbe in jedem Falle profitieren werden. Der klassische Energiesektor könnte leiden, falls Biden die Wahl gewinnt, wohingegen Anbieter regenerativer Energie profitieren dürften, so die Vermögensverwaltung weiter.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Christoph Scherbaum

          Spannender wird es auch für Anleger werden, wie es in der Außenpolitik nach der Wahl weitergeht – vor allem in Bezug auf die Beziehungen Amerikas zu China und Europa. Ein künftiger Präsident Biden wird vermutlich stärker als Trump auf internationale Kooperation setzen. Ob dies im Falle von China auch substantielle Verbesserungen der Beziehungen bringt, bleibe aber offen, so die Experten von Western Asset Management.

          Weltwirtschaft immer noch labil

          Christopher Smart, Marktexperte beim Barings Investment Institute, ist in Bezug auf das amerikanisch-chinesische Verhältnis ebenfalls zurückhaltend: „Die rasche Erholung Chinas nach der Pandemie sieht verlockend aus, aber die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten werden sich wahrscheinlich verschlechtern, unabhängig davon, wer die Präsidentschaftswahl gewinnt. Die Kandidaten Donald Trump und Joe Biden, die sich in fast nichts einig sind, fordern beide härtere Maßnahmen gegen ein Land, von dem sie glauben, dass es sich während seines globalen Aufstiegs schlecht verhalten hat.“ Marktbeobachter Smart relativiert seine Aussage jedoch ein bisschen. Es könnte sich im nächsten Jahr ein kurzes Fenster für Fortschritte in den Handelsbeziehungen öffnen, weil sich die politischen Interessen vorübergehend angleichen würden.

          Da die Weltwirtschaft noch immer in den Seilen hänge, hätten Trump, Biden und Xi einen Anreiz, die Unsicherheit in Bezug auf den Handel zu verringern und die Gelegenheit für ein neues Abkommen zu schaffen, in dem China seine Subventionen kürzt und Amerika dem Land dafür Zollerleichterungen gewährt. „Grundsätzlich gehen die Beziehungen zwischen den beiden Ländern aber nach wie vor härteren Zeiten entgegen, da auf beiden Seiten Konsens darüber herrscht, dass das jeweils andere Land unversöhnlich feindselig ist.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bedankt sich für die Unterstützung in den vergangenen Tagen: der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder am Dienstag in München

          Nach Rückzug in der K-Frage : Als Verlierer wird Söder in der CSU nicht gesehen

          Markus Söder zieht seine Bewerbung um die Kanzlerkandidatur der Union zurück – und zählt dabei auf, wie viele in der CDU sich für ihn ausgesprochen haben. Für CSU-Generalsekretär Blume ist er gar „erkennbar der Kandidat der Herzen“.
          Hubertus Heil

          Corona-Krise : Heil will neue Testpflicht für Betriebe schon verschärfen

          Gerade erst ist die neue Corona-Arbeitsschutzverordnung in Kraft getreten, da kündigt die SPD eine Verschärfung der umstrittenen Testangebotspflicht an. Sie wettert dabei gegen „Profitimaximierung“ in der Wirtschaft.
          Die Kuppel des Reichstagsgebäudes am 26. Juli 2008.

          F.A.Z. Einspruch : Das Parlament als Polizeibehörde

          Angeblich verfrachtet die „Notbremse“ nur in Bundesrecht, was auf Landesebene so oder ähnlich oft ohnehin schon galt. Doch dieser Formwechsel ist für den Einzelnen und auch für die Demokratie bedrohlicher, als es zunächst scheinen mag. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.