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Amazon : Adieu, Deutschland! Vorsicht, Hollywood!

  • Aktualisiert am

Gestapeltes aller Art im Amazon-Lager Graben bei Augsburg Bild: REUTERS

Betriebsverlagerung, Kampfansage an Disney, Agitation der Leser gegen die Verlage: Amazon lässt keine Gelegenheit zum gnadenlosen Preiskrieg gegen seine Wettbewerber aus.

          Drei Nachrichten von gestern: Amazon ruft alle Leser in der Welt zu Protestschreiben an die amerikanische Verlagsgruppe Hachette auf. Amazon streicht in den Vereinigten Staaten Filme des Kinokonzerns Disney aus seinem DVD-Angebot. Und Amazon will vierzig Prozent seines Versands deutschsprachiger Bücher künftig über Auslieferungslager in Polen und der Tschechischen Republik abwickeln. Drei Nachrichten, aber eine Botschaft: Amazon lässt nicht nach in seinem mit allen Mitteln betriebenen Bemühen um Preisvorteile in einem ohnehin schon von dem Internetunternehmen dominierten Markt.

          Zur letzten Nachricht zuerst: Die Verlagerung großer Teile des Buchversands aus den bestehenden deutschen Auslieferungslagern in neu zu errichtende Vertriebszentren in unmittelbarer Nähe der Grenzen ist vor allem eine Reaktion auf die andauernden Proteste der deutschen Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gegen die Arbeitsbedingungen bei Amazon. Im in Bad Hersfeld angesiedelten größten hiesigen Vertriebszentrum sowie am Standort Leipzig reißen seit mehr als einem Jahr Streiks der Belegschaft nicht mehr ab, mit denen die Erhöhung der Löhne auf die Tarifuntergrenzen erzwungen werden soll. Nicht nur die Warenauslieferung ist dadurch behindert worden, auch die Reputation von Amazon hat durch die entsprechende Berichterstattung Schaden genommen.

          Vertriebsumstellungen auf Kosten der Verlage

          Doch es steckt mehr hinter dieser Verlagerung. Der Tageszeitung „Die Welt“ ist ein Schreiben zugespielt worden, in dem Amazon deutsche Verlage dazu auffordert, einen Teil der an den Internetkonzern zu liefernden Bücher künftig direkt an dessen neue ausländische Vertriebszentren zu schicken. Den entstehenden Mehraufwand sollen die Verlage tragen. Amazon dagegen wird von den im Ausland günstigeren Kosten profitieren und somit auf dem mittels Buchpreisbindung extrem regulierten deutschen Markt eine Ertragssteigerung erzielen. Da der Buchversand an Amazon-Kunden ohnehin kostenfrei erfolgt, wird das Unternehmen die Ersparnis ganz einstreichen, während sich die Ertragslage der Verlage verschlechtert.

          Damit wird der Druck hin zur digitalen Verbreitung von Büchern, den Amazon auf seine Lieferanten ausübt, weiter verstärkt. Denn bei E-Books fallen keine Versandkosten an, doch auf diesem Feld ist Amazons Dominanz auch auf dem deutschen Markt am größten. Der Kampf mit Hachette in den Vereinigten Staaten und die gleichfalls noch ungelöste Auseinandersetzung mit dem Bonnier-Konzern in Deutschland haben ihre Ursachen ja jeweils im Streit um von Amazon geforderte höhere Rabatte auf E-Books der diesen beiden Gruppen zugehörigen Verlage. Sanktioniert aber werden von Amazon bislang wohlweislich nur deren gedruckte Bücher: durch eingeschränkte Nachbestellung und somit Verzögerung der Auslieferung an die Amazon-Kunden oder im Falle des Streits mit Hachette auch durch völlige Streichung des Bestellangebots. Nur die E-Books, um die es doch eigentlich geht, bleiben erhältlich, um die eigene Marktmacht weiter auszubauen.

          Mit den Waffen des Gegners

          Ähnlich verhält es sich auch beim frisch ausgebrochenen Streit mit Disney. Vorbestellungen für DVDs mit neueren Erfolgsfilmen des Medienkonzerns wie etwa „Maleficent“ oder „Muppets: Most Wanted“ sind bei Amazon in Amerika derzeit nicht möglich, während Downloads dieser Filme weiter angeboten werden. Es geht hier wieder um die Höhe von Rabatten, die in den Vereinigten Staaten bei Vorbestellungen traditionell höher ausfallen als nach Erscheinen, weil bereits vorab georderte Exemplare den Herstellern größere Planungssicherheit verschaffen. Amazons Marktführerschaft ist dank seines hervorragenden Bestellprogramms auf diesem Sektor noch größer als sonst. Mit Disney hat man sich allerdings auch einen mächtigen Gegner ausgesucht; der Konzern erzielte 2013 45 Milliarden Dollar Umsatz, Amazon allerdings fast 75 Milliarden.

          Auch bei Hachette handelt es sich nicht um einen Kleinverlag, sondern um ein Riesenunternehmen mit mehr als zehn Milliarden Dollar weltweitem Jahresumsatz. Diese Marktmacht seines Kontrahenten betont Amazon in einer gestern veröffentlichten Botschaft, die sich schlicht an die „lieben Leser“ wendet: Man möge, um etwas gegen hohe E-Book-Preise zu tun, beim Vorstandvorsitzenden der reichen Hachette-Gruppe protestieren; dessen E-Mail-Adresse ist dem Text gleich beigefügt. Es handelt sich um die längste öffentliche Stellungnahme Amazons in diesem Streit, und sie ist bis hin zur daraus kopierten Mobilmachung der Leser eine Antwort auf einen vorgestern per Anzeige in der „New York Times“ publizierten Appell von 909 Autoren, der dazu aufrief, persönlich beim Amazon-Chef Jeff Bezos gegen die Erpressung von Hachette zu protestieren. Die Waffen des Gegners stiehlt Amazon mit Lust.

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