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Alte Kunst und Kunstgewerbe : Beherzter Zugriff erlaubt

  • -Aktualisiert am

Fra Filippo Lippis „Madonna mit Kind“, Tempera auf Holz, partiell vergoldet, 81 mal 62 Zentimeter groß, erreicht nur einen Zuschlag bei 340.000 Euro, die Taxe lag bei 400.000 bis 500.000 Euro. Bild: Lempertz

Ein einziger Name dominiert die Herbstauktionen bei Lempertz mit Alter Kunst und Kunstgewerbe: Gustav Rau. Teile der Kunstsammlung des Philantropen versteigert Unicef in Köln.

          Am 16. November versteigert Lempertz in Köln den zweiten Teil des Konvoluts mit Werken aus der Sammlung des Stuttgarter Mediziners Gustav Rau - und wie bereits im Frühjahr stammen die bedeutendsten Lose der Auktion aus dem Besitz des 2002 verstorbenen Kunstsammlers. Der Star bei den Alten Meistern kommt aus Italien und war vierzig Jahre lang im Besitz des engagierten Entwicklungshelfers: Fra Filippo Lippi schuf in den fünfziger Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts die Darstellung einer Madonna mit Kind, die nicht nur durch die stille Intimität der Szene gefällt. Den Hintergrund der sehr gut erhaltenen, im unteren Teil leicht restaurierten Holztafel hat der Maler mit einem goldenen Vorhang versehen, dessen Faltenwurf und Stickerei filigran gemalt sind. Das Kinderhilfswerk Unicef, dem Rau seine umfassende Kunstsammlung vererbte, hofft auf einen Erlös von 400.000 bis 500.000 Euro.

          Eine Entdeckung ist die bislang unbekannte Ansicht der Piazzetta San Marco von Luca Carlevariis, dem Begründer der venezianischen Vedutenmalerei. Die sonnige Ansicht wird ins zweite Jahrzehnt des „Settecento“ datiert und soll 350.000 bis 400.000 Euro einspielen. Von Jan Brueghel dem Älteren stammt eine großformatige „Landschaft mit Venus und Adonis“, in der das Geschehen in der Nähe und das in der Ferne liegende Bergpanorama gleichermaßen detailreich dargestellt sind (180.000/220.000).

          Von Jan Brueghel dem Jüngeren werden drei Werke angeboten, zwei charakteristische Motive, unter anderen Darstellung einer „Dorflandschaft mit Pferdetränke“ (120.000/150.000) und eine bezaubernde „Allegorie des Wassers“ mit maritimen Details entlang eines Flusslaufs (120.000/140.000). Brueghels Spätwerk „Allegorie des Krieges“, das einem um 1647 datierten Motiv ähnelt, löst sich vom Vorbild des Vaters und entwirft eine dramatisch belebte Szene mit dem Kriegsgott Mars am Rand einer brennenden Stadt - Sinnbild für ein zerstörtes Europa am Ende des Dreißigjährigen Kriegs. Die Erwartung für das auf Kupfer ausgeführte Werk liegt bei 40.000 bis 50.000 Euro.

           Gerard Seghers’ Mariä Verkündigung, Öl auf Leinwand, 119,5 mal 206,5 Zentimeter groß, war geschätzt auf 90.000 bis 110.000 Euro. Der Zuschlag erfolgte bei 110.000 Euro.

          Vom Antwerpener Barockmaler Gerard Seghers wird eine 120 mal 200 Zentimeter große, realistisch gemalte „Mariä Verkündigung“ angeboten. Die Figuren des grün und golden gewandeten, mit beeindruckenden Flügeln ausgestatteten Engels und der sitzenden Maria heben sich plastisch aus dem dunklen Bildraum hervor. Eine Schar von Engeln beobachtet das Geschehen vom Himmelszelt. Damit folgt Seghers ganz Caravaggio, dessen Schüler Bartolomeo Manfredi Seghers bei einem Italien-Aufenthalt stark beeinflusste. Die Schätzungen für das in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts entstandene Gemälde beträgt 90.000 bis 110.000 Euro.

