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FAZ.NET-Sprinter : Wo der Kreis sich schließt

Rapper Farid Bang (links) und Rap-Kollege Kollegah bei der Echoverleihung in Berlin am 12. April 2018 Bild: dpa

Gangsta-Rap und AfD passen auf den ersten Blick nicht recht zusammen. Und doch könnten Alice Weidel und Farid Bang bald vor Gericht aufeinandertreffen. Dabei eint die beiden mehr, als sie trennt. Was, das steht im FAZ.NET-Sprinter.

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          Heute beschäftigt sich ein Gericht mal wieder mit den „gewaltverherrlichenden, verrohenden, frauen- und homosexuellenfeindlichen“ Texten eines Rappers. Es geht diesmal um ein Album von Bushido, das mit der zitierten Begründung auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gelandet ist. Dagegen klagt Bushido vor dem nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgericht, obwohl er auf seinem Album wenig Respekt vor Staatsbediensteten zeigt („Du Schwuchtel wirst hier ausradiert / Du Drecksbulle bist außer dir“).

          Bushidos Anwalt argumentiert, dass „Kenner des Genres“ durchaus unterscheiden könnten zwischen den „fiktiven Rap-Klischees“ und der Wirklichkeit. Blöd nur, dass ihm sein Mandant mit Textzeilen wie „Guck, die Ghettokids, sie nehmen meine Lebensweise an“ selbst widerspricht.

          Vor Gericht könnte sich bald auch ein anderer Rapper wiederfinden. AfD-Politikerin Alice Weidel prüft rechtliche Schritte gegen Farid Bang, nachdem der sie als „Nazi-Bitch“ bezeichnet hatte. Um zu verstehen, warum Rapper so gerne ausfallend werden, braucht man kein Kenner des Genres zu sein. Es reicht, sich ein Video anzusehen, in dem Kollegah und Farid Bang im vergangenen September eine Wette abschlossen: Beide schätzten, wie viele Vorbestellungen für ihr rund zwei Monate später erscheinendes Album eingehen würden. Der Einsatz? „Wir haben eine Zeile, für die man auf jeden Fall verklagt wird“, sagte Kollegah. Wer sich verschätze, müsse diese Zeile rappen.

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          Es war dann Farid Bang, der auf einem Bonustrack des Albums zum Besten gab: „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“. Auch wenn unklar ist, ob das die bei der Wette gemeinte Zeile war, macht es doch deutlich: Die Rapper spielen mit der Empörung, die ihre menschenverachtenden Zeilen zu Recht auslösen – und nutzen sie für ihre Promo.

          Da schließt sich dann wieder der Kreis zur AfD. Auch die Rechtspopulisten verfolgen schließlich recht unverhohlen die Strategie, mit größtmöglichen Provokationen („Denkmal der Schande“) im Gespräch – und mit halbherzigen Entschuldigungen gesellschaftsfähig zu bleiben. Wie man mit diesen kalkulierten Skandalen am besten umgeht, zeigte Borussia Dortmund, nachdem Bushido auf dem Album, um das es heute vor Gericht geht, gerappt hatte: „Der Jürgen Klopp in Birkenstock / Lustig, lustig, wenn ich ihm sein Maul mit meinem Gürtel stopf'”. Ein Sprecher des Vereins sagte damals: „Für Borussia Dortmund gibt es nichts Wichtigeres als Fußball. Und nichts Unwichtigeres als solche Nicht-Themen.” Womit wir dann wieder bei Mesut Özil wären, dem diese Priorisierung für die Zukunft nur sehr ans Herz gelegt werden kann.

          Und sonst? Im Bundestag hält Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Rede, außerdem gibt es eine Generalaussprache. Themen dürften unter anderem die aktuelle Krise in Nahost und der Fortbestand des Atomabkommens mit Iran werden. Darum wird es auch bei einem informellen Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs am Abend in Sofia gehen. Und in Karlsruhe verhandelt das Bundesverfassungsgericht über die Rechtmäßigkeit des Rundfunkbeitrags.

          Die Nacht in Kürze

          Nordkoreas Regierung droht damit, das Gipfeltreffen mit Amerikas Präsident Donald Trump platzen zu lassen. Das Regime in Pjöngjang beschwert sich über die Forderung nach der Aufgabe des Atomwaffenarsenals und über Militärübungen mit Südkorea.

          Irans Regierung zeigt sich zuversichtlich, das Atomabkommen nach dem Ausstieg der Amerikaner mit den verbliebenen Partnern fortsetzen zu können. Bei Gesprächen in Brüssel versprach die EU eine Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen.

          Die Amerikaner haben die Eröffnung von Russlands neuer Brücke zur Halbinsel Krim verurteilt. Die Regierung in Washington sieht darin eine Verletzung des internationalen Rechts.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

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