          Die Sammlung Rau ist auch bei den Spitzenstücken unter den Skulpturen präsent: In der Mitte des 14. Jahrhunderts entstand eine fast lebensgroße, in Kalksandstein ausgeführte Madonna mit Kind, die zuletzt im Kölner Museum Schnütgen zu bewundern war. Die stehende Figur ist im Originalzustand erhalten und wurde nicht farblich nachgearbeitet (200.000/300.000).

          Unbekannte Folge von Jakob Philipp Hackert

          Den Sprung ins 19. Jahrhundert vollzieht Lempertz mit einer Entdeckung: Seit den fünfziger Jahren befand sich die bislang unbekannte Folge von vier Landschaftsgemälden Jakob Philipp Hackert in einer süddeutschen Privatsammlung. Die italienischen Landschaftsansichten, in Komposition und Stimmung sorgsam aufeinander abgestimmt, schuf Hackert in seinen letzten beiden Lebensjahren im Auftrag. Die makellosen Werke zeigen den Golf von Pozzuoli(120.000/150.000), einen Wasserfall bei Sessa Aurunca (120.000/140.000), den „Blick auf der Kirche Santa Maria die Miracoli in Scafati bei Nocera Inferiore“ (80.000/100.000) und eine ländliche Szene mit der Abtei von Vallombrosa im Hintergrund (80.000/100.000). Wichtigstes Los bei der Kunst des 19. Jahrhunderts ist jedoch ein „Chrysanthemen in einem irdenen Krug“ von Henri Fantin-Latour. Das auf 200.000 bis 350.000 Euro geschätzte Gemälde entstand 1872 und ist in seiner singulären, von allem Beiwerk befreiten Komposition den Blumenstillleben Manets verwandt.

          Jacob Philipp Hackerts „Blick auf den Golf von Pozzuoli“ von 1805, Öl auf Leinwand, 64,5 mal 96,5 Zentimeter groß und geschätzt auf 120.000 bis 150.000 Euro. Das Bild gehört zu einer Reihe von vier Gemälde, die zusammen für 480.000 Euro verkauft wurden.

          Die Provenienz Rau trägt auch eine nur rund siebzehn mal 22 Zentimeter große, lebhafte Studie von Satyr und Nymphe, die Eugène Delacroix nach Peter Paul Rubens in Öl schuf. Der beherzt nach der Nymphe greifende Satyr sollte demjenigen, der die neckische Szene sein Eigen nennen möchte, 140.000 bis 180.000 Euro wert sein. Von Barend Cornelis Koekkoek wird eine „Sommerlandschaft“ angeboten, in der sich im dichten Grün des dargestellten Waldes ein differenziertes Lichtspiel offenbart. Das 41 mal 55 Zentimeter kleine Bild ist mit 130.000 bis 170.000 Euro beziffert.

          In der mehr als tausend Lose umfassenden Sektion Kunstgewerbe fallen zwei Stücke besonders auf: ein monumentaler venezianischer Prunkrahmen aus dem 18. Jahrhundert mit einer Höhe von 2,73 Metern und einer Breite von 1,94 Metern. Er stammt aus der Werkstatt von Andrea Brustolon, einem der wichtigsten Holzschnitzer seiner Zeit, der zahlreiche Palazzi der Lagunenstadt mit seinen Arbeiten ausstattete. Der heute mit einem Spiegel versehene Pinienrahmen wurde ursprünglich wohl als Porträtrahmen gefertigt und zeigt eine Fülle von Putten und Tierfiguren (300.000/400.000). Geradezu handlich ist dagegen ein 24 Zentimeter großer, in getriebenem und vergoldetem Silber gefertigter, sich auf seinen Hinterbeinen aufbäumender Stier, natürlich Sammlung Rau. Das Trinkgefäß mit abnehmbaren Kopf wurde vom Nürnberger Goldschmied Hans Kellner Ende des 15. Jahrhunderts gefertigt (80.000/ 120.000).

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